von altravita · Mittwoch, 1. Juli 2009 · Keine Kommentare · 1 Trackbacks/Pingbacks
Jetzt haben wir den Salat. Kakà wurde an Real Madrid verscherbelt, Maldini hört auf, Ancelotti wurde zu Chelsea komplimentiert und die einzigen Neuzugänge bis jetzt sind ein paar 17- und 18-jährige für die Jugendmannschaft. Der Verein wurde einem Nicht-Trainer, Leonardo, anvertraut, dessen Aufgabe vornehmlich darin besteht, den Mund zu halten, keine Transfers zu fordern und am Ende der nächsten desaströsen Saison alle Schuld auf sich zu nehmen. Unabhängig von den offiziellen Verlautbarungen der Vereinsoberen sprechen wir von einer veritablen Revolution: Ein ehemaliger Topclub, eine der stärksten Marken der Fußballwelt wird sich selbst überlassen.
“Versicherung, Treibstoff und Mechaniker für Berlusconis Privat-Helicopter (Privatausgaben) kosten jährlich so viel wie eine Dreifamilienhaus in Trapani oder eine Einzimmerwohnung in St. Moritz.”
Erste Resultate zeigen sich auch schon: Nach mehreren Wochen Vorverkauf steht die Anzahl der erneuerten Dauerkarten bei ca. 400. Wohlgemerkt: In der ersten Phase der Dauerkartenkampagne haben sich ca. 400 von 50.000 Abonnierten der letzten Saison für eine Erneuerung ihres Platzes entschieden. Eine Tatsache, die AD Adriano Galliani vor einigen Tagen zu der Phrase veranlasste, dass die Fans die neue Situation verstehen werden und die “entwickeltsten” (“più evoluti”) unter ihnen bereits verstanden hätten. Es zeugt schon von einigem Mut und sagt einiges über das Verhältnis zwischen Tifoseria und Vereinsführung aus, wenn der sichtbare Protest der Fans gegen Lügen, Verschleierungen und Versenkung des einst glorreichen AC Milan mit der evolutionären Rückständigkeit der Fans begründet wird.
Nun, ich zieh mir die Jacke nicht an und dann schauen wir mal auf die Fakten. Der Eigner des AC Milan Fininvest hat also entschieden, dass der Verein keine roten Zahlen mehr schreiben darf, die Bilanz muss also am Ende jedes Geschäftsjahres ausgeglichen sein. Der Verein trägt sich also selbst. Gut, verständlich, niemand kann gezwungen werden, jährlich mit dutzenden von Millionen Euros einen Fußballverein zu sponsoren, dessen Image und Webewirkung der offensichtlich in Italien unangreifbare und über keinen noch so widerlichen Skandal stolpernde Berlusconi nicht mehr braucht, um seine Macht zu festigen. Der AC Milan ist für Silvio Berlusconi, dem weder Scheidung, noch Feste mit halbnackten 18-jährigen in seinen Villen, noch Beziehungsgerüchte zu Noemi, noch die Besetzung des Parlaments mit Models, noch Flüge von “Freundinnen” auf Staatskosten, noch Prostituierte etwas anhaben können, mittlerweile unnötig geworden. Und also schlägt das Herz nicht mehr für den Verein, als dessen glühendster Fan er sich seit Mitte der 80er Jahre gerierte, den er 20 Jahre lang mit finanziellem Einsatz an die Weltspitze geführt hat – und von dem er einen unbezahlbaren Image-Schub erhalten hat, der ihn an die unbestrittene Spitze des Landes katapultiert hat. Jetzt, als sowieso unbestrittener Sonnenkönig, wird das wertlose Hobby aufgegeben.
“Nur, um euch eine Idee zu geben. Berlusconis jährliche Kosten für die Rasenpflege seiner Villen entsprechen dem, was eine durchschnittliche italienische Familie einmal im Leben für eine Immobilie ausgeben würde: 200.000 Euro.”
Jetzt haben wir aber Krise und wir Fans werden gebeten zu verstehen, dass die Millionen nicht mehr fließen können wie gewohnt. Aha, Krise. In den Jahren 2007 und 2008 bezog Silvio Berlusconi persönlich 330 Millionen Euro an Dividenden aus seinen Holdings – Früchte eines Gewinns, in dem die Verluste des AC Milan maximal als von der Steuer abschreibbare Gewinneinbußen auftauchten. Lächerliche Gewinneinbußen im übrigen, verglichen mit den Gesamteinnahmen des Imperiums. Das Flaggschiff des Berlusconi-Imperiums mit seinen Anteilen an Mondadori, Mediaset, Mediolanum, Milan, Medusa etc. wird auf 10 Milliarden Euro geschätzt. Überhaupt: Der AC Milan gehört der Fininvest, ein Konglomerat, das seinerseits von verschiedenen Holdings kontrolliert wird:
Holding Italiana Prima (1.)
Holding Italiana Seconda (2.)
Holding Italiana Terza (3.)
Holding Italiana Quarta (4.)
Holding Italiana Quinta (5.)
Holding Italiana Ottava (8.)
Holding Italiana Quattordicesima (14.)
Holding Italiana Ventitreesima (23.)
8 Finanzholdings kontrollieren also die Fininvest, ihrerseits Inhaber des AC Milan. Die Holdings “Prima”, “Seconda”, “Terza” und “Ottava” haben als einzigen Investor Silvio Berlusconi. Diese bedeuten einen Anteil von 63 % an der Fininvest, Berlusconi ist also bei weitem der Mehrheitsaktionär der Fininvest, der auch die meisten Dividenden kassiert. Die anderen 4 Holdings (”Quarta”, “Quinta”, “Quattordicesima”, “Ventitreesima”) kontrollieren die weiteren 37 % der Fininvest. Die “Quattordicesima” (14.) hat 3 gleichberechtigte Aktionäre, die 3 Kinder mit seiner in Scheidung befindlichen Frau Veronica, die verbleibenden 3 Holdings gehören Berlusconis Kindern aus erster Ehe, Marina und Piersilvio. Die letzte gehört Veronica Lario selbst.
Wohlgemerkt, ich rede nur von der Fininvest, nicht etwa von dem weiteren Vermögen, das der Berlusconi-Clan in der Welt verteilt hat zwischen Villen, Immobilien, Aktienbesitz und Finanzbeteiligungen.
Nun, es ist offensichtlich, dass die Kinder Marina und Piersilvio, ihrerseits an der Spitze der Fininvest selbst, die Verluste des AC Milan als unnötige Ausgaben betrachten und diese vermindern wollen. Gedrängt wird auf entsprechende Maßnahmen seit bereits 2 Jahren, die Auswirkungen z.B. auf den Transfermarkt, sind auch seit 2007 evident. An dieser Stelle kommen die Gerüchte um einen Verkauf des AC Milan oder einer Minderheitsquote an “die Araber” ins Spiel, eine Übereinkunft mit der Finanz- und Immobilienholding von Mohammed bin Rashid Al Maktoum, in England “Big Mo” genannt. Entsprechende Kontakte zum Verkauf einer Quote am AC Milan wurden in einem Nebensatz von Ernesto Bronzetti, Transfermarktkonsul des AC Milan für Spanien, indirekt bestätigt, als dieser über den Verkauf Kakà s berichtete:
“Was Kakà angeht, war die Hoffnung, der Brasilianer könnte bei Milan bleiben, aus einer Situation am 27.05. geboren, sehr lebendig und in voller Entwicklung, die der rotschwarzen Gesellschaft frisches Kapital garantiert hätte.”
“Per quanto riguarda Kakà , la speranza che il brasiliano potesse restare nel Milan nasceva da una situazione in quel momento, parliamo del 27 maggio, molto viva e in piena evoluzione, che avrebbe potuto garantire nuovi capitali alla società rossonera.”
(Ernesto Bronzetti, 09.06.2009)
Es wurde oder wird also tatsächlich mit Rashid Al Makhtoum verhandelt, Emir von Dubai, Premierminister und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, dessen Sohn beim Palermo-Spiel mit Galliani im Stadion San Siro gesehen wurde, vor dem Spiel sogar beim Rasenrundgang im Blitzlichtgewitter. Verbindungen zwischen Al Makhtoum bestehen, darauf hatte ich ja des öfteren bereits hingewiesen: Eine weitere Gesellschaft der Emirate, die Abu Dhabi Investment Authority, hält bereits 2,04 % der Mediaset-Aktien und möchte diesen Anteil erhöhen. Im Detail sahen die Vertragsverhandlungen vor, dass die ADUG (Abu Dhabi United Group, Immobilien und Tourismus) 35-40 % der Anteile am AC Milan übernimmt, die derzeit zu 99,99 % in den Händen der Fininvest liegen. Ein von der BNP Paribas garantierter Deal, der ca. 400 Mio Euro in die Kassen des AC Milan gespült hätte. Gleich inbegriffen wäre eine Option gewesen, für weitere 600 Mio Euro den Rest des Vereins zu übernehmen. Mithin: 1 Milliarde Euro sollte sich die ADUG den AC Milan kosten lassen und noch am 27. Mai verhandelte man. Neue Spieler, neues Stadion…
Nun, der Deal wäre für Berlusconi steuerlich hervorragend gewesen und der AC Milan hätte endlich sein neues Stadion bekommen (Stil Emirates Stadium in London). Gerüchte besagen, dass bereits Pläne vorliegen für ein Multifunktions-Stadium in Mailand, Zona Fiera, für ca. 80.000 Besucher. Vorgestellt soll das Projekt worden sein durch die “Hydra Properties”, einer der operativen Arme von “Big Mo”, der in der Person des Finanziers Sulaiman Al Fahim den Deal abgewickelt und die zukünftigen Investments organisiert hätte.
Die Spieler, heißen Sie nun Kakà , Pato, Pirlo oder Seedorf und ihre möglichen Transfers haben vor diesem Hintergrund nun wirklich keine ernsthafte Bedeutung mehr. Höchstens als Symbol: Der Verkauf Kakà s manifestiert einerseits endgültig das komplette Desinteresse Silvio Berlusconis an seinem einstigen Lieblingsspielzeug, andererseits bedeutet er eben auch einen Ausverkauf des Tafelsilbers. Meiner Meinung nach bedeutet der Transfer von Kakà nicht, dass Berlusconi in Zeiten der Krise am Verein festhält und ihn nicht an die ADUG verkauft – viel eher sehen wir hier eine Aushöhlung des Kapitals, des Transfers der Erlöse zur Fininvest (als nun auch geldwerte Kompensation für vergangene Investments) und die Vorbereitung für einen kompletten Rückzugs Berlusconis aus dem AC Mailand. Viele der derzeitigen Äußerungen lassen sich nämlich fast nur noch so interpretieren, dass Berlusconi die Fans willentlich verärgern und gegen seine Person aufbringen will: eine Situation in der ein Verkauf dann wohlwollend akzeptiert wird. Und was wäre Schlitzohr Berlusconi da lieber, als bei der Gelegenheit auch noch das Tafelsilber zu Geld zu machen.
“…man braucht Intelligenz um historische Momente zu begreifen. Nach 23 Jahren großer Investitionen, ruht man sich im 24 aus. Dann ändert sich vielleicht die Wirtschaftslage und man nimmt wieder größere Projekte in Angriff. Dieses ist nur eines von 24 Jahren unseres Lebens mit dem AC Milan. Milan steht nicht zum Verkauf und ist im Herzen des Präsidenten Silvio Berlusconi.”
“…bisogna avere l’intelligenza di capire i momenti storici. Dopo 23 anni di grandi investimenti, il 24esimo ci si riposa. Poi magari l’economia cambia e si torna a fare cose importanti. Questo è solo uno dei 24 anni della nostra vita di Milan. Il Milan non è in vendita ed è nel cuore del presidente Silvio Berlusconi”
(Adriano Galliani, 29.06.2009)
Krise? Sicher, für uns Fans. Es geht hier nicht um irgendwelche Verluste, diese sind für die Familie Berlusconi vermutlich geringer als die Kosten für die diversen Feste mit eingekauften jungen Mädchen in der Villa Certosa. Es geht darum, dass Silvio Berlusconi den Verein nicht mehr als Image-Schleuder braucht und sich sein doch angeblich so glühend für den Verein schlagendes rotschwarzes Herz sich erstaunlich kalt anfühlt. Ich weise hier nur darauf hin, dass das vielbeschworene Finanzloch beim AC Milan, der im letzten Geschäftsjahr 65 Millionen Euro Verlust machte, die durch die Fininvest “ausgeglichen” werden mussten, sich natürlich steuerlich bemerkbar machten: Aus einer 65 Millionen Rechnung werden bei einer Gewinn erwirtschaftenden Holding nach Abzug von Steuern eben nur noch 35 Millionen Verlust. Und dann gehören Berlusconi eben “nur” 63 % an der Fininvest, d.h. von den 35 Millionen betreffen ihn ja nur ca. 22 Millionen. Klar und selbstverständlich, dass man Kakà – bei allein 330 Mio Dividendeneinnahmen aus einem Investment in 2 Jahren – dringend verkaufen musste. Der arme Mann hatte ja gar keine andere Chance!
Alles deutet darauf hin, dass sich Silvio Berlusconi auf einen Rückzug aus dem AC Milan vorbereitet und bei der Gelegenheit noch schnell seine vergangenen Investments zu Geld macht. Denn seinen Starspieler zu verkaufen, das traute sich nicht einmal Skandalpräsident Giusy Farina, der den Verein in die Serie B steuerte und sich höchstens damit einen Namen machte, dass er selbst die Möbel aus Milanello auf den Gebrauchtwarenmarkt warf.
Dann schauen wir einmal. Aber viel Grund für Optimismus sehe ich nicht – die Zukunft ist deutlich mehr schwarz als rot.
von altravita · Mittwoch, 24. Juni 2009 · 4 Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks
Der Weg zum Strand
So, die Fußballsaison ist endlich vorbei und endlich finde ich mal Zeit, wieder etwas für die Rubrik “Italien für Anfänger” zu schreiben, schließlich stehen ja die Sommerferien vor der Tür. Heute geht es um Fortbewegung, alles also, was ich in “Autofahren in Italien” ausgelassen habe. Das heißt, ausgelassen habe ich gar nicht so viel, der Italiener fährt ja weiterhin mit dem Auto, zu jeder Tageszeit, jede Distanz und überall hin. Manchmal nimmt er auch die Vespa, damit kommt man auch im dichtesten Römer Stadtverkehr voran und kann sie überall parken. Wichtig ist aber, dass der Italiener fährt, es gibt nämlich nur eins, was ihm noch zuwiderer ist, als ohne “telefonino” das Haus zu verlassen: zu Fuß irgendwohin gehen. Macht er nicht. Geht nicht. Füße sind zum Fußballspielen oder – bei weiblichen Exemplaren – zum bewundern da, keinesfalls zur Überbrückung von Distanzen. Keiner Distanzen.
In unzähligen Monaten mühevoller Feldforschung in meiner Stammkneipe konnte ich es zum Beispiel beobachten, dass 10 von 10 Italienern es bevorzugen, ihr Fahrzeug in den Hof zu stellen, anstatt einen der beiden geräumigen Parkplätze zu nutzen – einer direkt gegenüber, ein weiterer ca. 100 m (also gefühlte 100 km) den Berg hinauf. Und so kann man allabendlich das Schauspiel beobachten, wie Gäste, die auf einen Aperitiv, einen Caffè oder auch mal ein ganzes Abendessen vorbeischauen, ihr Gefährt in den Innenhof stapeln. Der Zugang ist schmal und liegt in einer komplett unübersichtlichen 180-Grad-Kurve, man kann nicht drehen und zum Verlassen des Lokals muss man den Kofferraum mutig in den fließenden Verkehr halten. Und weil immer nur einer der letzte sein kann, sorgt jeder Aufbruch eines Gastes für komplizierte Rangiermanöver – erst einmal müssen alle Autos runter vom Hof und danach ordnet man sich fein säuberlich wieder ein. Üblicherweise mehrfach am Abend. Und mit einem durchschnittlichen Blechschaden pro Woche, die strategisch prima in die Zufahrt ragenden Blumenkübel sind beim Rückwärtsfahren nämlich nicht zu sehen. Ab und zu muss auch mal einer darauf hingewiesen werden, dass die Lücke vor der Eingangstür nicht der letzte Parkplatz ist, sondern notwendig zum reingehen – normalerweise fährt so jemand dann nach Hause. Was soll er denn machen? Kein Parkplatz!
Nun, ich würde den Teufel tun, mich so zu stellen, dass ich viermal abendlich vom Tisch aufstehen müsste, um mit anderen Führerscheininhabern Auto-Tetris zu spielen, aber ich bin ja auch kein Italiener. Und die gehen nicht zu Fuß, Beine haben sie nur, um Gas, Kupplung und Bremse zu bedienen. Deutsche Touristen erkennt man nämlich schon aus 300 Metern Entfernung, und zwar schon lange bevor man weiße Haut mit rotem Kopf, Händchenhalten oder die typischen Popeline-Uniformen (Wo kauft man eigentlich Touri-Kleidung? Gibt’s da Spezial-Geschäfte?) ausmachen kann: Touristen sind die, die sich dem Lokal zu Fuß nähern! Hierzu benutzen sie den Straßenrand, denn Bürgersteige gibt es in Italien ja konsequenterweise keine. Bürgersteige, Fußwege, Bordsteine – nichts dergleichen. Man ist ja kein Dritte-Welt-Land! Höchstens mal in der Innenstadt vor einer Bar oder einem Tabakladen, aber das sind Vespa-Parkplätze. Wer so wahnsinnig ist, auf eigenen Beinen zur Sehenswürdigkeit seines Vertrauens zu gelangen zu wollen, hat sich hierzu eng an Häuserwände zu schmiegen und bei Bedarf in Türöffnungen oder Hofeinfahrten zu ducken. Hierbei erntet man häufig mitleidsvolle Blicke, schließlich hat man ja ganz offensichtlich den Führerschein verloren und ist nun darauf angewiesen, sich auf diese unglaublich erniedrigende Weise fortzubewegen.
Dies wird – es muss ja Ausnahmen geben – auf den Uferpromenaden durchgeführt. Hierbei muss sichergestellt sein, dass es sich um gepflegtes Flanieren handelt und man keineswegs vorhat, von einem bestimmten Punkt A zu einem bestimmten Punkt B zu gelangen! Man zieht sich hübsch an und schreitet betont langsam daher, gern auch mit einem Eis in der Hand und also unter keinen Umständen den Eindruck erweckend, man würde irgendwohin wollen. Denn das würde ins Italienische übersetzt ja entweder heißen, dass man sich kein Auto leisten kann, oder seine Fahrerlaubnis gerade den örtlichen Polizeibehörden geborgt hat, beides ist natürlich unakzeptabel. Außer auf der Uferpromenade fährt man also: Man fährt die 100 m zur Bar, man fährt die Kinder den halben Kilometer zur Schule, man fährt zur U-Bahn, man fährt zum Strand, zum Zigarettenholen, zum Einkaufen, auf den Spielplatz hinterm Haus und neuerdings zum Mc Donald’s Drive-In. Und konsequenterweise gibt es eben auch keine Bürgersteige, achten sie mal drauf.
Kein noch so exorbitant hoher Benzinpreis, keine Wirtschaftskrise konnten dem Italiener die motorisierte Fortbewegung abgewöhnen. Zur Not muss eben ein Auto-Ersatz wie der Fiat 500 herhalten, es muss nur von allein rollen und Krach machen. Lieber sitzt der Italiener zuhause und isst den Kitt aus den Fensterrahmen, als auf die Idee zu kommen, zu Fuß einkaufen zu gehen. Und wer will es ihm verdenken? Autofahren befeuert die Wirtschaft, man schliesst im Dauerstau leicht Kontakte, kann laut Musik hören und ungestört telefonieren und das Auto ist mittlerweile der einzige Ort, wo man “drinnen” rauchen kann. Und selbstverständlich spielt eine Rolle, dass alle Nachkriegsgenerationen im Auto gezeugt wurden (deswegen wiegt der Durchschnittsitaliener auch weniger und ist kleiner als der Deutsche, das ist angewandter Darwinismus): der Italiener fühlt sich im Auto so wohl, wie andere Völker im Bett! Vor allem aber zeigt man, dass man ein Auto hat. Keins zu besitzen ist nämlich genauso undenkbar, wie ohne Telefon durch die Gegend zu strolchen: asozial, absurd, unakzeptabel. Falls sie also nicht sowieso mit dem Auto in ihren nächsten Italien-Urlaub reisen, nehmen sie sich einen Mietwagen. Oder legen sie sich eine gute Entschuldigung zurecht. Denn glauben Sie mir, es gibt 3 Gespräche, die sie in Italien nicht führen wollen: “Ich habe keinen Fernseher”, “Ich habe kein Handy” und “Ich habe gar kein Auto”.
von altravita · Dienstag, 9. Juni 2009 · 11 Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks
So, es ist raus, heute Nacht kommunizieren der AC Milan und Real Madrid offiziell, das Ricky Kakà ab sofort die camiseta blanca tragen wird. Im Raum stehen 65 Millionen Ablösesumme und 9 Millionen netto für den Spieler, offizielle Zahlen wurden nicht veröffentlicht.
Ob sich der Verkauf des Schlüsselspielers und pallone d’oro 2007 und daraus resultierende Neuverpflichtungen als sportlicher Gewinn für den Verein darstellen werden, werden die anstehenden Neuverpflichtungen und die nächsten Spielzeiten zeigen. Eine veritable Zäsur in der Vereinspolitik markiert der Transfer allemal: Der europäische Spitzenklub AC Milan, der sich bis heute offiziell als “meistdekorierter Klub der Welt” bezeichnet, der in der Vergangenheit im Zweijahres-Abstand Finals der Champions League bestritt, der bis vor wenigen Jahren mit einem scheinbar unbegrenzten Budget Europas Spitzenspieler verpflichtete und nur sportlich wertlose Spieler abgab, ist Geschichte. In Zukunft werden wir einen AC Milan sehen, der sich finanziell weitgehend selbst tragen muss, der dem Modell AS Roma, Udinese oder Arsenal folgend junge Spieler verpflichtet und auf dem Höhepunkt ihres Leistungsvermögens abgibt, um die Bilanz auszugleichen.
Kein, ich wiederhole kein, europäischer Verein mit Titelambitionen trägt sich selbst. Selbst wenn man als Vorbild exzellente Clubs mit unserer neuen Philosophie betrachtet, spielen die weder in der Meisterschaft noch der Champions League eine herausragende Rolle. Dieser Aspekt wird von den Granden des AC Milan gern verschwiegen. Der Verkauf Ricky Kakà s markiert einen Umbruch, eine Revolution, die weiße Flagge eines europäischen Topclubs, der in Zukunft versuchen muss, durch Champions-League-Teilnahmen und Spielerverkäufe Gewinn zu erwirtschaften.
“Kakà e il Milan hanno già risposto al Real Madrid in passato. Non vedo alcuna ragione per cambiare questo atteggiamento. E poi la prova di attaccamento ai colori rossoneri data in questi giorni mi sembra eloquente…”
“Kakà und Milan haben Real schon in der Vergangenheit geantwortet. Ich sehe keinen einzigen Grund, von dieser Position abzuweichen. Zudem erscheint mir die Bindung an die rotschwarzen Farben in diesen Tagen Bände zu sprechen…”
(Silvio Berlusconi, 23.01.2009)
Kakà bekommt bei Real effektiv weniger Geld (nur 50 % der Imagerechte). Der von Galliani erwähnte steuerliche Aspekt ist zudem nur für den Verein interessant, nicht für den Spieler, Spieler verhandeln immer Nettosummen. Desweiteren halte ich es für einen Spieler normal, zu wechseln, wenn er nicht mehr das Vertrauen seines Arbeitgebers spürt, der ihn innerhalb von 6 Monaten zweimal an den nächstbesten verkaufen will – kein Spieler der Welt bleibt “für die Fans” bei einem solchen Club. Ungeachtet der bisherigen Aussagen der Vereinsführung, dass man “versuchen werde, Ricky zu halten”, aber “ausländische Clubs mit anderen Summen operieren” steht fest, dass Kakà gegen seinen erklärten Willen zu Real wechselt, verkauft von einem Clubeigner, der zwar eine neue Strategie beschlossen hat, sich offiziell aber noch in den Erfolgen der Vergangenheit badet und von einem “auf allen Ebenen wettbewerbsfähigen AC Milan” fabuliert, der im nächsten Jahr mit einer Mannschaft antreten wird, “die gegenüber Inter konkurrenzfähig ist”. Wohlgemerkt, dasselbe Inter, dass uns (mit Kakà ) in den vergangenen Spielzeiten um zwischen 10 und 20 Punkte deklassiert hat. Wie man die Abgabe des absolut besten Spielers des Vereins sportlich kaschieren will und zudem den absolut notwendigen Umbau der überalterten Mannschaft angehen will, zumal mit einem absoluten Novizen auf dem Trainerstuhl, steht bislang noch in den Sternen.
Vor allem sprechen wir von einer Finanzholding (Fininvest) als Clubeigner, die im Jahr Gewinne macht – andersherum heißt das, dass die 30 oder 60 oder 90 Millionen Verlust, die bei Fininvest in der Bilanzsumme auftauchen, steuerlich geltend gemacht werden können. Von den nominellen Verlusten (Bilanzausgleich des ACM durch die Fininvest) ist immer abzuziehen, dass gut die Hälfte als Steuern an den Staat gegangen wären. Also hat zwar Fininvest dieses Jahr 65 Mio zugeschoben, um den Haushalt 2008 auszugleichen, davon mehr als die Hälfte an Steuern gespart. Wenn man jetzt noch herausrechnet, dass Berlusconi ja keinesfalls 100% an Fininvest gehören, ist der tatsächliche finanzielle Verlust für unseren kleinen Sonnenkönig natürlich deutlich geringer, als die Zahlen, die immer so gern in den Medien zitiert werden. Seit die Kinder Marina und Pier Silvio Berlusconi (eine Interista, hört, hört) die Führung der Fininvest übernommen haben, sind denen die jährlichen Verluste des ACM ein Dorn im Auge und beide fordern einen ACM, der “sich selbst trägt”. Genau das sehen wir im Moment und Silvio Berlusconi hat a) im Moment keinen Bedarf mehr am ACM als Image-Träger und b) im Moment dringendere Baustellen aufzulösen (Scheidung, Noemi, Finanzkrise).
Silvio Berlusconi, der Schattenpräsident, steht im Moment vor der Herausforderung, sich mit den finanziellen Forderungen seiner Frau auseinanderzusetzen, die kürzlich die Scheidung eingereicht hat. Er muss einem wirtschaftlich angeschlagenen Land, dem er ja auch vorsteht, erklären, dass magere Jahre anstehen und der von Steuern und sinkenden Einkommen gebeutelten Bevölkerung vermitteln, dass der Gürtel enger geschnallt werden muss. Und er hat, vermutlich der wichtigste Punkt, angesichts einer von allen Skandalen unerschütterbaren, parlamentarischen Mehrheit keinen Bedarf mehr an einem unbesiegbaren AC Milan als Imageschleuder. Jedenfalls braucht er nicht mehr den AC Milan, um sich als Sieger darzustellen, seine Macht ist unangetastet. Politisch unangetastet selbst durch peinliche Fotos uns Spekulationen um ein Verhältnis zur jetzt 18-jährigen Noemi. Eine Präsidentschaft vom Typ “Santiago Bernabeu” geht bruchlos über in eine Präsidentschaft vom Typ “Giussy Farina” (und nicht mal der hat seinerzeit Baresi verkauft).
Nur, wenn der ACM vom Gönner-Modell (Inter) zum Modell Wirtschaftsunternehmen (Roma) wechselt, markiert das eine ernste Zäsur in der Strategie der Vereinsführung. Was die Mehrheit der Tifosi auf die Palme bringt, ist nicht diese 180Grad-Wendung als solche (Berlusconi kann mit seinem Geld machen, was er will), sondern, dass wir Fans für dumm verkauft werden sollen mit den dauernden “siamo a posto così”, “kommt Nesta zurück, brauchen wir keinen Verteidiger”, “mit Borriello haben wir schon einen Spitzenstürmer”. Was mich persönlich stört, sind die andauernden Beteuerungen, dass es kein “ridimensionamento” gibt, dass wir “nächstes Jahr um die Meisterschaft” spielen und dass man die Mannschaft “durch Zukäufe gar nicht verbessern kann, weil wir die besten Spieler schon bei uns haben”. Weil gewinnen werden wir so – genau wie Reggina, Chievo oder Udinese – genau gar nichts.
Einfach mal ein paar Worte zum Strategiewechsel, zum neuen Projekt, zur zukünftigen Vereinspolitik und eine objektive Ankündigung, dass uns Jahre ohne Titel bevorstehen, anstatt diese Dauerdisco vom “club più titolato al mondo”, der nächstes Inter deklassiert. Weil ich seit 3 Jahren komplett für dumm verkauft werde. Und an dem Punkt bevorzuge ich die Scheichs.
Der AC Milan verkauft seinen absoluten Starspieler, gegen den Willen der Fans und des Spielers selbst, um die anstehenden Wettbewerbe mit einer Mannschaft aus Spielern anzugehen, die allesamt Väter der Freundin des Vereinspräsidenten sein könnten. Irgendetwas läuft hier grundlegend falsch.
von altravita · Montag, 25. Mai 2009 · 13 Kommentare · 3 Trackbacks/Pingbacks
Am Sonntag verabschiedete sich der Kapitän des AC Milan, Paolo Maldini, in seinem 901. Spiel für die Rossoneri von seinem Publikum und seinem Stadion. Maldini stand für seinen Verein achtmal in den Finals des Europapokals der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League, fünfmal konnte er den wichtigsten Pokal des europäischen Fußballs in die Höhe stemmen. Sieben italienische Meisterschaften, fünf europäische Supercups. zwei Weltpokale, fünf italienische Supercups und ein Pokalsieg markieren die 25 Spielzeiten, die er mit dem AC Milan durchlebte. Vieles hat sich geändert seit 1985, als er das erste mal für dieselbe Mannschaft wie sein Vater Cesare Maldini auflief: Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt wurden damals verurteilt, Bangemann wird als Nachfolger von Genscher Bundesvorsitzender der FDP, der französische Geheimdienst versenkt das Greenpeace-Schiff “Rainbow Warrior” im Hafen von Auckland und Sat 1 geht das erstemal auf Sendung. Und Paolo Maldini spielt immer noch Fußball, am nächsten Sonntag das letzte mal für den Nachfolger von Franco Baresi als Kapitän.
Es hätte ein besonderer Tag werden sollen. Bei 30 Grad im Schatten füllte sich das San Siro-Stadion schon lange vor Spielbeginn, Panini verschenkte eine Sonderausgabe des Sticker-Albums mit allen 24 Bildern Maldinis, 70.000 weiße Maldini-Schals sorgten vor Spielbeginn für eine Gänsehaut-Atmosphäre, dutzende handgemalte Transparente zeugten von der Bedeutung dieses Spielers für einen Verein, der mit Maldini alles gewonnen hat, was es im europäischen Clubfußball zu gewinnen gibt. Die Spieler des AS Roma betraten mit einem ehrenden T-Shirt den Platz, der AC Milan mit dem neuen Shirt für die Saison 2009/2010, die erste ohne “il capitano”, seit ich Fan bin. Alles war bereit für einen bewegenden Fußballnachmittag, ein gebührendes Fest für einen der ganz wenigen verbliebenen Fußballer aus einer anderen Zeit, einer anderen Generation. Zanetti und Alex del Piero hatten sich bereits vor dem Spiel respektvoll geäußert, Roma-Ikone Francesco Totti nahm ihn nach dem Spiel in den Arm. Zeichen des Respekts für Maldini, der seit seinem 10. Lebensjahr für Milan spielt – von gegnerischen Fans, sportlichen Rivalen, Schiedsrichtern und Journalisten. Niemals hörte man eine abfällige Bemerkung oder ein Wutausbruch gegenüber dem Gegner, keine Geschichten von Diskothekenbesuchen oder lustigen Abenden mit Fotomodellen, kein Vereinswechsel, keine Wechselgerüchte, keine “Home-Stories”. Paolo Maldini war ein Ausnahmeathlet, der mit 41 Jahren noch einer der besten Verteidiger der Serie A ist, nicht grundlos drängten ihn Trainer und Clubeigner bis zuletzt, doch noch eine Saison zu verlängern.
Ein Spieler, der Milans Geschichte geschrieben hat, der seinen Farben ein Fußballerleben lang die Treue gehalten hat und das Team in 24 Jahren in 8 Champions-League/Landesmeisterpokal-Finals und zu 7 Meisterschaften geführt hat. Respekt? Solchen Spielern müsste im Zeitalter des modernen Fußballs, wo eine Mannschaft für einen Spieler nur jeweils das Sprungbrett für den nächsten, höher dotierten Vertrag ist und sich die Fans als die wahren Bewahrer von Farben und Tradition halten. Eben jenen ist es gelungen, den Abschied von Maldini zu ruinieren. Selbst die vielgehassten Fans des Stadtrivalen Inter ehrten Maldini im letzten Derby mit Applaus und einem wunderschönen Spruchband. Auch die heimische Curva Sud, ehemals Sitz der treuesten der treuen Tifosi, verabschiedete ihren Kapitän mit zwei striscioni:
“Per i tuoi 25 anni di gloriosa carriera sentiti ringraziamenti da coloro che hai definito mercenari e pezzenti.”
“Herzlichen Dank für die 25 Jahre deiner großartigen Karriere von denen, die du Söldner und Lumpen genannt hast.”
“Grazie capitano: sul campo campione infinito, ma hai mancato di rispetto a chi ti ha arricchito!”
“Danke Kapitän. Auf dem Platz unerreichbarer Champion, aber es fehlte dir an Respekt für die, die dich reich gemacht haben.”
Respekt? Es ist bekannt, dass das Verhältnis von Maldini und Curva nicht eben ein idyllisches war, aber dass die Curva es sich nicht nehmen ließ, einem solchen Spieler das Fest zu verderben, stimmt nur noch traurig. Daran kann auch nichts ändern, dass 70.000 Fans nach dem Spiel stehend Applaus spendeten, als er sich zur Stadionrunde aufmachte – eine von 4 Seiten des San Siro begleitete ihn mit einem riesigen Franco Baresi-Shirt mit der Nummer 6 und Sprechchören wie “Franco Baresi” oder “Es gibt nur einen Kapitän”. Weder der sichtbar wütende Carlo Ancelotti noch sein vermutlicher Nachfolger auf dem Trainerstuhl, Leonardo, konnten Maldini dazu bewegen, die eigentlich geplante Ehrung auf dem Platz vorzunehmen. Er floh in die Umkleidekabine.
Natürlich, Maldini war den Tifosi nie so nahe wie zum Beispiel Gattuso, Ambrosini, Inzaghi oder der zurückgekehrte Shevchenko. Die “Nummer 3″ hat sich immer merklich zurückgehalten, wenn es um ein inniges Verhältnis zu den Fans ging. Es war sicher auch seinem Einfluss zu schulden, dass die Spieler des AC Milan niemals unter die Fankurve kamen, sondern nach Siegen wie Niederlagen maximal vom Mittelkreis gewunken haben. Und die sind ihrem Kapitän durchaus auch mit einer gewissen Kälte begegnet. Maldini war Zentrum ernsterer Fanproteste nach einer Heimniederlage gegen Parma 1996. Es war sein erstes Spiel als Kapitän, Milan unter der Führung von Fabio Capello steht nach den vollmundigen Versprechungen vor Saisonbeginn auf einem enttäuschenden 10. Platz. Nach einer schlechten Leistung dreht die Curva – gefolgt vom Rest des Stadions – den Rücken zum Spielfeld und beginnt nach Parmas Führungstreffer, Rauchbomben und Eier auf den Platz zu werfen. Ernste Unstimmigkeiten gab es auch nach dem erbärmlich abgeschenkten Champions-League-Finale in Istanbul 2005. Die Curva Sud beschuldigt die Spieler, sich in der zweiten Halbzeit (bei 3:0 Führung) gehen gelassen zu haben und identifiziert den Kapitän als Verantwortlichen, der die Mannschaft zu mehr Konzentration hätte aufrufen müssen. Auch nicht besonders elegant war auch seine Geste, welche die Fans zum Schweigen aufforderte, als diese nach Abpfiff (trotz des erbärmlichen Spiels wurde das Team über 90 Minuten unterstützt) ihren berechtigten Unmut über den lächerlichen Auftritt der Mannschaft gegen Werder Bremen kundtaten.
Trotzdem waren die Ereignisse nach Spielschluss unwürdig. Bei allen gefühlten Differenzen hätte man dieser Ikone des AC Milan einen gebührenden Abschied schenken müssen, aber leider haben Kleingeistigkeit und Engstirnigkeit diesen schönen Tag verdorben. Und so tritt der legendäre Paolo Maldini als ein von allen, Mitspielern wie Gegnern, respektierter Fußballer mit einer beispielhaften Karriere ab – unter den Pfiffen “seiner” Kurve. Und wenn jemand wie Maldini keinen Respekt verdient, ja wer denn dann? Maldini, dem selbst die Nordkurve von Inter salutiert, Maldini, der in 901 Spielen in der Schlacht niemals das Bein zurückgezogen hat, Maldini, das schönste Symbol der letzten zweieinhalb Jahrzehnte AC Milan. Ich erwarte ja keine Liebe, auch mir sind andere Spieler sympathischer, dafür war der Kapitän zu spröde und zu wenig volksnah – aber Respekt?
“Non si trattava di una contestazione, era soltanto una precisazione per fargli capire come la pensavamo su alcune sue affermazioni e comportamenti negli anni passati. Nel giro di campo, poi, ci sono stati episodi non belli, ma in ogni caso non era una contestazione verso di lui”.
“Es handelte sich um keinen Fanprotest, es war lediglich eine Präzisierung, um ihm zu verstehen zu geben, wie wir zu einigen seiner Äußerungen und Verhaltensweisen der letzten Jahre stehen. Auf der Stadionrunde gab es dann einige weniger schöne Episoden, aber auf keinen Fall war das ein Fanprotest.”
Und das hätte ich der Curva auch an jedem anderen Tag ja auch zugestanden. An jedem Tag außer dem 24. Mai 2009. Auch ich hätte mir gewünscht, dass Paolo ab und zu den Fans einen Gruß unter der Kurve zugestanden hätte, auch ich war wütend über seinen zum Mund geführten Zeigefinger nach der unentschuldbaren Leistung gegen Werder Bremen, auch ich halte Maldini nicht für einen unfehlbaren Menschen. Aber das sind lächerliche Kleinigkeiten vor dem Hintergrund einer solchen unwiederholbaren Karriere eines Spielers, der seine Farben geehrt hat, wie kaum jemand anderes in der Geschichte des modernen Fußballs.
“Ich bin stolz, keiner von denen zu sein”, äußerte er sich nach dem Spiel. Und ich kann es ihm nicht verdenken. Niemals wieder wird ein Spieler bei Milan die Nummer “3″ auf dem Trikot tragen – und es ist fast ausgeschlossen, dass jemals wieder ein Kapitän in seine Fußstapfen treten wird. Die Curva hat eine große Chance verstreichen lassen, Größe und Demut zu zeigen, anstatt mit einer unwürdigen “Abrechnung” einen großen Fußballtag zu vergiften. Viele werden sich erinnern, wenn Ultrà s wieder einmal Respekt für sich einfordern und die selbstverursachte Abseitsstellung gegenüber der riesigen Mehrheit der sonstigen Fans im Stadion spwielt nur denjenigen in die Hände, die Ultrà sowieso aus dem San Siro verdrängen wollen. Danke für 25 unglaubliche Jahre, Paolo, du hättest besseres verdient gehabt.
Vor einigen Monaten schon äußerte Maldini diesen Satz:
“San Siro è sempre stato magico: adesso stiamo perdendo questa magia.”
“San Siro war immer ein magischer Ort. Jetzt verlieren wir gerade diese Magie.”
von altravita · Freitag, 15. Mai 2009 · 20 Kommentare · 4 Trackbacks/Pingbacks
Wenn nicht gerade ausgemachte Wunder geschehen, wird der AC Milan auch dieses Jahr ohne Titel beenden. Für besonderen Unmut unter den zahlreichen Fans der Rossoneri sorgt seit Jahren die mangelhafte Einkaufspolitik. Während sich der Stadtrivale Inter zum – zumindest in der Liga – unschlagbaren Maß aller Dinge aufrüstet und auch die alte Dame Juve mit der Verpflichtung von Diego und einem eigenen Stadion sich für die Zukunft aufstellt, spielt Milan praktisch mit der Formation von 2005 (+ Pato). Die Gründe für die fehlende Intervention auf dem Transfermarkt sind vielfältig, entscheidender Punkt ist sicher die Doppelposition des Clubeigners und Regierungschefs Silvio Berlusconi: Einerseits kann SB in Zeiten der Krise, wachsender Arbeitslosigkeit und Parolen des “Gürtel enger schnallens” nicht mal eben 150 Millionen in sein “Spielzeug” schieben, andererseits hat er in Zeiten unangefochtener Regierungsmehrheit den AC Milan als Wahlkampfhilfe und Imageschleuder auch gar nicht mehr nötig. Außerdem hat seine Frau Veronica vor 2 Wochen die Scheidung eingereicht, neben den drohenden finanziellen Auswirkungen dieses Umstands passt das mediale Begleitfeuerwerk eines zu erwartenden Rosenkriegs überhaupt nicht in Berlusconis Konzept. Er kann sich also eigentlich die notwendigen Investitionen aus Imagegründen nicht leisten, aus denselben Imagegründen kann er sich allerdings einen Absturz seines Vereins in die Mittelklasse nun aber auch nicht erlauben. Wo wäre denn dann das Bild des strahlenden und potenten Siegertypen auf allen Ebenen?
Fakt ist allerdings auch, dass man die Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von über 30 Jahren nun auch nicht beliebig unverändert in die Zukunft fortschreiben kann. Zu Saisonende wird Milan-Legende Paolo Maldini (der morgen in Udine sein 900. Spiel für die Rotschwarzen bestreitet) mit 41 Jahren die Töppen an den Nagel hängen, Emerson hatte seinen Vertrag schon im Frühjahr aufgelöst, die Zukunft des 36-jährigen Innenverteidigers Giuseppe Favalli steht in den Sternen und Erfolgstrainer Carlo Ancelotti wird wohl Ende der Saison seine Sachen packen und zu Chelsea wechseln. Es ist freundlich ausgedrückt, wenn man sagt, dass das Herz des Mittelfelds um Gattuso, Dida, Seedorf und Pirlo seinen Zenit schon überschritten hat – die Verteidigung ist hingegen komplett zu erneuern. Als prominente Neuzugänge werden die Namen Mexes (Innenverteidigung, AS Rom) und Adebayor (Sturm, Arsenal) gehandelt. Dazu muss Kakà gehalten werden, dessen Verkauf die Fans der Rossoneri ernsthaft auf die Barrikaden treiben würde. Es muss also investiert werden, und wenn möglich auf hohem Niveau. Da der eigene Nachwuchs seit gut 10 Jahren schwer vernachlässigt wurde, ist auch von dort (im Gegensatz zu Inter und besonders Juventus) keine Hilfe zu erwarten. Was tun? Wie die bereits vernehmlich grummelnde Fangemeinde ruhigstellen?
Bereits vor dieser Saison verdichteten sich die Stiummen um eine Übernahme oder zumindest einen Einstieg der “Araber” beim AC Milan. Gegen Ende der aktuellen Saison mehren sich die Gerüchte wieder, befeuert durch einen Besuch von eines Sohns von Mohammed bin Rashid Al Maktoum, Premierminister und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate beim Spiel gegen Palermo. Die Al Maktoum-Familie steht praktisch als Hauptsponsor ab 2010 fest, ab dann sollte auch das von Arsenal bekannte “Fly Emirates” den bisherigen Trikotsponsor bwin ablösen. Die Zahlen für diesen Deal bewegen sich zwischen 20 und 30 Millionen Euro pro Saison. Das wird nicht reichen, um den Klub, der im abgelaufenen Geschäftsjahr 67 Millionen Euro Verlust schrieb, kurzfristig wieder nach ganz oben zu führen und womöglich wird ein solches eher symbolisches Engagement auch den Scheichs aus den VAE nicht genügen.
Die Gerüchte verdichten sich, dass Silvio Berlusconi mittlerweile dem Drängen seiner Kinder Piersilvio und Marina, die Chefs seines Imperiums Fininvest, die seit jeher die jährlichen Millionenverluste des AC Milan äußerst kritisch betrachten, nachgeben könnte und mittlerweile zumindest eine teilweise Veräußerung von Anteilen des Clubs akzeptieren könnte. Und frisches Kapital könnte in der Tat aus den VAE kommen, genauer gesagt von der Abu Dhabi United Group (ADUG), noch genauer gesagt mit sofortiger Wirkung 500 Millionen Euro für 35 % der Anteile, in der Summe abgesichert durch eine Bürgschaft der PNB Paribas.
Es ist zu erwarten, dass die “Scheichs” ein derartiges Investment nicht für eine dauerhafte Minderheitsbeteiligung eingehen würden. Und so taucht in den einschlägigen Diskussionen immer wieder der Hinweis auf eine mögliche “Put Option” auf, also eine Option auf die vollen 100 % AC Milan in 2 Jahren zu einem bereits jetzt festzulegenden Preis. Berlusconi würde also das Recht erwerben, sich in 2 Jahren vom Rest seiner Anteile zu trennen, es besteht keinesfalls die Pflicht hierzu, mithin ein Geschäft ohne – finanzielle – Risiken für den smarten Silvio. Der Vereinsinhaber bräuchte also im Moment keinerlei Investitionen tätigen, könnte sich in 2 Jahren aber immer noch frei entscheiden, was er mit seinem “Spielzeug” anstellen will. Ohne frisches Kapital würde ihm diese Entscheidung bereits nach Ablauf der jetzigen Saison aufgenötigt – sein erbärmlicher Versuch, Trainer Ancelotti die Alleinschuld für die jetzige Saison aufzudrücken, wurde ja von mehr als 72 % der Teilnehmer einer Online-Umfrage bei der Gazzetta dello Sport brüsk zurückgewiesen. Und in der treuen Curva Sud des San Siro finden sich mittlerweile regelmäßig riesige Spruchbanner, die Berlusconi zum Verkauf des Clubs auffordern.
Wir bewegen uns immer im Bereich von Spekulationen, allerdings erfordert die Situation tatsächlich ein schnelles Handeln. Weitere Spielzeiten ohne Titel, besonders angesichts der englischen Übermacht in der Champions League, der eigentlichen Spielwiese des “meistdekorierten Clubs der Welt”, dürfen sich nicht erlaubt werden und mindern den Wert der Marke “AC Milan”. Die Zahl, die für den Gesamtverkauf des AC Milan im Raum steht, ist sicherlich absurd hoch, allerdings darf man in die Gedankenspiele einbeziehen, dass es bei einer solchen Aktion sicherlich nicht nur um einen Fußballklub und dessen neues Stadion geht (Galliani hat sich diese Saison regelmäßig zur Notwendigkeit der Stadioneigentums geäußert, Juve, Milan und AS Rom haben entsprechende Pläne schon im Schubfach), sondern um einen generellen Einstieg der Vereinigten Arabischen Emirate in die italienische Wirtschaft. Peanuts werden hier also mit Sicherheit nicht den Besitzer wechseln. Und wenn könnte man mit einer solchen Summe sinnvoller freundlich stimmen als den “Chef von det Janze” Silvio Berlusconi? Einstweilen wurde Maktoum selbst in Arcore gesichtet. Im Haus von Berlusconi.
Sulaiman Al Fahim, Finanzchef der “Hydra ProÂperties” wäre für Vertrag und Investitionen verantwortlich und wir sollten auch nicht vergessen, dass die Abu Dhabi Investment Authority bereits mit mehr als 2 % an Berlusconis Medienimperium Mediaset beteiligt ist – ein Fakt, der den Blätterwald bereits im Winter rauschen ließ, als der Transfer von Mittelfeldstar Ricardo Kakà zu den Scheichs von Manchester City für 120 Millionen Euro den Markt erschütterte. Pfiffige Beobachter dachten hier an ein Investment “von der linken in die rechte Tasche”. Die Sun bemerkte seinerzeit, dass Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, seines Zeichens Vater vom jetzigen City-Inhaber Sheikh Mansour Bin Zayed Al Nahyan, langjähriger Geschäftspartner von Berlusconi war. Nach seinem Tod 2004 übernahm Sheikh Mansour Bin Zayed Al Nahyan, also der Bruder von Mansour, die Anteile an Berluscas Medienimperium. Die Abu Dhabi Royal Investment Fund hält über 2 % an Berlusconis Mediengiganten Mediaset selbst und 16 % an der Barclays Bank – Barclays wiederum hält ihrerseits mehr als 5 % an Mediaset und ist damit nach Berlusconi grösster einzelner Anteilseigner.
Und vor diesem Hintergrund hatte der Besuchs eines der Söhne des Emirs beim Palermo-Spiel vielleicht doch eine Bedeutung. Immerhin verbrachte er den Tag an der Seite des Interims-Präsidenten Adriano Galliani, besuchte die Mannschaft und hatte genügend Gelegenheit, das altehrwürdige Stadion San Siro zu betrachten. Bis auf weiteres Spielstätte des AC Milan.
Es bewegt sich irgendetwas hinter verschlossenen Türen und die derzeitig die Gazzetten faszinierende Debatte, wer denn eim nächsten Jahr auf der Trainerbank sitzen wird ist nicht mehr als ein Schutzschild für möglicherweise viel tiefgreifendere Veränderungen beim Mailänder Traditionsklub. Es dürfte spannend werden, bis Ende Mai werden wir uns noch gedulden müssen. Einstweilen können wir ja über den künftigen Trainer spekulieren.
von altravita · Donnerstag, 30. April 2009 · 2 Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks
ballesterer fm, April 2009
Es sind ja gerade Österreich-Wochen bei altravita und ich nehme das gern zum Anlaß, mir mal was von der Seele zu schreiben: Es gibt noch vernünftigen Sportjournalismus! Als ordentlicher Blogger nehme ich ja gern jede Gelegenheit wahr, um die armseligen Absurditäten oder ausgemachten Dummheiten und den haarsträubenden Wahnsinn, selbst der Qualitätspresse der Fußballberichterstattung zu geißeln. Noch viel mehr ist es mir aber ein Bedürfnis, auf die aus dem Sumpf der drögen Schnittchenfressergilde herausragenden journalistischen Highlights hinzuweisen. Denn es ist ja keineswegs so, dass es keinen engagierten, vorurteilsfreien, kritischen und informierten Journalismus gibt – es fällt mittlerweile nur verdammt schwer, solchen zu finden und man fragt sich, wann der Großteil des Berufsstandes seinen Enthusiasmus verloren hat. Despair not, help is at hand und erstaunlicherweise kommt das beste mir bekannte Fußballmagazin ausgerechnet aus Österreich: ballesterer fm.
Die ballesterer fm-Autoren zeichnet eine kritische Sichtweise auf das aktuelle Fußballgeschehen aus. Sowohl die zunehmende Kommerzialisierung wie auch das Zurückdrängen von Fans und Fankultur aus den Stadien werden laufend thematisiert.
Es mag sein, dass der herrliche Sinn für Humor und die Lage abseits des großen Fußballgeschehens den Blick auf die Absurditäten des modernen Fußballgeschäfts schärfen und vermutlich hilft auch eine geringe Auflage dabei, sich frei von Vorurteilen, Gemeinplätzen, dummen Phrasen und Abschreiben von Agenturnachrichten abzuheben. Jedenfalls ist das zehnmal jährlich erscheindende Heft das beste, was mir zum Thema Fußball und Fankultur im deutschsprachigen Markt jemals untergekommen ist.
Das Magazin hat bereits 9 Jahre im Dienst eines kritischen Sportjournalismus auf dem Buckel, auch wenn mir die Jungs erst durch ihre erfrischende Berichterstattung zur letzten Europameisterschaft aufgefallen sind. Selten habe ich bei der Sportlektüre so gelacht, wie beim Lesen dieser erleichternd nationalpomp-freien Beiträge.
Und das absolute Highlight für mich war natürlich, wie ballesterer in “Im Zug der Schande” den europäischen Sportjournalismus lächerlich machte: September 2008, Roma gegen Napoli. Während die scheinbar pluralistischen Qualitätsmedien europaweit die von der Polizei lancierten Pressemitteilungen abschrieben, sich mit Horrorzahlen über angebliche Schäden überboten und sich in Gänsehaut-Details über den blutrünstigen Napoli-Mob gegenseitig enervierten, taten zwei ballesterer-Redakteure einfach ihre journalistische Pflicht: Sie waren dabei und schrieben nieder, was wirklich passiert war anstatt sich blind als Erfüllungsgehilfen der Repression mißbrauchen zu lassen. Während also Kicker, Spiegel-Online, RAI, Gazzetta, Corriere dello Sport, Corriere della Sera und was sich sonst noch so “Qualitätsmedien” schimpft von tausenden gewalttätigen Napoli-Fans berichteten, die ohne Ticket einen Zug nach Rom enterten, alle Bahnreisenden rauswarfen und in Rom einen ausgebrannten Zug hinterließen, sahen die beiden mitreisenden ballesterer-Redakteure nichts von alledem. Nichts außer einer Menge Fußballfans, die zu einem Derby fahren wollten und deren Zug grundlos stundenlang in Neapel festgehalten wurde und der bis auf eine zerborstene Glasscheibe trotzdem heil in Rom ankam. Keine Brände, keine Gewalt, keine vertriebenen Fahrgäste, kein Schwarzfahren, kein nichts.
Nach diesem Scoop standen die Redaktionsstuben bei ballesterer nicht still und viele Medien griffen die Geschichte reuevoll auf – RAI zuallererst, danach auch Medien wie der Standard – und übten sich in einem verhaltenen mea culpa. Eine kleine Redaktion eines 20.000-Auflage-Blatts hatte mal eben den millionenschweren Redaktionsstuben die Unterhosen heruntergezogen und die armselige Arbeitsmoral der bezahlten Schnittchenfresserpresse ins Scheinwerferlicht gestellt. Schon dafür allein gebührt den Jungs eine Verdopplung der Abonnement-Zahlen.
Aber auch jenseits solch lampanter Beispiele, ist das Heft immer lebenswert. Vor mir liegt die April-Ausgabe und die rhetorischen Fragen lauten: Wo sonst würde man aus erster Hand Matchberichte aus Brasilien, Israel, Kroatien, Portugal und St. Kitts & Nevis finden? Welche ernstzunehmende Fußballpostille widmet den Auswärtssektoren der österreichischen Liga eine Fotostrecke? Ist denkbar, dass der Kicker den Fans von Stoke City zwei Seiten widmet? Würde man sich bei Sportbild an eine (bis jetzt) 21-teilige Serie über “Fußball unterm Hakenkreuz” trauen? Hat man bei Spiegel-Online 4 Seiten Platz für einen superben Bericht über die argentinischen “Poteros”, den Ghetto-Bolzplätzen, denen der Weltfußball immerhin so Spieler wie ManU-Star Carlos Tèvez verdankt? Wer würde denn sonst auf die Idee kommen, mit den “Rieder Glory Boys” zum Spiel nach Graz zu fahren und dem ganzen Drama 8 Seiten zu widmen? Ein Interview mit einem “szenekundigen Beamten” über seine Erfahrungen in der Höhle des Löwen? Bei der Süddeutschen unbekannt.
Anstatt sich also rundheraus über “die dumme Sportpresse” aus weißbier-saufenden Schreiberlingen aufzuregen, die noch niemals in einem Fanblock standen, denen jedes Bengalo den Untergang des Abendlandes einläutet, für die man in Italien unverdrossen Catenaccio und in England Kick & Rush spielt, denen das Verhältnis von “Poldi” und “Schweini” als der heilige Gral des Sportfachwissens erscheint und deren Dienstauffassung im unreflektierten Abschreiben von Pressemitteilungen besteht, kann man auch ballesterer fm lesen.
Aber genauso ist die Liebe zum Fußball, seinen Protagonisten und Vereinen und die Begeisterung für das schöne Spiel in jeder Ausgabe spürbar.
von altravita · Mittwoch, 29. April 2009 · Keine Kommentare · 5 Trackbacks/Pingbacks
Milan schlägt den U.S. Città di Palermo so mühelos und en passant, als hätte es die Dekonstruktion der Rossoneri im Hinspiel (1:3) überhaupt nie gegeben, und zieht an der alten Dame Juventus vorbei, auf die Milan im übrigen in den letzten 4 Spielen 9 Punkte aufgeholt hat. Auch der Stadtrivale findet sich plötzlich 5 Spieltage vor Schluß nur noch 7 (statt 14) Punkten vor uns. Natürlich glaubt niemand ernsthaft daran, dass dieser Rückstand aufzuholen ist und so lassen die überzeugenden Vorstellungen des AC Milan in den letzten Wochen nur umsomehr die vielen kleinen Pünktchen bedauern, die man achtlos in der Provinz hat liegenlassen.
Aber der Ball ist eben rund (bitte überweist 5 Euro an eine karitative Eintrichtung eurer Wahl für diese Phrase) und im Moment läuft er ganz gut zwischen den Reihen der Rossoneri. Die beiden 5:1 gegen Torino und Siena, die Siege gegen Lecce und in Verona ließen auf mehr hoffen und so war es an der Zeit, dass sich auch die Erfolgsfans vom MFB mal wieder im Stadion zeigten. Die Hamburger Fraktion war schon am Freitag angereist (und hatte das Wetter mitgebracht), so dass Sonntagmorgens nach einem herzhaften Aspirinfrühstück und zu spät im Dauerregen – aber immerhin im neuen MFB-Fanmobil – Richtung Mailand aufgebrochen wurde. Zwischendurch erreichte uns der Anruf der österreichischen Fraktion, den ich zwar nicht verstand, aber trotzdem als Frage zum Wann und Wo des Treffens interpretierte und beantwortete.
Und wo sollte man sich besser treffen als im “Camparino” mit Blick auf die Madunina? Natürlich haben wir die beiden immer noch nicht verstanden, aber nach zwei zünftigen Negroni (Stehnegroni bezahlt, Sitznegroni genossen – wo kämen wir denn sonst hin?) konnten auch wir unverständlich reden! Die österreichische Abordnung erfreute uns mit ihrem melodiösen Singsang und dass wir alle zum Stadion wollten, war ja eh klar. Basst scho’! Und weil wir vom MFB die unerreichten Idole der perfekten Organisation sind, hatten wir natürlich auch alle Karten für viele verschiedene Sektoren, nur halt keine für die Fankurve, wo wir ja eigentlich hinwollten. Die Hochgänge zur Curva sind ja neuerdings vergittert, d.h. wir kamen nicht mal in die Nähe der Treppen. Wir müssen da aber rein! Was tun? Zum Plexiglasklettern wars zu naß und auch Zwerglwerfen hätte nur bei zwei Anwesenden Erfolg versprochen und so kam es zu einer der denkwürdigeren Ordnermanuipulationsgrotesken in der Geschichte des MFB:
Ich, SiamoNoi und MiniMadunina stürmten am verdutzten Ordner des 1. Tribünenrangs Orange vorbei in Richtung der 90-Euro-Plätze – hierfür hält man den Leuten den Abo-Schnipsel möglichst dicht unter die Augen und schaut selbsbewusst drein. Trotz Schengen wurde den Ösis der Einlaß in denselben Sektor jedoch verwehrt, was uns in eine prima Ausgangsposition brachte, denn wir wollten ja auch sowieso in die Curva Sud! Nun konnten wir 3 hinterm Gatter mit unseren scheinbaren Tribünentickets natürlich den Oberordner prima beknien, dass wir das Spiel unbedingt und um jeden Preis mit unseren Freunden sehen wollen und dafür auch auf unsere Supidupi-Plätze in der ersten Reihe verzichten würden. Wer könnte sich soviel Hingabe und Altruismus widersetzen und so kam es, dass wir alle mit persönlicher Begleitung durch einen der Chefstewards persönlich durch die Absperrungen in unseren geliebten Sektor “secondo blu” geleitet wurden. Das nenn ich mal nen Service (und nächstesmal kauft bestimmt irgendjemand von uns mal ein Ticket für den richtigen Bereich, Pionierehrenwort)!
Das Spiel haben wir ja alle gesehen, Palermo war “poca roba” und gab gefühlte 1,5 Torschüsse auf Dida ab. Wenn man dann noch 3 elfmeterreife Situationen fabriziert, sich im Mittelfeld die Gelbrote abholt (Bovo), sich schon vor dem Spiel beim Koksen erwischen lässt (Carrozzieri), dann reicht’s halt nicht. Die Stimmung in der Curva war den Umständen entsprechend ganz gut, vor allem bei uns und um uns herum. Die Negroni waren ja auf dem Weg noch durch das eine oder andere Bier aufgewertet worden, durch das regenverhangene Rund zog ein verführerischer Frühlingsduft orientalischer Kräutermischungen und so vertrieb man sich die Zeit halt mit singen. Angesichts der Ergebnisse aus Reggio Calabria kam ein alter Titel von Ricchi e Poveri zu neuen Ehren und machte wiederholt und mit stets wachsender Begeisterung die Runde. Von so ein paar Tagen Wolkenbruch und 7 Punkten Rückstand auf den Stadtrivalen lassen wir uns doch nicht das italienische Kulturgut verderben: E CHI NON SALTA E’ UN PORCO JUVENTINO!
Der rundum gelungene Ausflug endete bei Pizza und Bier beim Chinesen an der Piazza Axum. Es kommt doch nicht auf die Lokalität an, sondern, in welcher Begleitung man sich befindet. Oder um es in den Worten der Ösi-Abordnung auszudrücken:
Als wir nachm Spiel in dem Beisl gestanden sind, mit Blick aufs San Siro, einem 3:0 in der Tasche und einem Bier in der Hand, hab ich mir gedacht: well, that’s paradise!
Quoto in pieno! Das ist Fußball, für alles andere gibt es Mastercard!
(jetzt kann ichs ja sagen: Ich war schonmal auf den Faröern…)
So isser, der linksradikale St. Pauli-Mob!
Der linksradikale St. Pauli-Mob pflegt gern Kater!
von altravita · Montag, 20. April 2009 · 13 Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks
Samstagabend fand in der italienischen Serie A das sogenannte “Derby d’Italia” statt, Juventus gegen Inter. Zweite gegen Spitzenreiter. Sportlich war der im übrigen grottenschlechte Kick, der 1:1 endete sicherlich nicht richtungsweisend, der Abstand bleibt 6 Spieltage vor Schluß bei 10 Punkten, die Meisterschaft ist seit längerem entschieden. Leider ist mir das Spiel im Turiner “Stadio Comunale” aus einem ganz anderen Grund in Erinnerung geblieben: weil praktisch 4/5 der Turiner Anhänger nichts intelligenteres einfiel, als den 18-jährigen dunkelhäutigen Inter-Angreifer Mario Balotelli durchgehend mit rassistischen Beleidigungen zu überschütten. Affenlaute, Bananen-Anspielungen, “Wenn ihr springt, stirbt Balotelli”, “es gibt keine italienischen Neger” und vieles mehr. “In tutti colori”, wie der Italiener sagen würde. Es fällt mir darum nicht schwer, dem Inter-Präsidenten Massimo Morattivoll zuzustimmen und ihn an dieser Stelle zu zitieren:
“Wenn ich im Stadion gewesen wäre, hätte ich zu irgendeinem Zeitpunkt meinen Platz auf der Tribüne verlassen, wäre auf den Platz gegangen und hätte die Mannschaft zurückgerufen. Denn es gibt eine Grenze für alles. [...] Diese Sprechchöre kamen aus dem gesamten Stadion mit einer derartrigen Überzeugung, dass man den Eindruck hatte, die wären stolz und glücklich, sie zu singen. Das ist schrecklich, das alles geht weit über das Spiel und das Ergebnis hinaus, über die geschossenen und vergebenen Tore.”
Gegen Milans Stadtrivalen fallen mir hunderte von Beschimpfungen ein, die Bevorzugung durch Schiedsrichter wird mittlerweile sogar von den meisten Inter-Fans zugestanden; ich stimme gern zu, dass Balotelli ein Provokateur und respektloser Unsympath ist. Die Wut der Roma wegen seines geschundenen Elfmeters ist nachvollziehbar, ich habe auch Balotellis armselig-kindische Geste gegen Cristiano Ronaldo im Champions-League-Hinspiel gegen Manchester United nicht vergessen, als er den Weltfussballer mit einer lässigen Handbewegung zum Aufstehen aufforderte. Gerade weil mir so viele Gründe gegen Inter und Balotelli einfallen, finde ich es um so erbärmlicher, dass den Juve-Fans ganz offensichtlich die Phantasie fehlt, den Spieler wegen etwas anderem als seiner Hautfarbe zu schmähen.
“Offensichtlich wächst eine gewisse Gewöhnung an den Rassismus. Geht alles gut? Ist alles normal? [...] Ich habe mir sofortige Entschuldigungen seitens des Verbandes und der Juve gewünscht, nicht mir oder Inter gegenüber, sondern für den Jungen, für was er in Turin durchmachen musste. Bis jetzt habe ich nichts gehört. Ich habe auch gedacht, dass das Spiel vielleicht vom Schiedsrichter unterbrochen würde: da habe ich mich getäuscht, nichts zu machen.”
Stattdessen dokumentiert die Berichterstattung grösstenteils Beschwichtigungen wie Torwart Gigi Buffon, der zwar Beleidigungen gehört hat, allerdings nichts rassistisches und überhaupt solle der Junge mal aufpassen, dass er mit seinem Verhalten nicht das Publikum provoziert. Zusammengefasst: Der soll sich mal nicht wundern. Etwas anderes hätte ich von einem bekennenden Faschisten nun auch nicht erwartet – beklemmend ist, dass Zehntausende mitmachen. Wie gesagt, ich finde Balotelli selbst für Inter-Verhältnisse auffällig unsympathisch und dass die gegnerischen Tifoserien auf ihn einschießen, hat er sicherlich zu einem guten Teil sich selbst zuzuschreiben. Wieso sich der Hass dann aber nicht gegen Balotelli den “Provokateur” richtet, den “Schwalbenkönig”, den “Großkotz”, sondern nun gegen das einzige Merkmal, was überhaupt gar nichts mit irgendwas zu tun hat – seine Hautfarbe – ist ein armseliges Beispiel für den Rechtsruck in italienischen Stadien. Mittlerweile hat sich Juves Präsident Cobolli Gigli zu einem Statement durchgerungen, der die rassistischen Anfeindungen verurteilt, unter deutlichem Hinweis darauf, dass es sich selbstverständlich nur um einen kleinen Teil der Anhängerschaft handelte. Das hört sich Samstag aber anders an. Vermutlich haben die aufrechten Demokraten das Spiel ja im Fernsehen verfolgt.
Fabrizio Bocca von der Repubblica fordert ein deutliches Zeichen: Die Juventus-Kurve gehört geschlossen und die Spiele des nächsten Spieltags sollen mit 15-minütiger Verspätung beginnen – als Zeichen dafür, dass hier eine ganz klare Grenze der Zivilgesellschaft überschritten wurde. Der Italienische Lizenzspielerverband wird “sich zusammensetzen” und kündigt “nach eingehender Beratung” “drastische Forderungen” an. Dabei geht es nicht darum, Stadionfans den Maulkorb zu verpassen, Beschimpfungen und Beleidigungen gehören – zumal in einem Derby – zum Stadionrepertoire. Es geht nicht darum, Herrn Balotelli einen Persilschein auszusprechen. Es geht darum, dass wenn es denn sein muss, Balotelli genauso behandelt wird, wie jeder andere Fußballer auch. Rassismus gehört aber nirgendswohin, auch nicht ins Stadion und gegen diese grenzenlose Brunzdummheit muss ein Zeichen gesetzt werden. Nicht dass sich der Eindruck noch weiter vertieft, die Einteilung von Menschen nach Hautfarbe wäre normal. Denn die medial millionenfach verbreitete Normalität rassistischer Beleidigungen gegen einen Sportler dunkler Hautfarbe führt im Umkehrschluß dazu, dass auch non-verbale Gewalt gegen den nächsten pakistanischen Rosenverkäufer gedeckt wird.
Zu ernsthaften Sanktionen wird es sicherlich nicht kommen. Warum denn auch in einem Staat, in dem Faschisten mehrheitlich an der Regierung teilnehmen? In einem Staat, in denen Spieler wie Buffon, di Canio oder Milans Torhüter Abbiati sich problemlos und offen zum Faschismus bekennen. In einem Fußball, dessen Kurven mittlerweile weitgehend stramm rechtsorientiert organisiert sind. Eher typisch ist das Verhalten von Schiedsrichter Farina. Keinesfalls hatte der nämlich das Spiel abgebrochen oder auch nur für ein paar Minuten unterbrochen. Er hätte den Kapitän zu sich rufen können, damit der mäßigend auf sein Publikum einwirkt. Ich brauche nicht erwähnen, dass die Spieler natürlich auch selbst nicht auf die Idee gekommen sind, irgendetwas zu sagen. Genausowenig erwarte ich mir Reaktionen von Federcalcio, Lega oder der Sportgerichtsbarkeit. Ja, das war schon nicht nett, aber das soll jetzt bitte nicht überbewertet werden. Ist doch immer so. Und außerdem soll der Balotelli sich nicht mal so anstellen.
Schade, dass Moratti nicht in Turin war, um seine Mannschaft aus dem Spiel zu nehmen. Schade, dass auch die anwesenden Offiziellen, Spieler und Trainer keinen Anlaß gesehen haben, einzuschreiten. Wo sind denn die geifernden Funktionäre, die nach immer neuen Terrorgesetzgebungen rufen, wenn mal irgendwo eine Rauchbombe abgelegt wird oder eine Fackel hochgehalten? Wo ist denn die Presse, die im Fall von Pyrotechnik immer prompt den Untergang des Abendlandes beschwört? Gut, Antonio Materrese, Chef der Lega Calcio, zeigt sich selbstverständlich ausreichend bestürzt und kündigt “drastische Maßnahmen” an. Nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass man die Partie besser nicht unterbrochen hätte, wäre doch “das Risiko gewalttätiger Ausschreitungen” der Curva und Konflikte zwischen “pfeifenden” und “nicht pfeifenden” Zuschauern zu groß. Ich denke, ich nehme nicht zuviel Spannung heraus, wenn ich verrate, dass sich die drastischen Maßnahmen maximal als Presseerklärung manifestieren. Ich empfehle: “Rote Karte dem Rassismus!” oder was ähnlich schmissiges.
Balotelli hat mehrfach Schuld auf sich geladen: Er ist schwarz und er ist Italiener. Als solcher spielt er in der U21-Nationalmannschaft und als solcher wird er vermutlich schon bald bei offiziellen Länderspielen der ersten Mannschaft “Fratelli d’Italia” mitsingen. Squadra Azzurra, Stolz der gebeutelten Nation. “Non esistono negri italiani” – “Es gibt keine italienischen Neger” war einer der Slogans von Turin. “Die Polizei will nun mit Hilfe von Videoaufnahmen die Krawallmacher ermitteln” erfreut uns T-Online. Das könnten diesmal ziemlich viele werden…
“Ich bin mehr Italiener als diese Fans”, sagte der 18-Jährige, der Inters Tor erzielt hatte, nach dem Spiel. Das wäre mir nun aber sowas von egal…
von altravita · Freitag, 17. April 2009 · Keine Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks
Audio-Sprachführer haben den entscheidenden Vorteil, dass man sie überallhin mitnehmen kann. Außerdem lernt man die Fremdsprache in einer sehr “natürlichen” Art und Weise, man hört das gesprochene Wort und versucht, sich selbst auszudrücken zu lernen. So lernen Kinder eine Sprache: Hören. Nachsprechen. Selber sprechen. Und die meisten von uns lernen ja eine Fremdsprache erst einmal, um mit den Einheimischen im Urlaubsland in Kontakt zu treten, nicht um gemeinsam mit ihnen Steuerformulare auszufüllen. Hören-Nachsprechen-Sprechen ist das Muster, mit dem wir uns am schnellsten eine Kompetenz erarbeiten, in Alltagssituationen unsere neu erlernte Fremdsprache auch anzuwenden. Und genau daran mangelt es vielen anderen Sprachkursen, die einem zwar das Rüstzeug zum Spracherwerb mitgeben, nicht aber den Mut und die Sicherheit, die neue Sprache in Alltagssituationen auch anzuwenden.
Einen Anlauf startet “The Grooves” mit seinem Audio-Sprachführer “Smalltalk auf Italienisch – The Basics” (Hörprobe), den ich freundlicherweise testen durfte. Der Sprachkurs besteht aus 8 mp3-Dateien (Lektionen) von jeweils 8-10 Minuten Länge, die auch als Download erworben werden können. In diesem Format passen die Lektionen prima auf den mp3-Player oder ins Autoradio, um das morgendliche Pendeln zur Arbeit intellektuell aufzuwerten. Die Tracks lauten wie folgt:
Salve e ciao Uno, due, tre Una camera al mare Al ristorante Andare in giro Estate in città Nuovi amici
Begrüßung, Wetter, Freundschaften schließen, Hotel, Restaurant…Themen also für den ersten Italienurlaub. Auffällig ist die Sounduntermalung. Zum Konzept von “Grooves” gehört es, das Gelernte durch den sogenannten “Ohrwurm-Effekt” zu festigen. Basierend auf dem von 1993 von Frances Rauscher beobachteten “Mozart-Effekt”, geht man davon aus, dass die musikalische Untermalung durch entspannte Grooves durch einen Gute-Laune-Effekt konzentrations- und lernfördernd wirkt.
“Verknüpft mit lässigem Pop- und Jazz-Sound lernt man dank des berühmten Ohrwurm-Effekts scheinbar ganz nebenbei nützliche Ausdrücke, Vokabeln und die eine oder andere Grammatikregel. Dazu werden vor stimmiger musikalischer Kulisse die wichtigsten Vokabeln und Redewendungen im Wechsel von Deutsch und Fremdsprache in unterhaltsamen Dialogen vorgetragen, wiederholt und so verinnerlicht.”
Nun, ich spreche ja schon Italienisch und der Audio-Kurs zielt auf absolute Anfänger. Insofern habe ich den Kurs zwar angehört, mich für eine objektivere Einschätzung aber mit einem Freund ausgetauscht, der gerade erste Gehversuche mit der italienischen Sprache unternimmt, um auch eine Meinung aus der eigentlichen Zielgruppe zu hören. Prinzipiell stimmen wir überein, dass:
das langsame und deutliche Wiederholen der gesprochenen Sätze (unterbrochen durch die deutsche Übersetzung) sicherlich einen Lerneffekt hat. Die konzentrierte Beschäftigung mit dem Audiomaterial wird Wortschatz und Kenntnis bestimmter, häufig wiederkehrender Phrasen erhöhen. Hinzu kommt naturgemäß eine gesteigerte Sprachkompetenz für gesprochenes Italienisch – und darauf kommt es ja häufig an. Anfänger werden die einzelnen Lektionen vermutlich öfters wiederholen müssen, weil diese aufgrund der Fülle unbekannter Wörter eher anspruchsvoll sind (das hängt natürlich vom initialen Kenntnisstand ab). Bei aller lobenswerter Praxisnähe bei der Auswahl der Situationen und Satzbeispiele, sind unerklärliche Ausreißer trotzdem zu bemerken: Sätze wie “Ab 30°C geht es mir erst richtig gut” oder “Sag nicht, Du hast Dich gerade verliebt?” kann ich mir nicht vorstellen, meinem gerade italienischen Gesprächspartner während der ersten Sätze um die Ohren zu hauen. Den Effekt der musikalischen Begleitung kann ich nicht einschätzen, Es gibt wissenschaftliche Betrachtungen, die von nennenswerten Auswirkungen auf Konzentrationsvermögen und Serotoninausstoß sprechen. Ich bin als visuell orientierter Mensch aber sowieso kein Kandidat für reine Audiokurse und Hintergrundmusik lenkt mich ab – immer und unter jeden Umständen. In jedem Fall ist mir persönlich die Musiklautstärke zu hoch und in meinem Fall – ebenso wie die teils sehr akzentuierte Sprechweise – nicht wirklich entspannungsfördernd. Aber, wie gesagt, ich bin es gewohnt, bei Stille zu lernen. Hören Sie rein! Eine gewisse Vorarbeit durch einen Grammatik-Grundlagenkurs ist bestimmt empfehlenswert, um eine gewisse Systematik für den besprochenen Audiokurs von “The Grooves” zu erarbeiten. Stystematik und Struktur helfen beim Erinnern und abstrahierenden Einsatz des soeben gelernten. Schließlich will ich mein gelerntes ja in meinem Urlaub anwenden und nicht darauf warten, dass die behandelten Situationen genauso stattfinden. Ein bisschen trockenen Lernens ist also meiner Meinung nach hilfreich.
Alles in allem eine innovative, interessante und preiswerte Alternative zum Italienisch lernen. Ich empfehle den Kurs “Smalltalk auf Italienisch – The Basics” für Menschen, die beim Pendeln zur Arbeit, beim Sport oder auf Bahnreisen Zeit für Audiolektionen haben sowie Menschen, die eher hörorientiert lernen als visuell. Darüber hinaus ist ein begleitender Kurs mit Grammatik-Grundlagen als Ergänzung sicher sinnvoll. Einen Versuch wert – zumal für den Preis – ist der vorliegende Italienisch-Sprachkurs aber allemal.