Schickeria Gedenktafel für Gabriele Sandri

Schickeria bringt Gedenktafel für Gabriele Sandri an.

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Während sich in Italien auch 3 Jahre nach der Ermordung Gabriele Sandris die Institutionen noch darüber „streiten“, ob des Fans gedacht werden darf und wenn ja, in welcher Form, kommt eine deutsche Ultrà-Gruppierung daher und macht Nägel mit Köpfen. Auf Auswärtsfahrt zum Spiel gegen den AS Rom erteilt die „Schickeria“ eine Lektion an Solidarität, Menschlichkeit und Respekt. Denn völlig unabhängig davon, wie man zu Ultras, Fußballfans, Lazio oder der Polizei steht, ist im November 2007 ein Mensch gestorben. Durch die Hand eines Polizisten, der von der gegenüberliegenden Autobahnseite auf ein fahrendes Auto schoss. Während also der Antrag auf Anbringung einer Gedenktafel (mit unterstützung von 25.000 Unterschriften aus ganz Italien) noch zwischen der Comune di Civitella im Val di Chiana und der zuständigen Präfektur in Arezzo ruht, nehmen die Jungs von der Schickeria das Heft in die Hand und bringen einfach eine an. Die Geste, die sowohl in Deutschland als auch in Italien (und hier) keineswegs unbeobachtet blieb, sollte eigentlich Menschen zum Nachdenken bringen, die immer noch der Meinung sind, „Ultràs“ wären „gewaltgeile Unterschichtkids“, die „im Stadion nichts zu suchen haben“. Mit einer Schweigeminute und dutzenden Kerzen wurde des Lazio-Fans gedacht und wenigstens ein kleiner, minimaler Versuch gemacht, sein Gedenken zu bewahren. Weil keine Zivilgesellschaft unter den Tisch fallen lassen darf, dass hier ein europäischer Staatsbürger ohne jeden Anlaß auf offener Straße durch einen Polizisten erschossen wurde.
„Gabriele eine Gedenktafel zu verweigern ist etwas absolut unmenschliches, eine Schande. Sein Tod war kein zufälliger Tod. Gabriele wurde zum Opfer einer maßlosen Gewalt. Wir wollten dies nicht akzeptieren. Mit unserer Initiative wollten wir unseren kleinen Beitrag dafür leisten, dass Gabriele eine Gedenktafel und eine Erinnerung erhält, die der Tragweite seines Falls entspricht. Und vielleicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit für seine Geschichte voll unakzeptabler Schande und Gewalt. Deshalb haben wir uns entschieden, eine kleine metallene Gedenktafel gravieren zu lassen.“
Eine Geste, die belegt, dass es ein Bewusstsein unter Ultràs gibt, Solidarität, Humanität und den Willen, Ungerechtigkeiten nicht klaglos hinzunehmen. In einer Öffentlichkeit, die sich weiterhin darüber erregen möchte, dass eine Generation junger Leute, die zu einer solchen Geste fähig ist, ab und zu mal ein Bengalo im Stadion hochhält. Eine Schande für den italienischen Staat, die italienische Polizei, die italienische Bürokratie und die europäische Presselandschaft. Eine Presselandschaft, die es nicht weiter erwähnenswert findet, dass laut Beppe Grillo sind in den letzten 10 Jahren 1531 (eintausendfünfhundertundeinunddreißig, das ist ein Schnitt von 3 Toten die Woche) Menschen in italienischen Gefängnissen ums Leben gekommen sind. „Die Toten, die von Carabinieri & Co. auf offener Straße oder in ihren Häusern ermordet wurden, noch nicht mitgezählt, so genannte „Selbstmorde“ im Knast allerdings schon.“ (SiamoNoi a.a.O.) Erinnern wir uns an Gabriele Sandri. Denn solange die Erinnerung an ihn nicht stirbt, wird er weiterleben. Und tun wir alles dafür, das so etwas nie wieder vorkommen kann. Danke Schickeria, das war großartig. Mai più 11 Novembre. Nie wieder 11. November. PS: Am Samstag den 27.11. ist Lesung aus „Tifare Contro“ mit anschließender Diskussion bei der Schickeria. Chi c’è c’è. Chi non c’è non c’è.