Urteil im Fall Gabriele Sandri

Haftstrafe für den Polizisten, der Gabriele Sandri getötet hat

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Es ist geschafft! Im November 2007 war mit den tödlichen Schüssen auf den 26-jährigen Lazio-Fan Gabriele Sandri die eigentliche Geburtsstunde dieses Blogs und gestern wurde letztinstanzlich das Urteil gegen den Todesschützen Luigi Spaccarotella bestätigt: 9 Jahre und 4 Monate Haft. Sicherlich wird der Polizist davon nur gut die Hälfte im Gefängnis verbringen, aber der Sieg besteht darin, dass der Täter auch tatsächlich wegen Totschlags verurteilt wurde. Sicher gibt es keinen Anlass zum Feiern, der Fußballfan ist tot und die verschärften Normen zur Stadion“sicherheit“ bleiben einstweilen weiter bestehen. Fakt ist aber auch, dass es ohne den breiten Protest nicht nur der Ultràs, ohne die besonders im Internet aktive Gegenöffentlichkeit und die hunderten Kurven, die bis heute an Gabriele Sandri erinnern, der Fall mit Sicherheit im Sande verlaufen wäre. Erst der öffentliche Druck, eine sich in Stadien, im Internet und vor allem auch im Ausland formierende Protestbewegung und die vielen Aktionen im Gedenken Gabriele Sandris in Stadienkurven europaweit haben dazu beigetragen, dass die übliche Strategie des Vertuschens und der Schuldzuweisungen an das Opfer diesmal nicht funktioniert hat.

Unabhängig von der Frage, wie lange der Schütze, der ohne jegliche konkrete Gefahrensituation mehrere gezielte Schüsse über alle Fahrspuren der Autobahn hinweg auf ein fahrendes Auto abgegeben hat, tatsächlich in Haft verbringen wird: Das Ziel der Anklage war es, Spaccarotella des Totschlags zu überführen und dies ist nun in der letzten Instanz bestätigt worden. Bereits heute sollte er seine Haft antreten.
Der Polizist, der am 11. November 2007 an der Autobahnraststätte Badia al Pino bei Arezzo die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, war zur Urteilsverkündung nicht anwesend und erhielt die Nachricht per Telefon von einem seiner Verteidiger. Obwohl sowohl er als auch seine Anwälte fest mit einer Reduzierung des Strafmaßes gerechnet hatten, gibt er zu Protokoll, dass er sich „der Situation wie ein Mann stellen wird. Das wäre allerdings wirklich eine Neuigkeit, im Prozess wechselten seine Aussagen ja von „in die Luft abgegebenen“ bis zu „versehentlich ausgelösten“ Schüssen. In den Medien stellte er sich derweil als gottesfürchtiger Familienvater dar. Kein Anzeichen von Reue, Scham oder Schuldanerkennung, kein Wort der Entschuldigung an die Hinterbliebenen seines Opfers. Erst eine Vielzahl von Zeugenaussagen und die harte Arbeit der Anwälte Sandris haben ihn des Totschlags überführt und die Rekonstruktion des Tatgeschehens ließ ja auch keinen Zweifel daran, dass es sich keinesfalls um einen Unfall (sprich: fahrlässige Tötung) gehandelt haben kann, wie es die erste Instanz noch entschieden hatte.

Sieger gibt es keine in diesem Prozess. Spaccarotellas Kinder, einer kleiner Junge und eine 12-jährige Tochter werden ihren Vater für viele Jahre nicht zu Gesicht bekommen. Giorgio Sandri wird seinen Sohn Gabriele niemals mehr in den Arm schließen können. „Ich hatte immer Vertrauen in die Justiz und möchte allen Menschen, die uns bis zu diesem Moment nahegestanden haben, Dank sagen. Es gab nur einen Moment, wo ich den Mut verloren habe, das war nach der Urteilsverkündung der ersten Instanz, die wirklich entsetzlich war. Aber jetzt sind die Dinge so gelaufen, wie sie laufen mssten. Ich persönlich habe keinerlei Rachebedürfnis, aber es war schwierig, die Wahrheit ans Licht zu bringen“ erklärte Gabrieles Vater. Auch Sandris Bruder Cristiano zeigt sich erleichtert von dem jetzt gefällten Urteil: „Es ging nicht um ein Jahr mehr oder weniger in Haft, das Wichtige war dass das Prinzip respektiert wurde, dass vor dem Gesetz alle Bürger gleich sind“ , kommentierte er die Entscheidung. So sollte es ja auch sein. Trotzdem handelt es sich um ein historisches Urteil, weil erstmals ein Polizist zu einer solch hohen Haftsstrafe verurteilt wurde. In einem Land, in dem in den letzten 10 Jahren ca. 1500 Menschen im Umfeld polizeilicher Maßnahmen (im Gefängnis, auf Polizeiwachen, bei Vernehmungen und Festnahmen) ums Leben gekommen sind.

Während die uniformierten Täter ähnlich grauenhafter Fälle wie bei Federico Aldrovandi noch weiterhin als Polizisten arbeiten, wird Luigi Spaccarotella auch nach dem Absitzen seiner Haftstraße nie wieder eine Uniform tragen und nie wieder eine Waffe in die Hand nehmen dürfen. Gerechtigkeit ist geschaffen, soweit es das Gesetz erlaubt. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Spaccarotella ein Zeichen von Reue zeigt und sich womöglich bei der Familie Gabriele Sandris entschuldigt.

„Unter denselben Bedingungen weiß ich nicht, wie viele andere Personen an seiner Stelle nicht einen einzigen Tag ins Gefängnis gegangen wären, nicht einmal eine Minute. Bis jetzt war er immer auf freiem Fuß, gab Zeitungen Interviews, ließ sich auf Fotos ablichten und trat im Fernsehen auf. So als ob wir uns entschuldigen müssten für den verursachten Ärger. Er hat die Opferrolle aufgeführt.“ (Giorgio Sandri)