Squadra Volante

Das wird schon alles seine Richtigkeit haben.

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In den chronisch überfüllten italienischen Gefängnissen (68.000 Häftlinge bei offiziell 44.000 Plätzen) kommen jedes Jahr mehr als 150 Menschen zu Tode, allein in den letzten 10 Jahren töteten sich 650 Inhaftierte selbst. Um nicht von den hunderten (!) Gabriele Sandri, Stefano Cucchi, Marcello Lonzi, Stefano Frapporti, Carlo Giuliani und Federico Aldrovandi, die jährlich in Polizeigewahrsam, auf Wachen, in Untersuchungshaft oder während Kontrollen auf der Straße zu Tode kommen. Auch die hunderten von Polizeischlagstöcken und CS Reizgasgranaten schwer Verletzten bei Gewerkschaftsdemonstrationen, Fußballspielen, bei No TAV-Demonstrationen oder Konzerten sind keine Schlagzeile mehr wert. Völlig egal die Mussolini-Halstücher unter den blauen Helmen der kasernierten Celere oder die aussagekräftigen Tattoos. Italien ist ein verlässlicher Bündnispartner beim Versuch der USA, Demokratie im nahen und mittleren Osten zu installieren. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich nachvollziehbar, dass es auch die folgende Meldung nicht annähernd auf die Titelseiten schaffte: Zwei Streifenbesatzungen der Abteilung Bologna wurden verhaftet unter der Anklage von Körperverletzung und Raub. Im Dienst. Die im letzten Herbst begonnenen polizeiinternen Ermittlungen gegen die vier angeklagten Polizisten basieren auf einer Anzeige seitens zweier nordafrikanischer Drogendealer. Die beiden Episoden aus dem Sommer 2011, wegen derer sich die Freunde und Helfer nun in Untersuchungshaft befinden, sind erschütternd. Im ersten Fall wurde das Opfer von einer Polizeistreife ausgeraubt. Im zweiten Fall wurde ein Nordafrikaner, nachdem er von einer ersten Streifenbesatzung bereits ausgeraubt wurde von denselben Polizisten geschlagen, die auch für den ersten Raub verantwortlich scheinen und pünktlich herbeigerufen wurden. In der Anzeige liest man, dass der Ausländer in den Dienstwagen verfrachtet, irgendwo in der Landschaft zusammengeschlagen und auf einer Wiese liegengelassen wurde. Nicht, ohne ihm vorher die Schuhe zu stehlen. Er suchte dann Hilfe bei einem naheliegenden Haus, dessen Bewohner die Notrufnummer wählten und dafür sorgten, dass seine Verletzungen im Krankenhaus behandelt wurden. Am Tag darauf versuchte das Opfer erfolglos, auf der Polizeidienststelle eine Anzeige aufzugeben. Nachdem ihm dort niemand zuhören wollte, wandte er sich an die Carabinieri, die den Stein ins Rollen brachten. Immerhin. Alles in allem nur eine Randnotiz aus einem Land der Europäischen Union. Polizisten, die im Dienst Menschen ausrauben und zusammenschlagen, aus dem Fenster werfen, auf fahrende Autos schießen, in der Zelle oder gleich auf der Straße zu Tode prügeln. Aber es geht ja auch nur um Ultràs, Ausländer, Demonstranten, Gewerkschaftler, Gelegenheitskiffer oder sonstige rechtlose Randgruppen. Aber wie sagte die italienische Politikerin Daniela Santanchè und ehemalige Parlamentsangehörige der Alleanza Nazionale im Zusammenhang mit der Verurteilung des Polizisten Spaccarotella so treffend auf Twitter:
„Die Männer der Ordnungskräfte sind niemals Mörder, auch wenn sie Fehler begehen.“
Und die Opfer leben ja auch noch.