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Fußball in Italien – Ticketverkauf

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Zuerst die gute Nachricht: Ungeachtet der jüngsten Polemiken der Krawallpresse kann man durchaus Fußballspiele in Italien besuchen und unbeschadet wieder heimkehren. Leider hat die spezielle Stimmung in den Stadien durch immer weiterführende Repressionen gegen die entsprechenden Fangruppen mittlerweile sehr gelitten, aber ein gutes Fußballspiel in Italien zu besuchen, ist immer noch etwas ganz besonderes. Ich hoffe mit ganzem Herzen, dass es bald wieder Choreografien zu sehen gibt, Trommeln, Megaphone, lautstarke Schlachtgesänge zu hören und die unnachahmlich witzigen “Striscioni”, mit denen der Gegner aufs Korn genommen wird, gezeigt werden. Es spricht aber weiterhin absolut nichts dagegen, euren Italienaufenthalt durch einen Spielbesuch aufzuwerten. Aktuelle Spieltermine und Anstoßzeiten kann man auf den Seiten der Gazzetta dello Sport (unter Calcio/SerieA/Calendario) erfahren oder natürlich auf den jeweiligen Homepages der Vereine (s.u.).

Zunächst beziehe ich mich auf allgemeine Hinweise zum Stadionbesuch in Italien, dann kommen die verschiedenen Möglichkeiten, an eine der begehrten Eintrittskarten zu kommen:

Verhalten im Stadion

Man verhält sich als Zuschauer genauso wie in deutschen Bundesliga-Stadien, wirklich. Wenn man sich nicht gerade in Inter-Kluft in die Südkurve des San Siro stellt und Schmähgesänge auf den AC Milan anstimmt, sollte eigentlich nichts passieren. Denn entgegen den Verlautbarungen der Sensationspresse sind italienische Fußballfans keineswegs allesamt kinderfressende Terroristen; die Regeln des gesunden Menschenverstandes gelten also auch für die Stadien der Serie A und sind auch völlig ausreichend. Besonders bei Derbys, also Genoa/Sampdoria, Juve/Torino, Lazio/Roma oder eben Inter/Milan sollte man ein bissel auf die Farben der eigenen Bekleidung achten, um allen Eventualitäten zu entgehen. Ansonsten hält man sich einfach von marodierenden Menschenmassen fern, besonders, wenn es raucht, knallt oder Polizei drumrumsteht. Als offensichtlich deutschsprachiger Tourist ist man sowieso aus allen Schwierigkeiten raus. Wer ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis hat, kann sich hier auf altravita oder  bei tifonet.it unter “Guerra e Pace” über aktuell bestehende Fanfreundschaften (“Gemelaggi“) und Feindschaften (“Rivalità“) der Tifoserien der Serie A und Serie B informieren. Ansonsten empfiehlt es sich, Tribünenplätze zu belegen und nicht in die Kurven zu gehen – die Machtverhältnisse und Verhaltenskodexe in der Curva sind für den deutschen Gelegenheitsbesucher undurchschaubar und lieber zu vermeiden. Auch ist der Ton dort etwas rauher, genauso wie in der Bundesliga. Mit Kindern sollte man sowieso nie in die Kurve gehen (vgl. gesunder Menschenverstand), ansonsten nehme ich selbst meinen Kurzen (seit er 6 ist) jederzeit gern mit ins Stadion – auf die Tribüne.

Bier wird im Stadion nicht ausgeschenkt, das gibt es aber in den Bars im Umfeld des Stadions bzw. an den zahlreichen Verkaufsständen drumherum. Hier kann man auch ordentlich essen oder diverse Fan-Artikel als Souvenir einkaufen. Nicht-offizielle Shirts kann man für 10-15 Euro erwerben, Schals kosten 5-10 Euro und Fahnen um die 10 Euro. Als Deutscher am besten ein bisschen daneben stellen und schauen, was die Italiener bezahlen – italienische fliegende Händler sind bei der Preisgestaltung oft sehr flexibel. Ab Rom südwärts würde ich zudem passend zahlen.

Wie immer in Italien, kommt man auch im Umfeld von Fußballstadien nicht weit mit Fremdsprachen. Ein paar Grundbegriffe des italienischen sind immer hilfreich, schon um herauszufinden, wo der Eingang (“ingresso“) für jeden jeweiligen Sektor (“settore“) ist oder das Parkleitsystem zu begreifen (“parcheggio“). Mit Deutsch oder Englisch kann man nicht viel anfangen, die Ordner können teilweise nicht einmal Italienisch.

Wenn eure Italienisch-Kenntnisse ausreichend sind, solltet ihr in Italien trotzdem Gespräche über Fußball sehr diplomatisch angehen, hier lauern erhebliche Fettnäpfe. Der Italiener lebt seine Leidenschaft für den Fußball sehr emotional und die feinen Verwerfungen zwischen den einzelnen Regionen und Vereinen sind einerseits komplett undurchschaubar und haben ihren Ursprung in irgendwelchen Geschehnissen vor 60 Jahren oder 2 Wochen und werden andererseits auch deutlich impulsiver gelebt. Vor allem, wenn fußballfremde Einflüsse dazukommen wie etwa regionale Feindschaften (Mailand/Neapel) oder unterschiedliche politische Ausriuchtungen (Livorno/Lazio). Was zwischen etwa Dortmund und Schalke oft Folklore ist, kann hier schnell in einen handfesten Hass ausarten. Am besten so tun, als ob ihr euch nicht für Fußball interessiert oder bestenfalls nur irgendeine deutsche Mannschaft unterstützt. Mann darf zum Beispiel keinesfalls davon ausgehen, dass man sich in Neapel oder Palermo Freunde damit macht, wenn man über die Klubs aus dem reichen Norden herzieht – praktisch alle Süditaliener sind entweder sowieso Fan eines der 3 großen Clubs oder haben zumindest Milan, Inter oder Juve als Zweitverein (“seconda squadra“). Man will ja auch mal auf der Siegerseite sein! Entsprechende Polemiken können also eher unangenehm zurückschlagen.

Natürlich ist es – wie in der Bundesliga auch – nicht empfehlenswert, mit dem Auto anzureisen, der öffentliche Nahverkehr in Italien ist günstig und halbwegs zuverlässig. Rauchbomben, Pyrotechnik etc. mit ins Stadion zu bekommen, ist für den Durchschnittsurlauber unmöglich, hier muss man die richtigen Leute kennen (siehe Ticketverkauf) und wer die richtigen Leute kennt, braucht ja diesen Text nicht. Im Zuge von organisierten Auswärtsfahrten mit einem deutschen Verein bei geschlossener Anreise kann man das mal versuchen, die Einlasskontrollen sind hier etwas laxer, aber empfehlen kann ich das trotzdem nicht mehr, die Zeiten als man noch brennende Moppeds aus dem Oberrang werfen konnte, sind vorbei. ;)

Tickets

Update: Aufgrund der vielen Fragen zum Thema und des großen Interesses, das diese Seite hervorgerufen hat, habe ich mich entschlossen, Eintrittskarten für ausgewählte Fußballspiele der italienischen Serie A gleich hier auf altravita.com anzubieten: TICKETSHOP. Ich hab bisher über Viagogo – aus Kundensicht – nichts negatives gehört, selbst nur gute Erfahrungen gemacht und die gegebenen Versicherungen zur Verfügbarkeit der Karten und der Geld-zurück-Garantie bei Problemen klingen dann doch seriös. Zu den grundsätzlichen Kritiken des Geschäftsmodell verweise ich auf den Eintrag “Schwarzhändler”.

Es gab mal Zeiten, da stand man vor dem Spiel am Stadion und kaufte sich einfach eine Eintrittskarte. Im Zuge der verschärften Repressionen (auch hier getarnt als “Sicherheitsvorkehrungen”) ist das Beschaffen von Karten ein durchaus komplizierter bürokratischer Prozess geworden – und ich rede nicht nur von Spitzenspielen, die ausverkauft sind.

Es gibt im Prinzip 8 Möglichkeiten, an Tickets zu kommen: Über Online-Portale, als Dauerkarte, über die jeweiligen Vereinsseiten, über spezialisierte Reiseveranstalter, über offizielle Fanclubs, italienische Freunde, Ebay und den Schwarzmarkt.

Schwarzhändler (Bagarini): Die letzte Möglichkeit ist sicher für den deutschen Gelegenheitsreisenden eher uninteressant, die Einlasskontrollen sind streng, auf den Karten sind üblicherweise der volle Name und die Steuernummer (“codice fiscale“) des Karteninhabers vermerkt und werden auch kontrolliert. Nicht immer mit der gleichen Begeisterung seitens des Personals aber eigentlich kommt man in den allermeisten Fällen mit einem nicht zum Personalausweis passenden Ticket nicht rein. Wie gesagt: Kann klappen, eine Reise würde ich auf sowas nicht aufbauen. Für den Fall, dass die Tickets nicht sowieso gefälscht sind, kann also immer noch der Einlass verwehrt werden, wenn man nicht den passenden Personalausweis zum Biglietto vorweisen kann. Die “Bagarini“, denen man die Karten eben noch zu horrenden Preisen abgekauft hat, sind dann ggf. längst über alle Berge. Der Vorteil ist natürlich, dass man auf dem Schwarzmarkt auch direkt vor dem Spiel noch die Chance hat, sich in ausverkaufte Stadien einzukaufen. Achtung: Zunehmend gehen die Vereine dazu über, die Umschreibung von Karten an den Kassen am Spieltag nicht mehr zu machen. D.h. nichts anderes, als dass auch bei ehrlichen Bagarini (die also die offizielle Umschreibung mitgemacht hätten) keine Chance mehr haben, eine rechtsgültige Eintrittskarte zu verticken!

Ebay: Ja natürlich werden auch über Ebay Karten verkauft, aber im Prinzip gilt das oben zu den Schwarzhändlern gesagte: Das Risiko, nicht eingelassen zu werden, ist mir zu hoch. Zumal die Preise für Spitzenspiele teilweise exorbitant sind. Ich persönlich würde die Gefahr nicht auf mich nehmen, mir Milan ./. Inter mit 2 Karten à 400.00 EUR in der Tasche vor dem Stadion anzuhören. Wer es trotzdem versuchen möchte: Ebay Wie gesagt, am besten vorher auch im Web über die Umschreibemodalitäten informieren.

Italienische Freunde: Es ist wie immer in Italien, man muss die richtigen Leute kennen. Praktisch jeder Italiener kann bis zu 4 Tickets für ein Spiel erwerben, vorzulegen sind dabei lediglich eine Kopie des Personalausweises oder Reisepasses, Urlauber haben ja in der Regel keinen codice fiscale. Wenn ihr also jemanden kennt, fragt einfach mal freundlich an und mailt oder faxt dem euer Dokument. Vielleicht kann man sich beim Italienbesuch auch Freunde machen, indem man mit dem fußballinteressierten Hotelpersonal freundlichen Smalltalk (s.o.) pflegt und beim Trinkgeld nicht knausert. *wink, wink, nudge, nudge, say no more…* Sollte dieser neue Freund zufällig Mitglied einer ordentlichen Ultrà-Gruppierung oder eines Fanclubs sein, dann ist ja sowieso alles geritzt – Herzlichen Glückwunsch!

Fanclubs: Denn: Falls ihr vorhabt, häufiger Spiele zu besuchen, empfiehlt es sich, Mitglied in einem offiziellen (!) Fanclub des Lieblingsvereins zu werden. Offizielle Fanclubs haben inder Regel ein spezielles Kartenkontingent, was besonders für Spitzenspiele und Derbys teilweise die einzige Möglichkeit ist, halbwegs günstig ins Stadion zu kommen. Besonders die großen Vereine haben Fanclubs auch in Deutschland und helfen gerne weiter. Allerdings sind Mitglieder, die nur am Ticketkauf interessiert sind, ungern gesehen. Vor dem Hintergrund der immer schwierigeren Beschaffung muss man sich nicht wundern, wenn Mitglieder bevorzugt werden, die auch aktiv am Vereinsleben teilnehmen. Macht das also nur, wenn ihr auch vorhabt, euch einzubringen.

Reiseveranstalter: Es gibt ein paar Reiseveranstalter, die organisierte Touren und Tickets für die Serie A anbieten. Guten Gewissens und aus eigener Erfahrung empfehlen kann ich Michele und Renato Cedrolas Front Group aus der Schweiz. Die Jungs kenne ich persönlich und auch mit dem einen oder anderen Ticket haben sie mir schon geholfen. Spezialisiert sind sie auf Spiele in Mailand, Turin und Rom, aber auch für andere Spiele kann man jederzeit mal fragen. Einerseits kann man die ganze Reise buchen (ab Schweiz oder Österreich), mit dem Vorteil, dass man ganz entspannt und in der Gruppe mit dem Bus anreist und sich keine Gedanken über Maut, Parkplätze, Schäden am Auto, Verpflegung oder italienischen Verkehr machen muss. Andererseits kann man aber auch nur das Ticket buchen, was einem dann entweder zugeschickt oder direkt am Stadion übergeben wird. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass Front auf dem Parkplatz vor dem Stadion die einzige Bezugsquelle für richtiges Bier und richtige Bratwürstchen vom Grill ist! Nicht die billigste aber mit großem Abstand die unkomplizierteste Variante: Front Group

Dauerkarten: Hier ein Nachtrag aus den Kommentaren zum Text: Es ist für deutsche und andere EU-Ausländer prinzipiell möglich, eine Dauerkarte zu beziehen – jedenfalls spricht kein Bundesgesetz dagegen und – beispielhaft – für den AC Milan habe ich aus gewöhnlich gut informierter Quelle, dass nicht alle Dauerkarten-Inhaber ihren Wohnsitz in Italien haben. “Einfach einmal in eine Filiale der Banca Intesa gehen, dort notfalls Perso und codice fiscale vorzeigen, und dann hatmanse. Danach einfach nur erneuern! Da schaut ja keine Sau nach, wer wo wohnt!” (Den codice fiscale kann man sich in 20 Minuten übrigens bei jedem Finanzamt in Italien besorgen oder hier selber ausrechnen (Geburtsgemeinde = “Germania Ovest”).) Das ist bei weitem nicht nur für häufige Spielbesuche interessant: Eine Dauerkarte für den zweiten Oberring Kurve (grün oder blau) bei Milan kostet z.B. 208.00 EUR für die aktuelle Saison 2014/15 – das ist pro Saison (!) weniger, als verschiedene Quellen bereits für einzelne Spitzenspiele wie das Mailänder Stadtderby oder gegen Juve aufrufen! Zudem sichert man sich das Vorkaufrecht für die Champions-League-Spiele, kommt also als Dauerkarteninhaber auch hier ggf. leichter und billiger an die begehrten Tickets. Allerdings muss man für die Dauerkarte persönlich erscheinen und den Ausweis vorlegen. Genauere Hinweise zum Erwerb von Dauerkarten finden sich zu Saisonbeginn auf den Homepages der Vereine (s.u.).

Online-Portale: Es gibt ein paar Online-Portale, die sich dem Kartenverkauf für italienische Fußballspiele der Serie A und B widmen. Vorteil ist, dass es diese Seiten jeweils auch auf Englisch gibt und dass einige kleinere Vereine ihre Auswärts-Tickets grundsätzlich über diese Websites vertreiben. Für den Kauf vor Reiseantritt aus Deutschland ist dies die meist einzige Möglichkeit, sich den Stadionbesuch vorab zu sichern. Wenn der Verkauf nicht an die Fankarte “Tessera del Tifoso” geknüpft ist, diese wird leider von LisTicket häufig verlangt. Nachteil ist, dass man für Derbys und Spitzenspiele hier meist absolut keine Chance hat, zu sinnvollen Preisen an Karten zu kommen.

Generelle Websites zum Ticket-Verkauf für die Serie A

Vereinsseiten: Die Vereine der Serie A und B stellen Möglichkeiten zum Bezug von Karten (“biglietti” bzw “biglietteria“) auf ihren Internetseiten vor, hier findet man auch Informationen zum Stadion, also wie man hinkommt, wo man parken kann, wo die einzelnen Sektoren liegen und welche Beschränkungen der Antiterrorkampf gegen Fußball-Fedayin für die aktuelle Partie gerade notwendig macht. Update: Der AC Milan verkauft ab sofort Tickets an Ausländer direkt über die eigene Website. Einerseits wird dort auf den Online-Partner der Wahl verwiesen (keines der o.g. Portale hat Tickets für alle Mannschaften), andererseits werden Bezugsmöglichkeiten vor Ort aufgelistet, meist “Biglietterie”, also Kartenvorverkaufsstellen in der jeweiligen Region oder “Tabacchai“, Zigarettenläden und Lottoshops. Eintrittskarten für verschiedene Mannschaften der Serie A können z.B. am Spieltag bis 13.00 Uhr bei allen Verkaufspunkten der Lottomatica/LisTicket (üblicherweise Tabakläden) oder Ticket One in der Heimspielprovinz erworben werden. Das ist interessant für Urlauber, die schon vor Ort sind, also länger bleiben.

Große Vereine verkaufen Ihre Tickets auch über ausgesuchte Großbanken mit einem weiten Filialnetz. Karten für den AC Milan kann man z.B. in jeder Filiale der Banca Intesa Sanpaolo erwerben, Inter (brrrrrr) vertreibt Karten über die Niederlassungen der BPM (Banca Popolare di Milano). Das Filialnetz wiederum findet man auf den – meist mehrsprachigen – Internetauftritten der jeweiligen Banken. Ausweis und Geld mitnehmen und einfach am Schalter fragen – die Tickets werden direkt online erworben und direkt ausgedruckt. Entsprechende Hinweise auf diese Möglichkeit finden sich jeweils auf den u.g. Websites.

Homepages Ticketverkauf Serie A-MannschaftenAtalanta

Ich kann leider keine Karten besorgen, für alle anderen Fragen rund um Fußballspiele in Italien stehe ich aber gern zur Verfügung. Desweiteren bin ich natürlich dankbar für alle Tips, Hinweise, Anregungen und Verbesserungsvorschläge.