Cosimo Nicastro

Liebe kennt keine Liga

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Es gibt Geschichten, die kann eben nur der Fußball schreiben. Und zu den Träumen wohl jeden Fußballfans gehört es, einmal im Trikot seines Vereins auflaufen zu dürfen. Diesen Traum wahr werden zu lassen, dafür sorgte der Verein Gela Calcio mit seinem Präsidenten Angelo Tuccio. Gela Calcio, ein sizilianischer Club der „Seconda Categoria“, also der 9. italienischen Liga, hatte sich ein besonderes Geschenk für seine treusten Fans einfallen lassen. Unter der Woche wurde Cosimo Nicastro, Capo der dortigen Curva Angelo Boscaglia, in die Mannschaft berufen und durfte am 24. März für das letzte Saisonspiel – Gela Calcio gegen Vizzini – mehr als 60 Minuten im Trikot seines Vereins auflaufen. Als Zeichen der Dankbarkeit des Clubs gegenüber seinen Fans, die diesem Club mit der turbulenten Geschichte samt Zwangsabstieg 2011 auch in den absoluten Niederungen des italienischen Amateurfußballs die Treue hielten. Er erzielte während seines Einsatzes sogar ein Tor per Freistoß. Nicastro wurde für dieses letzte Saisonspiel offiziell für die Amateurmannschaft unter Vertrag genommen und fand sich überraschend im 18-köpfigen Aufgebot von Trainer Peppe Misini wieder. Er ist einer der Fans, die dem Verein seit mehr als zwei Jahrzehnten die Treue halten, sogar als dieser sich nach 18 Jahren aus dem professionellen Spielbetrieb verabschieden musste. Wie um anzuzeigen, dass sich Ultràs eben doch für Fußball interessieren, hatte er selbst an seinem Hochzeitstag die Idee, sich einen Schal in Vereinsfarben umzubinden und mit seiner Angetrauten eine Runde mit der Vespa zu drehen. Die Frau wird wissen, worauf sie sich eingelassen hat: Vor zwei Wochen ging es mit ihr und Neugeborenem nach Ragusa. Auswärtsspiel, völlig klar, auch wenn es Wolken bricht. Völlig normal für Fußballbekloppte. Und das sicherlich nicht, weil die 9. Liga im staubigen Ostsizilien fußballerische Leckerbissen bereithalten würde. Sondern weil die Liebe zu seinem Verein, zu seiner Stadt und zu seiner Kurve eben wichtiger waren, als alles andere. Und so entschied man sich eben, diesem treuen Fan eine Überraschung zu bereiten, die er so schnell nicht vergisst.
„Ich bin froh und stolz, auch als Spieler das Trikot der Mannschaft tragen zu dürfen, die ich liebe. Für mich ist das ein völlig überraschendes Geschenk, das ich aber gern annehme. Mein Traum ist es, Gela wieder in Spielklassen zu sehen, die seiner Geschichte und Bedeutung entsprechen. Die tausend Fans, die letzten Samstag gegen Macchitella dabei waren, zeigen doch, dass es in der Stadt noch Hunger auf Fußball gibt. Wir Fans werden das Team niemals im Stich lassen, und wenn wir in der 12. Liga landen.“
Und so gibt es eben manchmal auch ganz schöne, menschliche Geschichten aus Fußball-Italien zu berichten. Mal ganz abseits von Millionengehältern, Champion’s League und Live-Übertragungen. Denn eigentlich ist Fußball genau das: 22 Leute, die einem Ball hinterherrennen und ein kleiner Junge am Zaun, der gern mitspielen will. Nicht weniger, aber auf keinen Fall mehr.