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Italien in Zeitlupe

In Italien endet ein Fussballspiel keineswegs nach 90 Minuten. Denn dann beginnt die Zeitlupe. In der Pressekonferenz nach dem historischen Sieg seines F.C. Internazionale gegen Chelsea äußert sich der selbsternannte Startrainer Josè Mourinho zu einem möglichen Elfmeter für die (vom Spiel gegen Bayern München noch waidwunde) Fiorentina gegen den AC Milan im vorabendlichen Nachholspiel der Liga. Vermutlich muss man Deutscher in Italien sein, um die Bedeutung seiner Kritik überhaupt wahrzunehmen: „Mou“, wie ihn seine Jünger liebevoll nennen, hat nach dem ersten Sieg seines Teams gegen eine europäische Spitzenmannschaft nach vielen Jahren nichts wichtigeres im Kopf, als sich einer vermutlichen Benachteiligung seines Teams in der italienischen Serie A (und Bevorzugung der Meisterschafts“konkurrenten“ zu widmen. Die Tatsache, dass es für Chelsea ebenso einen Strafstoss in der 45. Minute hätte geben müssen, wird vom unbeugsamen Kämpfer für sportliche Gerechtigkeit nicht weiter erwähnt.

Soweit, so normal, Mourinhos psychologische Spielchen, um das Fanvolk zu dirigieren, die Mannschaft aus dem Medienfokus zu nehmen und Schiedsrichter wie Gegner unter Druck zu setzen, sind so bekannt wie abgenutzt und führen typischerweise zu Strafzahlungen und Sperren. Sein hochsouveräner Veitstanz nach dem Heimspiel gegen Sampdoria brachte ihm aktuell 3 Spieltage auf der Tribüne ein. Mourinho braucht die Medien, die Medien brauchen Mourinho und die Fans – eigene wie gegnerische – brauchen ihn sowieso: Als Heiland oder Feindbild. Interessant ist eher, dass er bereits seit Wochen mit voller Verve am uritalienischsten aller Spiele partizipiert, um die Medien in die von ihm gewünschte Richtung zu bewegen: die Zeitlupe, „la moviola“.

„Das Problem in Italien ist, dass man für 2 Stunden über Elfmeter unterhält und das Spiel selbst in den Hintergrund rückt. Hier in England gibt es keine Zeitlupe und es gibt sie nicht einmal in Frankreich oder Spanien, es ist eine rein italienische Einrichtung. In England verlässt ein Trainer 15 Minuten nach dem Spiel das Stadion, in Italien vergehen 2 Stunden, weil man über einen Elfmeter spricht.“
(Flavio Briatore, nach Inter-Roma)

Nun, Zeitlupensequenzen, um sich eine Spielszene oder eine Schiedsrichterentscheidung noch einmal anzuschauen, gibt es sicher auch in den von Herrn Briatore angesprochenen Ländern, aber das ist nur entfernt mit „la moviola“ verwandt. Nur in Italien werden strittige Schiedsrichterentscheidungen – mindestens – wochenlang diskutiert und der Höhepunkt der Hysterie dauert seit dem Ende von „Calciopoli“ weiterhin an. Nun aufs beste befeuert vom guten Josè, aber er befindet sich in allerbester Gesellschaft.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Immer und immer wieder. Aus hunderten Kamerablickwinkeln werden Abseits, Freistoss- und Elfmeterentscheidungen in dutzenden Fernsehshows ins kleinste Detail analysiert. Die drei großen Printmedien für Sportberichterstattung haben eigene Experten und eine eigene Rubrik zum Thema. Zudem äußern sich in den Tagen nach dem Spiel praktisch alle Spieler, Ex-Spieler, Ex-Schiedsrichter (die Schiris selbst dürfen sich nicht äußern), Greenkeeper und Balljungen zu den Szenen. Selbstverständlich auch die Fans: Wer des Italienischen mächtig ist, wird beim Stöbern in den Fanforen der Gazzetta dello Sport leicht feststellen, dass es vor dem und während des Spiels häufig um Fußball geht. Spätestens nach Schlusspfiff geht es praktisch nur noch um den Schiedsrichter.

Und so beginnt jeden Montag eine laut tösende Agonie im Land, die man entweder meidet oder die einem den Spaß am Fußball gründlich verderben kann. Denn natürlich kommt auch die detaillierteste Exegese aller verfügbaren Fernsehbilder niemals zu einem klaren Ergebnis. Im zur Debatte stehenden Fall (der Elfmeter für Florenz, nicht etwa der für Chelsea, Gott bewahre!), wird man dann über jedes denkbare Medium darüber aufgeklärt, wer jetzt genau zur Spielszene welche Meinung hat: Hat Schiedsrichter Rossetti – wie von ihm selbst erklärt – schlichtweg Vorteil laufen lassen, weil Stürmer Nilmar trotz Fouls an Montolivo an den Ball und aus 2 m Torentfernung frei zum Schuss kam, nun dummerweise aber auf Milan-Torhüter Abbiati traf? Hat er den Kontakt zwischen Thiago Silva und Montolivo nicht gesehen? Hat er eine Schwalbe vermutet? Hat Montolivo den Fall akzentuiert, als sich Silva bei einer Körperdrehung nicht abschütteln ließ? Kann man im Strafraum überhaupt Vorteil laufen lassen? Was wäre passiert, wen Nilmar ein Tor erzielt hätte, der Schiri dies anulliert und Elfmeter gepfiffen hätte, der aber nicht verwandelt worden wäre?

Und das ist nur eine Auswahl an Diskussionen, die sich seit Sonntag durchs Land ziehen. Jeden Sonntag. Nach jedem Spiel. Und so kann den auch jeder italienische Fußballfan mühelos aus der Erinnerung Statistiken aufsagen, welches Team in der Zweitliga-Saison 1967/68 von welchem Schiri in welcher Situation bevorzugt bzw. benachteiligt wurde. Und weil Fußball keine exakte Wissenschaft ist sind diese Statistiken natürlich höchst individuell und haben nur eines gemeinsam: Das eigene Team wird immer benachteiligt. Denn eines kann auch die ausgefuchsteste „Moviola“ nicht heilen: dass der Fan einen Elfmeter oder eine Abseitsentscheidung gegen seine Mannschaft ganz anders bewertet als einen oder eine für seine Mannschaft.

Die exponentielle Vermehrung des medialen Hintergrundrauschens durch die Verbreitung des Internets wie auch die Schockwelle des Bestechungsskandals Calciopoli haben das Phänomen „Moviola“ aber nur ins unerträgliche verstärkt. In einem Land, das 3 tägliche Sportzeitungen unterhält und in dem jede Tageszeitung täglich (!) mehrere Seiten dem Fußball widmet, war die Schiedsrichter-Analyse schon immer Passion. Denn natürlich müssen alle diese Kommunikationskanäle auch irgendwie mit Kommunikation gefüllt werden. Und da ein Spiel auch hier nur 90 Minuten dauert, muss es eben unendlich in die Länge gezogen, diskutiert, analysiert, zerstückelt und bewertet werden. Auch wenn natürlich danach weiterhin seine eigene Meinung zum Fall hat. So wie die Anhänger Inters weitgehend den Erleuchtungen ihres Messia folgen und ein undurchsichtiges „Komplott“ gegen den eigenen Verein vermuten (der knappe 60 Ligaspiele ohne Elfmeter gegen sich verbuchte und sich gerade anschickt, zum fünften mal nacheinander die Meisterschaft zu gewinnen). So wie sich die Anhänger der Viola sowieso seit Jahrzehnten benachteiligt fühlen wie deren Präsident della Valle diese Woche noch einmal gesondert erklärte. So wie der AC Milan vor 2 Jahren auf der offiziellen Website eine minutiöse Auflistung der Schiedsrichterbenachteiligungen veröffentlichte, gleich mit „korrigierter“ Tabelle. So wie die Anhänger der „Alten Dame“ Juve sich seit Calciopoli sowieso benachteiligt sehen, weil es „da oben“ noch „etwas gutzumachen“ gäbe. So wie sich der AS Roma und Napoli sowieso seit Jahrzehnten unterdrückt sehen. So wie eigentlich alle anderen Mannschaften auch.

Das ist ja das eigentlich absurde an dem ganzen Theater: Am Ende werden alle immer nur benachteiligt. Selbst wenn man konstatiert, dass 9 von 10 Schiedsrichtern den Elfmeter für Florenz gegeben hätten, hat man als Milan-Fan fest im kollektiven Gedächtnis eingebrannt, dass man ja zwei Spieltage vorher im Spiel gegen Livorno auch skandalös um einen ebensolchen gebracht wurde, als der verteidigende Stürmer Christiano Lucarelli den stürmenden Verteidiger Thiago Silva im Strafraum legte. Was natürlich niemals ein Fan Livornos zugeben könnte, weil Livorno ja seinerseits wegen der politischen Gesinnung seiner Fans systematisch verfolgt wird. Und so dreht sich das Karussell lustig immer weiter, bis es am Ende nur noch Verlierer gibt: Die eigene Mannschaft verliert sowieso, weil die ja immer benachteiligt wird. Aber es verliert auch der Sport, denn Flavio Briatore hat recht: Fußball-Italien ist Gefangener der Zeitlupe. Niemand nimmt sich mehr Zeit für eine Spielanalyse. Im Land, in dem Ergebnisse mehr zählen als irgendwo sonst, zerfällt das Spiel in Episoden, Bruchstücke, Splitter.

Kaum jemand verliert ein Wort darüber, dass die Fiorentina ein hervorragendes Spiel abgeliefert hat, den AC Milan weitgehend im Griff hatte. Dass der Ex-Rossonero Gilardino ein Tor erzielte. Dass Milan zwar kaum präsent war, aber trotzdem mehr hochkarätige Torchancen hatte, die vom Torhüter Frey vereitelt wurden. Dass die Fiorentina stolz sein könnte über die Mannschaftsleistung und die Tabellensituation doch sowieso weder nach oben noch nach unten irgendwelche Revolutionen zulässt. Dass die Viola trotz massiver Feldüberlegenheit trotzdem kaum aufs Tor geschossen hat und sich am Ende zwei kapitale Abwehrschnitzer leistete und das Spiel noch aus der Hand gab. Das alles spielt keine Rolle, wenn man ich die Niederlage in einen gefühlten Sieg diskutieren kann. Denn schöner, als den großen AC Milan zu besiegen ist nur, sich zum „Sieger der Herzen“ zu erklären und die moralische Deutungshoheit zu erstürmen. Jedenfalls bis Samstagabend, im Spiel gegen Lazio wird dann wieder jemand vom „Komplott“ zur unverdienten Niederlage gemeuchelt. Spannend ist nur, wen von beiden es diesmal trifft.

Dabei ist das perfideste, dass man sich der Krake „Moviola“ nicht entziehen kann. Selbst wenn man es schaffte, ein Spiel am TV ohne Ton zu verfolgen, keine Zeitungen und kein Internet zu lesen, kein Facebook, kein Twitter und überhaupt nur noch amerikanische Bücher zu konsumieren: Spätestens Montagfrüh im Büro, an der Bar, an der Tankstelle wird man dann in den Strudel gerissen. „Ladri“ (Diebe) heisst es dann, wahlweise auch „Avete rubato!“ (Ihr habt geklaut!) und spätestens dann sollte man seine Statistiken fehlerfrei abrufbereit haben, um dem erregten Fanvolk unter die Nase zu reiben, dass es ja damals im Spiel Poggibonsi gegen Juve, im Frühling 1934, auch nicht mit rechten Dingen zuging und man mal ganz still sein sollte. Denn ob einen das italienische Ritual der wochenlangen Phantomdiskussionen über Millimeter-Abseitsentscheidungen im Vollsprint, die der „gekaufte“ Schiedsrichter womöglich falsch bewertet hat, nun gefällt oder nicht, teilnehmen muss man trotzdem.

Ich weiß nicht, ob der italienische Fußball wirklich vor die Hunde geht. Aber wohin auch immer er geht – er geht in Zeitlupe. Als Mourinhos Nachfolger auf dem Chelsea-Trainerstuhl, der Ex-Milan-Coach Ancelotti, gefragt wurde, wie er denn den nicht gepfiffenen Elfmeter für sein Team sähe, antwortete der: „Ich bin es nicht mehr gewohnt, solche Dinge zu kommentieren.“

Nemo profeta in patria.

26 Antworten auf „Italien in Zeitlupe“

Sudditanza psicologica…. Das gibt es leider. Grosse Vereine bekommen nicht die selbe Strafe/behandlung wie kleine Vereine

Geiler Artikel, wie immer

[…] tatsächliche Spielgeschehen bzw. damit zusammenhängende Ereignisse: Auf- und Abstiege, vermeintliche und reale Benachteiligungen, dramatische Spielverläufe. In Italien kommt nun zu den schon immer bestehenden territorialen […]

[…] Rückstand. Auf derartige Objektivierungen kommt man aber nur als Deutscher in Italien, denn im Heimatland des calcio parlato, des erzählten Fußballs hat ganz klar eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters die Alte Dame favorisiert. Beim Stand von […]

Okay. Vielleicht dauert das auch noch ne Weile. Schau hier auf jeden Fall öfter vorbei. Find den Blog echt gut! Weiter so!

Trackbacks gibt's in Echtzeit…hab grad mal kurz gegoogelt, blogspot.com schickt einfach keine Trackbacks, da müsste man sich mit Plugins behelfen. Und danke für's Lob, ich freu mich natürlich über jeden, der meinen Kram hier liest!

Trackbacks=Klick auf Links zu Deiner Seite?
Liegt wohl daran, dass ich nur eine äußerst kleine und persönlich motivierte Leserschaft habe und ewig nix geschrieben hab (23 Aufrufe des aktuellen Posts seit heut morgen). Die faulen Hunde klicken sich dann nicht so durch…

Nein nein, das würd ich auch gar nicht mitbekommen, ich schau eh nie in die Statistiken. Ich meine die Geschichte, dass wenn sich Blogs untereinander verlinken, das automatisch unter dem verlinkten Artikel als "Trackback" gepostet wird. Ist mir nur aufgefallen, weil Du den Link hier per Hand gesetzt hast, normalerweise braucht man das gar nicht.

Wird wohl irgendein technisches oder Einstellungsproblem sein, macht ja nix.

Sehr schön! Ich bin ja auch der Meinung, dass man mittlerweile in die unteren Ligen abtauchen muss, um noch was von dem ursprünglichen volkstümlichen Geist des Fußballs mitzubekommen. Komisch aber, dass keine Trackbacks von deinem Artikel angekommen sind…

Äußerst informativer und amüsanter Beitrag! Versuche gerade meine Erfahrungen eines Amateur Fußballspiels auf Sardinien (SC BOSA – CUGLIERI) abzufassen und bin auf diesen Blog gestoßen. Finde Fußball hat in Italien einen ganz besonderen Stellenwert, der mir gefällt. Trotz unsympathischer Spielweisen, leerer Stadien etc pp. Weiter so!

Livorno startet grundsätzlich mit einem Nachteil in jede Saison. Nur sind sie dieses Jahr so schlecht, dass Schiri-Benachteiligungen nicht notwendig sein werden. Und nur, weil es zum Thema passt, nicht weil es wichtig ist: Milan hat im Spiel gegen Livorno einen glasklaren Elfer (Lucarelli foult Silva) nicht gepfiffen bekommen. 1. Absteiger.

Für Siena sehe ich dunkelgrau. Trotz der glorreichen Aufholjagd gegen Juve beim 3:3 (mit Elfmeter pro Siena!) richt m.E. der Kader nicht für den Klassenerhalt. Für mich der 2. Absteiger.

Spannend ist das Duell von Atalanta gegen Lazio. Nachdem sich die anderen Kandidatn (Catania, Bari, Bologna) mehr oder weniger gerettet haben, könnte es zu einem Zweikampf kommen. Beide haben sicherlich ein Team, dass deutlich besser in der Tabelle stehen sollte.

Ich habe keine Ahnung, wer von beiden die größere Lobby hat. Die Frage ist auch, ob man im jetzigen Klima nicht womöglich die Chance ergreifen will, Irriducibili & Co. ein für allemal loszuwerden. Getürkt wird werden, aber ich habe keine Ahnung, für wen der beiden.

Ich glaube, das passt irgendwie hierher:

Lazio stürzt grad ab, so sportlich gesehen. Freier Fall. Die sind vollkommen kaputt.

Nur stehen hinter denen Siena, Livorno, Atalanta. Wird es da seltsame Spiele mit seltsamen Schiedsrichterentscheidungen geben?

Im Moment hat die Lazio einen schweren Spielplan, Ende April könnte aber mit einem Unentschieden jedem der beteiligten Kontrahenten gedient sein oder es gibt noch eine Überraschung.

Es steigen doch eher Siena und Livorno ab als Lazio, egel wer wie beschissen Fußball spielt, oder?

Ma vaffanculo!

Jetzt sagt das weibe schon wo es lang geht… porca puttana! und Fussball wird immer noch im (!) Stadion gespielt und nicht im fernsehen… Dann werden ja bald 40 mann kader die realitaet sein.

Im Parlament gibt es aber weiterhin keine Regeln oder was? Raufereien, Mortadella, Prosecco, Dolche al impero romano… da sind die schimpfwoerter ja nur ein kleiner prozentanteil der vergehen.

Che cazzo!

Ecchepalle…Fussball wird vielleicht im Stadion gespielt, aber im Fernsehen geschaut. Den 30.000 (bestenfalls) im Stadion sitzen 10 Millionen auf dem Sofa gegenüber. Regierungspolitik wird zwar auch im Fernsehen gespielt, aber von niemandem angeschaut und auf Sky abonniert das auch keiner. Und außerdem neigt die italienische Leitreligion ja nicht erst seit gestern zur Bigotterie.

La bestemmia è un esercizio linguistico volto ad ingentilire l'animo ed a rasserenare l'ambiente.

In diesem Sinne:

"Bestemmiamo i terroristi
con i loro fritti misti
di violenze e santità,
porci Iddio, Gesù e Allah."

In Italien wird man jetzt wegen Fluchen auf dem Fußballplatz bestraft? Hmmm, ich geh doch genau deswegen dorthin. Sonst haben die keine Probleme, alles bestens, bel paese? Klar, irgendwann, irgendwo müssen ja Zeichen gesetzt werden, irgendwo muss man ja anfangen, man will sich ja nicht sagen lassen, man hätte es nicht gewollt und versucht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Hurra, ein erster Schritt zum familienfreundlichen Fußball! Eine rezente Studie im Auftrag eines großen Pay-TV-Anbieters hat ergeben, dass 75% der Abonnenten unter Ehefrauen zu leiden haben, die sich über fluchende Fußballspieler empören. Ab Saison 2010/11 gibt es 6 Monate Sperre für auf den Rasen spucken! 😀

Eigentlich geht es nur um "bestemmiare". Ich bin schon gespannt, wie demnächst anhand der Fernsehbiklder erörtert wird, ob ein Castellazzi ein straffreies "porca troia" oder das ahndenswerte "porca eva" von den Lippen abzulesen war.

Es gehört schon zur Identitätsfindung und -bildung bei fast jedem Verein dort, dass man gegen Juve immer beachteiligt wird. Das hat ja auch so von, wir gegen die da oben. Aber es kam ja raus: Irgendwie war da ja was dran. Ich will ja kein Klischee bedienen, es ist aber auch meine Erfahrung, dass in Italien allein die Ergebnisse zählen, weniger wie sie zustande kommen, falls man auf der Siegerseite steht. Und "Furbo" hat ja auch durchaus eine anerkennende Konnotation. Und anders herum, waren die anderen Schuld. ich habe auch Ausnahmen erlebt, vor fast 20 Jahren im nem Stadion dort, aber das war damals und ne Ausnahme.

Wir Frankfurter beschäftigen uns auch gerne mit Verschwörungstheorien in Sachen Schiedsrichter, ganz besonders in einem Fall. Mit dem Abstand der Jahre seh ich das relativer: Es darauf ankommen zu lassen, dass uns ein einziger Blinder verpfeifen kann, hat einen anderen Grund, eben den Blinden, der bei uns auf der Bank saß. Dennoch: "Fußball-Mafia DFB!!!!!" So, das musste Mal raus.

Es gab/gibt/wird geben so etwas wie die "sudditanza psicologica" gegenüber den großen Teams. Und es gab "calciopoli". An mehr will ich nicht glauben und mehr gibt es auch nicht zu beobachten. Also wenn Ronaldinho von irgendeinem Catania-Holzhacker gefällt wird, gibt es eher einen Elfer als wenn irgendein Catania-Holzhacker von Nesta elegant über die Klinge springengelassen wird. Insofern existiert sogar eine solide Basis für "Verschwörungstheorien" seitens kleinerer Vereine gegen die "längsgestreiften" Teams. Dass nun aber ausgerechnet Inter sich zum Affen macht mit deren Verfolgungswahn und anderen Neurosen entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Udine hat übrigens beim 2:3 gegen Inter einen sonnenklaren Elfmeter nicht bekommen. Erstaunlicherweise hat keiner der Gerechtigkeitsfanatiker wie Rumpelstilzchen herumgetobt oder anklagend die Handschellen-Geste in die Kameras gemacht. Eigentlich wurde kaum drüber geredet. Boh…contenti loro…