Inter – Milan 2:1, 15.02.2009

Inter – Milan 2:1, 15.02.2009

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Schon am 15.02. hieß es wieder „Derby della Madunina“, „Stracittadina“, Inter gegen Milan, das Gute gegen das Böse – ein Pflichttermin für den MFB, auch wenn wir diesmal leider nur in Notbesetzung antreten konnten. Cali hatte es sich nicht nehmen lassen, einen Billigflieger mitten in der Nacht zu besteigen, um am Samstag möglichst früh in Malpensa aufzuschlagen. Das zu der Uhrzeit erst zögerlich glimmende Morgenrot versprach einen sonnigen Spätwintertag, als Madu und Ezra ihn – komatös aber fröhlich – abholten. Nach einer gekonnten Plünderung des örtlichen Supermarkts zum Zwecke der Fresssachenbeschaffung stand am frühen Nachmittag der mittlerweile schon obligatorische Besuch eines Heimspiels des ASD Ramatese statt, der in einem Voralpental gelegene Talentschmiede der italienischen Nationalmannschaft. Es war zwar nur ein Freundschaftsspiel, aber die „Pulcini ’99“ lassen sich durch sowas nicht zu vermindertem Einsatz verleiten und schickten den Nachwuchs aus Baveno ebenso verdient wie begeisternd mit einer 8:2 Niederlage nach Hause. Deren Spielfreude, Einsatzwillen und Laufbereitschaft würden wir uns bei Milan diese Saison auch mal wünschen, aber 40 Jahre Altersunterschied machen sich dann wohl doch bemerkbar. Es war sicher akutem Schlafmangel geschuldet, dass lediglich Mini-Madunina es vorzog, das anwesende Publikum mit einer perfekten Emerson-Imitation zu erfreuen. Trotzdem ein schöner Nachmittag mit viel Sonne und gutem Fußball. Den Abend feierten Madu, sein Mini und Cali dann ausgiebig „San Valentino“ mit einem selbsterfundenen 3-Gänge-Menü – für den Anlass wurde extra ein einheimisches Weibchen eingeladen, dessen Abneigung gegen Peperoncini, Knoblauch und Sellerie dafür sorgte, dass wir das Kaninchen weitgehend für uns behalten durften. Recht so! Verschiedene Gallonen Rotwein sorgten dafür, uns gewisse Siegchancen für das sonntägliche Derby auszurechnen, zumal ein kurzfristig wiedererwachter Ezra auf der Playstation mehrere wünschenswerte Resultate hierfür vorlegte. Sonntag früh ging es dann bei strahlendem Sonnenschein in Richtung San Siro. Mini-Madu wurde – unter Protest – in einem konspirativen Treffen vor dem örtlichen Ipercoop abgegeben, denn es handelte sich ja um ein Auswärtsderby und die Curva würde wieder voll werden. Das betagte MFB-Fanmobil wurde direkt vor der Curva Sud geparkt und mit der U-Bahn ging es in Richtung Piazza Duomo zum üblichen Nigerianer-Verscheuchen, „Palle del Toro“-Drehen und Negroni-Verkosten, gefolgt von touristischem dumm herumlaufen, ebenso dumm quatschen und Mikrowellendöner-Essen. Cali entdeckte wieder verschiedene Alfas auf den Mailänder Strassen und war darüber wunschlos glücklich. Am späten Nachmittag brachte uns eine mit albanesischen Inter-„Fans“ gefüllte Tram wieder in Richtung Stadion, wo wir uns in der Bar noch den Rest der Nachmittagsspiele anschauten und danach auf die Jungs aus der Curva trafen: Auch von hier aus nochmal ein Gruss an Roby, Angelino und die Jungs von der Nordest. Sehr schön auch der Ordner, der beim geschlossenen Einmarsch in unseren Block doch tatsächlich unsere Tickets und Ausweise kontrollierte, richtigerweise feststellte, dass Name auf dem Ticket und Name auf dem Ausweis nicht übereinstimmten, uns wortlos beides wieder überreichte und sich umdrehte. Ich liebe Italien! Das Stadion war natürlich zum bersten voll und die doch sehr schöne Choreo der Interisti konterten wir mit einer Choreo vor dem Spiel und einer weiteren – animierten – während der Halbzeitpause. Weil hierfür notwendig war, eine Plastikschlange anzufassen, zog sich die Curva geschlossen Gummihandschuhe über. Sehr schön waren auch die zahlreichen Bengalos die aufs Spielfeld flogen und wenigstens eine Ahnung von Derbys früherer Zeiten gaben. Das Spiel haben wir ja alle gesehen, Adrimano brachte die Merda mit einem gekonnten Wurf in Führung und Stankovic erhöhte, bevor Milan irgendwann in der zweiten Halbzeit aufwachte und sich von Pato nach vorn treiben ließ. Wenn der Schiedsrichter sich getraut hätte, den an Inzaghi verwirkten Elfmeter auch zu pfeifen, wäre sogar ein Ausgleich verdient gewesen, aber zu Schiedsrichtern und Inter brauchen wir uns ja dieses Jahr nicht mehr zu äußern – mittlerweile hat die Merda seit 36 Spielen keinen Elfer gegen sich gepfiffen bekommen. Die Curva war jedenfalls immer präsent, bunt und laut – genau das Gegenteil vom armseligen blauschwarzen Publikum, das sich nicht einmal durch die Aufforderung „Un cimitero, sembrate un cimitero“ zu irgendeinem Spektakel hinreissen ließ. 2-3 mal kam ein höchst einfallsreiches „Inter, Inter“ und das war’s dann auch schon. Offensichtlich hatten wohl auch einige Kinder aus dem ersten Rang nichts besseres zu tun, als an unserem Banner zu zupfen, so dass einige runtergehen mussten, um für Ordnung auf den billigen Plätzen zu sorgen. Ein Grossteil der Stadionbesucher blieb aber unverletzt. Während unsere Squadra sich also den 12 blauschwarzen auf dem Feld mit ihrem Supertorwart Cesar geschlagen geben musste, zeigte die Curva Sud wieder mal, wo der Stimmungshammer in Mailand hängt. Auf dem Rückweg in die Berge sorgte ein Aufleuchten der Kontrolleuchte für die Motorsteuerung für erste Zweifel an einer zügigen Heimfahrt, aber von so einer schäbigen Lampe lassen sich echte Milanisti nicht aufhalten. Autoklempners Laptop bestätigte dann auch am nächsten Tag, dass man mit einer zerschossenen Lambda-Sonde noch prima bis Rom fahren könne und ein Stück Isolierband würde das störende Leuchten auf dem Armaturenbrett prima dimmen. Sagte ich schon, dass ich Italien liebe? Jedenfalls brachte uns das MFB-Fanmobil am Montagabend dann auch tatsächlich klaglos zum Flughafen, wo beim Auswärtsspiel in Bremen der zweite Teil der Berlin-Mailänder Fußballwochen steigen sollte. Der Flughafen-Buchhandel führte denn auch die passende Lektüre: Ein Werk, auf dessen Deckel groß und rot „ACAB – All Cops are Bastards“ prangte und das allein deshalb ganz oben auf dem Handgepäck durch die Durchleuchtung fahren durfte… Fotos zum Event gibt es auf der Seite der Milanfans Berlin