Kategorien
Rauchen aufhören

Rauchen aufhören III

Es ist nun fast genau ein Jahr her, dass ich mit dem Rauchen aufgehört habe und vielleicht Zeit, Bilanz zu ziehen und Erfahrungen weiterzugeben. Vor allem für mich selber – wenn es auch anderen hilft, um so besser.

Zunächst einmal: Mit dem Rauchen aufzuhören ist möglich und weit weniger schwer, als man denkt. Und genau hier liegt die Falle: Ich bin süchtig und werde es den Rest meines Lebens bleiben. Auch wenn die körperlichen Entzugserscheinungen nach 2 Wochen praktisch verschwunden sind, wirken perfide psychologische Mechanismen noch Jahrzehnte nach. Ich habe ja schon in früheren Berichten von meiner Erfahrung geschrieben, dass das Dumme am Rauchen die Verkehrung von der Zigarette als Genußmittel hin zum Mittel zur Unterdrückung von Entzugserscheinungen ist. Mit anderen Worten, während die Zigarette eine prima Droge ist – mir schmeckt sie immer noch gut, ich mag die Geste und den Geruch, ich mag das leichte, flüchtige High der ersten Zigarette am Morgen, den Nachgeschmack im Mund und die sofortige Entspannung durch die Droge – führt die Sucht dazu, dass man 20 Zigaretten raucht und nur 2 davon geniesst.

Ich bringe mal ein Beispiel. Ich war ja dieses Jahr beim Oktoberfest, alle haben geraucht, alle haben getrunken, alle hatten Spaß. Selbstverständlich habe ich auch geraucht, ich war ja weit weg vom Alltag und wollte mich einfach ein paar Tage gehen lassen. Ich denke, jeder Ex-Raucher kennt das. Erst habe ich überlegt und abgewogen, dann habe ich geschnorrt (Danke, Lanne) und dann habe ich mir eine Packung gekauft. Toll war das, die Zigaretten schmeckten wieder, verstärkten so schön die Wirkung des Alkohols und generell hatte man wieder etwas zu tun mit den Händen.

Ab und zu eine Zigarette ist kein automatischer Trigger für den Rückfall in alte Suchtgewohnheiten; die Behauptung, dass man nur eine Zigarette rauchen müsse, um sofort und widerstandslos wieder in das alte Suchtmuster zu verfallen, ist Quatsch. Humbug. Blödsinn. Eine Zigarette ist eine Zigarette und man hat bei jeder einzelnen die Willensfreiheit, sie sich anzuzünden oder auch nicht. Wenn ich unterstelle, die Zigarette wäre grundsätzlich stärker als ich, brauche ich gar nicht erst aufzuhören. Ich könnte also eigentlich ab und zu eine Zigarette rauchen. Eigentlich. Denn die Sucht schleicht sich viel subtiler und gefährlicher ein: In dem Moment, in dem ich mir eine Zigarette gönne, ist die Grenze überschritten und es wird sehr schwer, seinem Körper zu erklären, warum er sich denn nicht noch eine weitere gönnen dürfte. Eine nur noch. Warum muss ich mir die denn versagen? Die eine wird doch nun nicht gleich Lungenkrebs verursachen.

Macht sie ja auch nicht.

Genau hier erinnerte ich mich nämlich an die Gründe, wegen derer ich seinerzeit mit dem Rauchen aufhörte: die erste am Morgen schmeckt toll und hat den gewünschtenEffekt, jede weitere rauche ich nur aus Gewohnheit und weil es in der Tat egal ist, ob ich 3 oder 4 am Tag rauche. Oder 5. Oder 6. Ihr seht, worauf ich hinauswill: In wenigen Tagen stellt sich der Effekt ein, der das Rauchen so hinterlistig macht…“Eine kleine Zigarette schadet doch nichts, würde mir aber soooooo gut tun jetzt im Moment“…“Soll ich jetzt wirklich jeden Tag auf diesen kleinen Genuß verzichten? Für den Rest meines Lebens?“ Und genau an dem Punkt ist es dem Nikotin gelungen, mich umzuprogrammieren: Aus dem gesundheitlich und mental problemlosen Genießen der einen oder anderen Zigarette zu besonderen Anlässen (gegen das rein gar nichts einzuwenden ist) wird in wenigen Tagen der Kampf gegen Entzugserscheinungen.

Aus dem positiven Gedanken „die gönne ich mir jetzt, weil ich den Effekt und den Geschmack mag“ wird das negative „und darauf muss ich den Rest meines Lebens verzichten?“ Es geht also plötzlich nicht mehr um den Effekt einer Zigarette (positiv oder negativ), sondern Körper und Psyche des Süchtigen kaprizieren sich nur noch auf die Phasen ohne Zigarette, den Mangel. Und diese Phasen sind ja selbst beim starken Raucher viel länger als Phasen mit Zigarette – rechnet es nach! Und hier spricht die Sucht, ganz allein die Sucht. Es ist dem Süchtigen eben nicht möglich, die eine oder andere Zigarette zu rauchen ohne zu glauben, dass man sich durch das Nichtrauchen etwas verwehrt. Und genau das ist Quatsch! Nichtrauchen hat alle Argumente für sich: Ich fühle mich besser, rieche annehmbar, habe mehr Geld in der Tasche, bin fitter, schlafe besser, habe kein Sodbrennen mehr und treibe seit fast einem Jahr regelmäßig Sport. Ich habe keine Lust, das alles aufzugeben für einen einmaligen 2-Minuten-Fix am Morgen. Ständig gestresst, ob die Zigaretten reichen. Zugfahrt? Schnell noch eine rauchen! 5 Minuten bis zum Bus? Zigarette raus. 50 Euro-Schein? Da bleiben (nach Abzug der Stange Chesterfield) noch 15 Euro für mich. Und immer so weiter…

Nö, hab ich keine Lust drauf. Keine Zigaretten mehr und in Wirklichkeit verwehre ich mir gar nichts, im Gegenteil. Ich bin jetzt Nichtraucher, auch wenn ich mir auf dem Höhepunkt der Feier, wenn es mir richtig gut geht und ich so richtig Bock drauf habe bestimmt irgendwann mal eine anstecke. So bin ich und ich kann gut damit leben. Aber Raucher? Nie wieder.

2 Antworten auf „Rauchen aufhören III“

Sehr interessanter Bericht! Ich hoffe, du bist immer noch Nicht-Raucher :.)
Hab` grad vor ein paar Tagen aufgehört und kämpfe noch ein Bisschen. Genau mit den Dingen, die du beschrieben hast!
Andererseits muss ich davon wegkommen, will ich mir meine Gesundheit nicht ruinieren.
Nachdem ich eine Nacht wegen Schmerzen in der Lunge nicht schlafen konnte, steht für mich seit dem fest, dass es das gewesen ist. Ich hab mir immer eingeredet, ich rauche, so lange es geht, wenn nicht mehr, dann hör ich eben auf. Das dieser Punkt mit ende 20 kommt, hätte ich nie gedacht. Ist vielleicht auch besser so…

Wichtig ist, immer daran zu denken, dass eine Zigarette dir niemals etwas "gibt". Eine Zigarette stillt allerhöchstens ein Bedürfnis, das sie selber geschaffen hat.