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Giorgio Specchia: Der Rausschmeißer / Il Buttafuori

von altravita · Freitag, 28. Dezember 2012 · 2 Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks

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Giorgio Specchia: Der Rausschmeißer / Il Buttafuori

Giorgio Specchia: Der Rausschmeißer / Il Buttafuori

"Der Rausschmeißer" heißt das neue Buch von Giorgio Specchia, Fußballjournalist aus Mailand und Mitgründer der Viking Inter, der deutschen Fans von seinem Buch "Der Rowdy/Il Teppista" und aus der Italien Groundhopping-Doku auf ZDF info bekannt sein dürfte. Selbstverständlich konnte ich den Moment nicht erwarten, endlich sein neues Buch in den Händen zu halten und habe den "Nachfolger" vom Rowdy dann auch in wenigen Stunden verschlungen. Wobei ich, um Überraschungen zu vermeiden, gleich anmerken will, dass es diesmal um keinen Helden der Ultràkurve geht und Fußballfans nur ganz selten vorkommen. Erzählt werden in dem faszinierenden Büchlein Episoden aus dem Mailänder Nachtleben der 80er und 90er Jahre, insofern ist es also tatsächlich ein würdiger Nachfolger der Lebensgeschichte von Nino Ciccarelli.

Er fängt immer von hinten an: Fußball gefällt ihm nicht mehr. Oder besser, er hat gelernt, Fußballer und Artikel über sie widerlich zu finden: jeden Morgen eine neue Schlampe im Rampenlicht, die in ihrem Lebenslauf normalerweise nur aufzuweisen hat, dass sie irgendeine Geschichte mit einem Stürmer hat. Auf den Fußballseiten spricht man nur noch über illegale Wetten, Tattoos, Ohrringe, Villen, Nutten, Metrosexuelle, Koksorgien, nächtliche Saufgelage, Wags. Jedenfalls über nichts, was etwas mit Sport zu tun hätte. Resultat: Erik beginnt die Lektüre auf Seite 40 und beendet sie ungefähr auf Seite 20.

Erik heißt der Protagonist des mit "Echte Mailänder Nächte" untertitelten Romans. Also eigentlich heißt der Mann Enrico, aber Erik klingt mehr nach Vikinger und der Muskelprotz mit den langen blonden Haaren verdingt sich als Rausschmeißer im Nachtleben der lombardischen Metropole. Schon auf Seite 10 verkündet Specchia das Leitmotiv des Werks: "Das ist das Geheimnis von Erik und dem Geschichtenerzähler: Respekt für alle, Angst vor niemandem". Und Specchia wäre nicht Specchia, wenn er den Leser nicht wieder in eine Welt entführen würde, deren Türen den meisten verschlossen geblieben sind. Was die Türsteher da bewachen, ist ein Sumpf aus Drogen, Prostitution, Ausbeutung und dem Traum vom schnellen Geld, den der Autor im "Teppista" nur angerissen hatte. Und diesmal geht es mitten hinein ins Nachtleben.

Vor den einst hippen Lokalen am Mailänder "Idroscalo", dem künstlichen See in der Nähe des Flughafens Linate, bildeten sich lange Schlangen aus Vergnügungssüchtigen, während die Muskelberge der Security dafür sorgten, dass die Prominenz aus Fußballern, Schauspielern und Moderationssternchen sich drinnen ungestört vom Pöbel Linien durch die Nase ziehen konnte. So lang, dass auch schonmal ein schneller Blowjob hinter der Hecke den Türsteher milde stimmen musste. Überhaupt erfreut sich diese Form oraler Befriedigung als Bezahlmittel einiger Beliebtheit; so wird eine bekannte Schauspielerin von Erik dabei erwischt, wie sie bei zwei arabischen Dealern ein Gratistütchen verdienen wollte. Vom Spaghat zwischen der Partywelt der Feiersüchtigen und der Gosse dahinter erholt sich Erik bei seinen Katzen und Literatur, der Frieden der heilen Welt als Wall gegen die Entzauberungen der Medienwirklichkeit. Katzen. Bücher oder die mit Hingabe gepflegte weiße Rose, die er vor der Planierraupe eines neureichen Russen gerettet hatte. Die Rose geht wundersamerweise niemals ein, die Katzen werden uralt und die Bücher füllen langsam sein Appartement. Die Wegbegleiter hingegen sterben alle früher oder später.

Erik bezahlt mit dem Geld die erste Auswärtsfahrt seines Lebens: Austrai Wien-Inter. Mit dem "Lamierone", normalerweise der letzten Fahrt für einen Reisebus, der zum Abwracken bestimmt ist. Diese Busse werden so genutzt, für die Auswärtsfahrten der Ultràs. Im Prater, dem Stadtpark, wird die Nord von einheimischen Punks mit Pfefferspray, Messern und Stahlstangen angegriffen. Es wurde eine Nacht ehrlicher Schlägereien, ohne Polizei. Beim Rückspiel im San Siro wurden die Österreicher aus Rache plattgemacht. Alte Erinnerungen. Jetzt muss man an das tägliche Brot denken.

Sex, Drogen, Alkohol. Während das zeitweilig reich gewordene Mailand seinen Hedonismus mit hunderte Euro teuren Champagnerflaschen zelebrierte, blickt Specchia mit Erik auch hinter die Abgründe der glitzernden Fassade: In die versifften Mietskasernen, die irgendwelche Fliesenleger für mehrere Monatslöhne an brasilianische Transvestiten vermieten, die dann irgendwann in einem namenlosen Grab auf einem Friedhof weggeworfen werden. In die Privès, wo hofierte Fußballstars ihre Millionen in teuren Schnee und billige Frauen oder Männer investieren. Auf die "besten Plätze", auf denen internationale Kinostars die Huldigungen der weiblichen Fans zur Kenntnis nehmen und derweil den Türsteher mit eindeutigen SMS bombardieren. Und wie überall sonst übersetzt sich die rauschende Party aus Sex, Drogen und Alkohol für die, die nüchtern bleiben und für Ordnung sorgen müssen auch hier in Blut, Sperma und Kotze.

Das liest sich nicht schön, es liest sich atemberaubend und faszinierend. Vor allem, weil Erik anhand seines Berufslebens ganz nebenbei auch einen sehr präzisen Eindruck vom Aufstieg und Verfall einer ganzen Nation entwirft. Wenn nämlich nach der Einführung des Euros die Schlangen und die Geldbündel verschwinden, die Prostitution sich von Privès in irgendwelche Kaschemmen und hinter irgendwelche Sträucher verzieht. Wenn das Nachtleben an albanische Straßengangs überantwortet wird und der einst heißgeliebte Pferderennsport nur noch von ein paar alten Männern auf den baufälligen Tribünen des Hippodroms verfolgt wird. Vom Fußball nicht zu reden. Aber Erik ist "Buttafuori", das ist sein Platz in der Welt. Zwischenzeitlich versucht er sein Glück in Florida oder als Taxifahrer, aber am Ende steht er immer wieder dort: die Reichen vor dem Pöbel zu beschützen, der sie reich gemacht hat.

Specchia erzählt mit dem unbestechlichen Realismus eines John Steinbeck von den Gescheiterten, Gestrandeten und Weggeworfenen der Glitzerwelt, ohne dessen Hoffnung auf eine soziale Revolution zu teilen. Er nutzt die klare, aufs Äußerte reduzierte Sprache und die starken Bilder eines Ernest Hemingway, um den Auffälligen des Mailänder Nachtlebens ihre Würde wiederzugeben. Und auf Werte wie Solidarität und Ehrlichkeit zu pochen, mit denen sich die Gestrandeten inmitten von Nadeln, Scherben von leeren Bierflaschen und benutzten Kondomen irgendwie über Wasser halten. Nein, um Fußball geht es diesmal nicht. Aber ganz nebenbei wird klar, wieso die Jugendlichen aus den armen Vorstadtquartieren den modernen Fußball und dessen zugekokste Protagonisten verachten, die ihr Geld mit halbverhungerten Transvestiten durchbringen. Ein Buch, wie ein Verkehrsunfall: voller Einblicke, die man nie haben wollte und trotzdem viel zu kurz.

Das Loch war schon ausgehoben, Fläche 3, Platz 261. Erik, während er in Richtung Ausgang geht, kommt am Platz 216 vorbei, da wo Verusca begraben liegen sollte. Er entdeckt aber, dass dort Dejan liegt, ein Junge aus dem Kosovo, der mit 20 Jahren gestorben ist. Sogar ein Foto von ihm gibt es: mit pechschwarzem Topfschnitt. Die Transe hatten sie sogar als Tote noch einfach weggeschmissen.

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Ein Kalender für Antonio Speziale

von altravita · Dienstag, 18. Dezember 2012 · 9 Kommentare · 1 Trackbacks/Pingbacks

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Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bitte lest euch den Text bis zum Schluss durch, ich habe eine Frage an euch. Vor nicht einmal einem Monat hatte ich Bilder angefragt, in der deutschsprachige Fanszenen ihre Solidarität für den Ultrà Antonio Speziale aus Catania ausdrücken. Der damals 17-jährige Speziale wurde dafür verurteilt, beim sizilianischen Derby Catania-Palermo im Jahre 2007 den Polizisten Filippo Raciti umgebracht zu haben. Der Prozess und die Beweislage sind alles andere als eindeutig, weder gibt es Augenzeugen noch Bild- oder Videomaterial die belegen, dass ein Waschbeckenunterbau aus Blech, mit dem er geworfen ahben soll, den Polizisten getroffen hat. Im Gegenteil, die kriminaltechnische Untersuchung der RIS Parma schloss in exzessiven Tests, die mir vorliegen i.ü. aus, dass das leichte Blech tödliche Verletzungen hervorgerufen haben könnte. Unter anderem wurde eine Puppe 15 mal mit dem Blech beworfen, um auszuschließen, dass die tödlichen Verletzungen davon herrühren könnten. Es gibt im Gegenzug die Aussage des Polizisten Salvatore Lazzaro, der gegenüber seinen Kollegen zweimal bezeugt, wie er den Polizisten Raciti beim Zurücksetzen seines Defender-Jeeps angefahren hat. Trotzdem wurde die Haftstrafe für Antonio am 14.11. bestätigt.

Fankurven in ganz Italien – und nun auch in Deutschland und in der Schweiz – gaben ihren Zweifeln am Urteil Ausdruck. Zwar könnte man denken, dass die äußerung der Meinung "Speziale ist unschuldig" vom verfassungsmäßig garantierten Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt wäre (Art. 21 der italienischen Verfassung), allerdings wurden entsprechende Spruchbanner von z.B. Lecce oder Catania mit Stadionverbot und Strafzahlungen gegen die Fans bestraft, die ein "Speziale innocente" hochhielten. Vollends absurd wurde der Fall, als der Spieler Pietro Arcidiacono zu 3 Jahren Stadionverbot verurteilt wurde, weil er ein T-Shirt mit dieser Aufschrift in die Kameras des Staatsfernsehens RAI hielt.

Ich bin gegen Gewalt. Ich halte es für eine unfassbare Tragödie, dass ein Polizist bei der Sicherung eines Fußballspiels ums Leben kommen muss und drücke hiermit nochmals mein Beileid für die Familie Raciti aus. Filippo Raciti wurde mir von den Ultràs aus Catania als durchaus umgänglicher, nicht hasserfüllter Polizist beschrieben, "mit dem man reden konnte", der nicht "gleich den Schlagstock zog". Nichts, aber auch gar nichts an den Solidaritätsbekundungen für Antonio darf durch die ACAB-Brille gesehen werden. Ich habe aber Antonio, seine Gruppe, seine Kurve, seinen Anwalt Giuseppe Lipera und viele Menschen kennen lernen dürfen, die beim Derby 2007 dabei waren. Ich habe die mir vorliegenden Prozessunterlagen, das Gutachten der RIS Parma und die Zeugenaussagen durchgelesen. Und ich bin der Meinung, dass es sich beim Tod des Inspektors Raciti um einen tragischen Unfall handelt. Und insbesondere bin ich der Meinung, dass Antonio daran unschuldig ist. Am wichtigsten ist mir aber, dass ich diese Meinung frei äußern darf in einem demokratischen Rechtsstaat. Ohne die massiven Ausschreitungen beim Derby 2007 würde Raciti noch leben. Das heißt für mich persönlich nicht, dass man einen 17-jährigen verurteilen darf, um der aufgebrachten Öffentlichkeit einen Täter präsentieren zu können.

Um so überwältigter bin ich von der Anteilnahme deutscher und Schweizer Ultràkurven an Antonios Schicksal. Ich möchte euch zwei der vielen Danksagungen aus Catania nicht vorenthalten, die mich erreicht haben:

Ciao, ich bin Antonios Cousine…es ist wunderschön, zu sehen, wie viele Menschen uns nahe stehen…das gibt auch uns Kraft, nicht nur ihm…er weiß schon von diesen ganzen Bannern und wie viele Personen ihn unterstützen…wir erzählen ihm alles, wenn wir ihn treffen…

 

Ich hätte nicht gedacht, dass ich zu Weihnachten ein so großes Geschenk bekommen würde….. die Solidarität der deutschen Ultràs….. Ich hätte nicht geglaubt, dass das Drama um meinen Ultrà-Bruder Antonio Speziale eure Herzen berührt hätte….. Eure Idee von Ultrà bewegt mich jeden Tag….. Ich werde Antonio davon erzählen und nicht nur ihm….. Eure Vorstellung von Ultrà lebt in euren Gedanken, ich danke euch erneut und knie nieder vor eurem immensen Respekt….. Catania vergisst nicht….. Heute werde ich nach langer Zeit wieder ins Stadion gehen, ich gehe mit Antonios Vater und ich werde ihm von all dem erzählen, was ihr getan habt….. Ich grüße euch und knie vor eurem unendlichen Respekt und der Zuneigung, die ihr gezeigt habt….. Wir spielen kein schmutziges Spiel, wir haben Prinzipien, wir sind auf unsere Art ehrenhaft….. Und eure ist die gesundeste Vorstellung von ehrenhaft…..

Jetzt aber zu unserer Idee: Ich habe einen Kalender drucken lassen, der den Titel "12 Monate Solidarität" trägt. Die beiden Kalender sind auf dem Postweg, ich sorge dafür, dass Antonio und seine Kurve schnellstmöglich die beiden Exemplare erhalten, die ich auf meine Kosten habe drucken lassen. Sowohl aus Italien als auch aus Deutschland ist der Wunsch an mich herangetragen worden, auch einen solchen Kalender zu erwerben. Und: man könne ja mit dem Verkauf Antonios Familie bei den immensen Prozesskosten unterstützen. Die Leute von Blickfang Ultrà haben ihre Unterstützung zugesichert und würden das Layout und den Druck erstellen lassen. Daher meine Frage:

Was meint ihr?

Es gibt die Kommentarfunktion, es gibt die Facebook-Seite, meine Email ist info [Kringel] altravita [Punkt] com. Überlegt es euch, sprecht in eurer Gruppe, eurem Forum, eurem Facebook, eurer Familie oder eurem Freundeskreis von dem Kalender und lasst mich wissen, ob ihr einen haben wolltet. Und teilt mir das mit, weil wir nur so ungefähr abschätzen können, wie viele wir drucken müssten. Wir könnten so ein weiteres Zeichen setzen, dass Ultrà sich nicht auf blinde Gewalt und Pyrotechnik reduzieren lässt, sondern vor allem auch Freundschaft, Solidarität und kritisches Denken bedeutet. Wir könnten Antonio bei seinen Anwaltskosten helfen und im Gegenzug erhaltet ihr einen einmaligen Kalender. Sollten wir ein Zeichen setzen?

Ein ganz besonderer Dank geht an die Kurven von Bayern München, Borussia Neunkirchen, Borussia Dortmund, Rot-Weiß Erfurt, Rot-Weiß Essen, Hertha BSC, 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Köln, Chemie Leipzig, Borussia Mönchengladbach, 1. FC Nürnberg, SSV Jahn Regensburg, SSV Reutlingen, 1. FC Schweinfurt, Union Berlin und in die Schweiz nach St. Gallen.

Getrennt in den Farben, vereint in der Sache!

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Ein Lehrstück in Sachen Demokratie

von altravita · Donnerstag, 13. Dezember 2012 · 12 Kommentare · 3 Trackbacks/Pingbacks

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50 Chaoten, die mit Fußball nichts zu tun haben

50 Chaoten, die mit Fußball nichts zu tun haben

Heute ist der 13.12.. Sozusagen direkte Folge des 12.12.. Der Tag, der laut DFL-Präsident Rauball dafür gesorgt hat, "die Fußballkultur in Deutschland zu schützen". Also eigentlich hat der deutsche Fußball ja kein Gewaltproblem, jedenfalls kein statistisch nachweisbares, aber irgendwo ist immer Wahlkampf und eine Reihe von Innenministern hat richtig erkannt, dass "Fußball" und "Gewalt" zwei emotional aufgeladene Themen sind, die kombiniert eine geradezu infernalische Wucht entfalten. Eine Wucht, die bestens davon ablenkt, dass man jahrelang zugesehen hat, wie neofaschistische Mörderbanden unter Schutz der Verfassung durch Deutschland reisten, um Ausländer (sogenannte "Döner") hinzurichten. Oder davon, dass der Euro so sicher ist, wie die Rente. Oder davon, dass im Nahen Osten gerade ein gefährlicher Konflikt hochkocht. Egal, wenn "gewaltbereite Chaoten" "unseren Fußball" gefährden, wird alles andere unwichtig. Und weil keine Statistik der Welt irgendein Gefährdungspotential in deustchen Fußballstadien (draußen ist scheinbar egal) hergibt, dann lässt man sich von der Presse einfach eines zurechtfabulieren.

Ist ja nur so eine Idee. In Israel fliegt denen das Ökosystem um die Ohren. Man weiß nicht, ob wir Spanien, Portugal und Italien retten können, ob wir in 2 Jahren noch in Euro bezahlen oder wir in 10 Jahren noch Renten auszahlen können. Nazis ziehen durch die Lande und töten Ausländer, dabei flankiert vom Verfassungsschutz, der außer Akten vernichten offensichtlich zu nichts weiter gut ist. Politiker schreiben reihenweise ihre Doktorarbeiten irgendwo ab. Und DAS Thema für die Medien sind 12 Piepel mit Kapuzenshirts?

Dann allerdings kam es zu einem Lehrstück in Sachen Demokratie. Und zwar nicht von Seiten derjenigen, die eigentlich dafür zuständig sind. Nein, es war die "hedonistische, konsumorientierte und politisch uninteressierte" Jugend in ihrer brutalsten Ausdrucksform, als Kurvengänger, die die Krawattenträger und die versammelte Medienmeute in die Falle rennen ließ: Und zwar nicht mit Feuer und Rauch und "langen Stahlstangen", sondern mit Charme, Ironie und beispielhafter Organisation. Und plötzlich waren ganze Fußballstadien für 12 Minuten und 12 Sekunden lang still. Auf einmal solidarisierten sich nicht nur die sowieso verdächtigen Stehplatzfans, sondern 80.000er-Stadien mit "gewaltbereiten Chaoten". Und aus reiner Angst, vielleicht doch auf der falschen Seite zu stehen ("Immer an die Leser denken!") begannen Journalisten in ganz Deutschland, mit spitzen Stift die ZIS-Zahlen durchzurechnen und die Anführer der brandschatzenden Horden im Studio zu Wort kommen zu lassen. Und siehe da, plötzlich sahen die auch nur noch halb so gefährlich aus.

Damit hatten weder Innenminister noch Verbandschefs gerechnet. Eilig wurde nachgeschoben, dass man natürlich "weiterhin den Dialog will", dass sich das alles ja nur um "Einzelfälle" handelt, dass man selbstverständlich die "Fankultur bewahren" möchte, dass deutsche Stadien "selbstverständlich sicher" seien und man nur hier und da etwas "optimieren" wolle. Prima. Nach dem furchterregenden Platzsturm in Düsseldorf, bei dem fröhlich krähende Kinder ganz nah bei ihren Stars über den Rasen hüpften, klang das alles noch anders. Damals, als Johannes "Putenwurst" Kerner Schaufensterpuppen abfackelte und Frau Maischberger die gebührenzahlende Nation darüber aufklärte, dass in Stadien "Fan-Talibans" "faschistische Versammlungsrituale" aufführten. Das Ergebnis war die berechtigte Wut der Stadionbesucher darüber, dass über ihr "Stadionerlebnis" immer von den Menschen entschieden wird, die ein Stadion bestenfalls aus der VIP-Lounge kennen.

Im Effekt glaube ich nicht, dass sich praktisch viel ändern wird. DFL und DFB haben irgendeinen Wisch unterzeichnet, damit die Innenminister aus der Provinz endlich Ruhe geben mit ihrem populistischen Geschwafel; spätestens wenn die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird. Angesichts des massiv koordinierten Prozesses und des Medienechos darauf wird kein deutscher Verein irgendein Interesse daran haben, auf wirklichen Konfrontationskurs zu seinen Fans zu gehen. Es gibt dort jetzt eine Ahnung davon, was ihnen entgegenschlagen würde, wenn sie jetzt noch irgendetwas tun, im die Wut der Stadiongänger zu befeuern. Und das sollte mein Fazit aus der ganzen unangenehmen Geschichte sein: Politiker, die von anderen Mißständen ablenken wollten, haben eine symbolische Debatte entfacht und diese Symbole sind ihnen um die Ohren geflogen – von der ZIS-"Statistik" bis zum Bild von den "50 Gewalttätern, die mit Fußball nichts zu tun haben". Es wäre schön, wenn Fußballfans in Deutschland sich dieser gewonnenen Macht bewusst werden und sie nicht einer Reflexreaktion opfern. Wir leben in einer Mediendemokratie und "12:12" nichts ist Law & Order-Fanatikern unangenehmer als ein friedlicher, bunter und witziger Protest. Sollte sich irgendein Fan in irgendeinem Zelt vor dem Stadion tatsächlich nackt ausziehen müssen, kann man immer noch das Ende der Fankultur mit einem zünftigen Feuerwerk feiern. So weit ist es aber in Deutschland noch lange nicht.

"Wie wäre es denn, wenn die Ultras mal in Vorleistung gingen? Wenn sie bundesweit öffentlich erklären, dass sie auf Pyrotechnik verzichten?" fordert Christoph Ruf in seinem ansonsten durchaus sachlichen Kommentar im Spiegel. Schwierig, Vorleistungen von Menschen zu fordern, die seit gut 10 Jahren für Ordnungswidrigkeiten gebrandmarkt werden, ohne dass auf ihre vielfältigen positiven Aktionen hingewiesen wird. Dass sich hier junge Menschen organisieren, Freizeit und Geld für ein Hobby opfern, sich politisch engagieren und für ihre Rechte gerade machen. Wie wäre es denn, wenn im Gegenzug Journalisten die Gegenseite anhören, bevor sie den Polizeibericht aus Wuppertal abschreiben und mit Bildern aus Polen illustrieren? Denn während Gewaltepisoden im Fußballumfeld immer nur von einer Minderheit angezettelt werden, hat sich vom Spiegel bis zur Bild, von ARD bis RTL 2, wirklich keine Publikation und kein Sender beim Thema Fankultur mit Ruhm bekleckert.

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Sicheres Stadionerlebnis

von altravita · Mittwoch, 12. Dezember 2012 · 3 Kommentare · 4 Trackbacks/Pingbacks

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Arrigo Provedani, allein im Gästeblock

Arrigo Provedani, allein im Gästeblock

Am Montagabend wurde im Marassi in Genua das Spiel Sampdoria gegen Udinese angepfiffen. Besonderheit erhielt die Partie, weil sich genau ein Fan der Friulani im Gästeblock befand: Arrigo Provedani, ein 37-jähriger aus Spilimbergo, Provinz Pordenone. Provedani sollte ein besonders sicheres Stadionerlebnis haben: Als Stewards des Gästeblocks bemerkten, dass er der einzige Auswärtsfan war, luden sie ihn sogar ein, auf der Tribüne Platz zu nehmen. Provedani verzichtete mit der Begründung "ich habe ein Ticket für diesen Sektor" und hängte seine Fahne der Provinz Friaul, die er immer im Auto mitführt, ans Geländer. Die Pay-TV-Sender Sky und Mediaset, Profiteure der italienischen Flucht aus den Stadien, fingen den Mann mit einer Mischung aus Bewunderung und leicht spöttischem Unverständnis ein. Aber auch im Stadion blieb die absurde Situation nicht unbemerkt, so grüßte die Gradinata Sud der Heimfans den Gast mit Applaus und Sprechchören. Die – weitgehend beschäftigungslosen – Stewards boten ihm Kaffee an, die Marketingabteilung der Sampdoria besuchte ihn noch während des Spiels und schenkte ihm ein Original-Trikot von Kapitän Castaldello. Nach dem Spiel empfingen ihn Fans von Sampdoria, luden ihn auf ein paar Getränke ein und beglückwünschten ihn für seine Leidenschaft. Das Team aus Udine, das das Spiel letztlich 2:0 gewann, widmete ihm den Sieg. Und auch die Beamten der örtlichen Polizeiwache entblödeten sich nicht, ihn aufzuhalten, um "Fragen zu seinen Intentionen zu stellen". Ist ja auch auffällig, wenn noch jemand auswärts fährt in Italien.

Selbstverständlich eignet sich ein Montagabendspiel nicht wirklich für eine längere Auswärtsfahrt, zumal der Wintereinbruch die Straßenverhältnisse in Norditalien auch nicht gerade einladend gestaltete. Und auch der eiserne Fan ist nicht wirklich zum Spiel angereist, sondern er arbeitet für einen Weinproduzenten und befand sich wegen Kundenterminen sowieso in der ligurischen Hafenstadt. Nur dass er für das Spiel die obligatorische Fankarte "Tessera del Tifoso" brauchte, stellte ein kleines logistisches Problem dar. Aber ein Anruf bei Sampdoria klärte auch das Problem pünktlich vor dem Spiel.

Leider ist beim berechtigten Abfeiern des Mannes seitens der italienischen Medien etwas untergegangen, dass Arrigo Provedani keineswegs der einzige Udinese-Supporter in Genua war. Er war nur der Einzige, der ins Stadion durfte. Die immer präsenten "Collettivo Inc. Udine" waren auch am Marassi-Stadion, um ihrem Protest gegen die Tessera del Tifoso Ausdruck zu verleihen. Ohne die Fankarte ist das Betreten des Auswärtsblocks nicht möglich und so bleibt man eben draußen vor den Stadiontoren. Das Banner des Collettivo war bei praktisch allen Auswärtsspielen der Friulani dabei, viel zu oft vor dem Stadion ausgehängt, weil die absurden "Sicherheits"regelungen des italienischen Fußballbetriebs ihnen den Einlass verbieten. Während also die Medien ihren Helden gefunden haben und ihn zu seiner Leidenschaft beglückwünschen, ist die Ultràgruppe extra für das Spiel nach Genua gefahren – wohl wissend, dass man das Stadion nicht betreten durfte.

Respekt für Provedani, ein echter Fan. Respekt an die Doriani für ihr FairPlay. Noch mehr Respekt aber für die Jungs vom Collettivo. Den während sich die gesammelte Medienmeute auf den einsamen Fan stürzt, weist niemand auf die tausenden leeren Sitzschalen im Stadion hin. Oder auf die Fans vor dem Stadion, die an einem kalten Dezemberabend 1000 Kilometer ihrer Mannschaft folgen, ohne dafür mit Trikots, Kaffee und Glückwünschen belohnt zu werden. Zwei seiten derselben Medaille, über die heute am 12.12. in Deutschland entschieden wird. Wenn ihr "italienische Verhältnisse" wollt, dann unterschreibt. Aber hinterher dann bitte nicht beschweren.

Collettivo Inc. Udine

Collettivo Inc. Udine

Nachtrag: Mein kleiner Artikel hat auch Marco Bertram von turus.net zu einer Anekdote zum Thema “sicheres Stadionerlebnis” inspiriert.

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Diario di Dario

von altravita · Donnerstag, 6. Dezember 2012 · Keine Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks

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Diario di Dario

Diario di Dario

Schon bei der ersten Ausgabe des Fanzines "Diario di Dario" (Darios Tagebuch) hatte ich mir ganz fest vorgenommen, darauf hinzuweisen, leider kam mir ein Dokumentarfilm dazwischen. Aber aufgehoben ist ja nicht aufgeschoben dachte ich, als sich die gerade erschienene zweite Ausgabe im Briefkasten fand. Leider ist das Deckblatt nicht mehr farbig, noch fiel mehr Schade finde ich aber den Umstand, dass das Heft nicht mehr zweisprachig auf italienisch und deutsch erscheint. Das fand ich ja gerade das Herausragende am Konzept der Berliner Macher, weil das durchaus ansprechende Zine ursprünglich sowohl in Deutschland wie auch in Livorno seine Abnehmer fand. Aber das soll euch ja nicht stören, wer meine Rezension lesen kann, der sollte mit einer deutschen Publikation durchaus klarkommen.

Der in klingnischen Schriftzeichen gesetzte Untertitel bedeutet übrigens "novità della curva nord" und verheißt Neuigkeiten aus der Fankurve Livornos. Womit die fußballerische und politische Positionierung des Heftchens ausreichend erklärt sein sollte, hinter der die hinter dem Banner "Brigata Amaranto" versammelten Jungs und Mädchen stehen. Und an die politisch linke, antirassistische und, fußballinteressierte Klientel wendet man sich dann auch. Die allerdings bekommt Informationen, die in dieser Qualität für ein solches Druckwerk überhaupt nicht selbstverständlich ist. So genügen die im Eingangskapitel gegebenen Tipps zu Speis und Trank in der Wiege der italienischen kommunistischen Bewegung mit Sicherheit für ein paar angenehm verbrachte Tage in der toskanischen Hafenstadt. In diesem vom üblichen Touristenverkehr üblicherweise links liegen gelassenen Ort findet man allein mit dem "Marco Polo" in der Hand vermutlich nicht, wo sich das Hauptquartier der legendären BAL befand oder wo es die beste Fischsuppe gibt. Vom "Teatrofficina Refugio", dem 2006 besetzten Theaterprojekt ganz zu schweigen, dem sich der nächste Abschnitt widmet. Den Artikel zum "jüdischen Livorno" könnt ihr als Häppchen schonmal online kosten.

Es geht also bei weitem nicht nur um Fußball im "Diario", auch wenn die Fans von Babelsberg und Livorno sich natürlich auch damit ausgiebig beschäftigen. So wird in kulinarisch aufgepeppter Hopping-Manier ihr letzter Ausflug ins "Armando Picchi" beschrieben, aber auch der "Sommer mit der Nordkurve" (von Babelsberg) oszilliert zwischen Hakim Bey, Brecht, Majakowskij und Bier und sprengt ein wenig die Erwartungshaltung, die man sonst so an Fußballfans und ihre Publikationen heranträgt. Absolutes Highlight und allein schon den kauf wert sind die beiden gewohnt formidabel übersetzten Kapitel "Der Schwarze Block" und "Ich bin so wie du mich haben willst" aus Domenico Mungos Anarcho-Roman "Sensomutanti" (wer die Ironie entdeckt darf sie behalten). Einen Themenschwerpunkt stellt die detaillierte Aufarbeitung der Geschichte der "Aachen Ultràs" dar, die sich faschistischen Anfeindungen in ihrer eigenen Kurve gegenüber sehen. Ein längeres Interview der Babelsberger Gruppe "Zujezogen 03" rundet das Heft ab, bevor es mit einem Rückblick auf die Oktoberrevolution noch in eine Ehrenrunde geht.

Ich hab’s gern gelesen, die Autoren sind mit Herzblut dabei. Dabei dreht sich ja nur ein Teil um Fußball oder Livorno, so dass auch mäßig sportinteressierte Linke auf ihre Kosten kommen sollten. Ich persönlich bin kein Fan der "geschlechtergerechten Sprache", aber deren Einsatz im Heft ist angesichts der Thematik nur konsequent. Und über so ein paar Asteriske kann man auchmal hinwegsehen. Frau vermutlich auch. Für jeden, der mal eins lesen mächte: Das Heft gibt es auch auf Facebook vorgestellt, die Macher "Brigata Amaranto" sind dort auch vertreten. Man betreibt ein Blog, ist ansonsten aber auch jederzeit im Babelsberger Liebknecht-Stadion anquatschbar sowie bei antikapitalistischen und antirassistischen Veranstaltungen und Konzerten in und um Berlin. Oder halt per Mail an brigata_amaranto [Kringel] autistici [Punkt] org.

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ACAB – Der Film

von altravita · Donnerstag, 29. November 2012 · 2 Kommentare · 0 Trackbacks/Pingbacks

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ACAB - All Cops are Bastards

ACAB – All Cops are Bastards

Ich persönlich war ja sehr begeistert von Carlo Boninis Buch "ACAB" und hatte das in meiner seinerzeitigen Rezension auch gebührend kundgetan. Auch weil der provokant gemeinte Titel Leser enttäuscht, die sich von Bonini eine gnadenlose Abrechnung mit der kasernierten Bereitschaftspolizei erwarten. Der im Folgenden kurz umrissene Film wurde unter dem Motto "ACAB ist kein Film" von den italienischen Fankurven boykottiert, ein in Klammern stehendes "sondern eine Lebenseinstellung" oder "sondern eine Wahrheit" darf man sich dabei gern dazudenken. Nun bin ich der erste, der nachvollziehen kann, dass man sich wenn man die ersten paar Male in einen Polizeikessel der "Celerini" geraten ist, nicht mehr unbedingt mit den verschiedenen Schattierungen, Beweg- und Hintergründen von Polizeigewalt auseinandersetzen möchte. Trotzdem lohnt sich das Buch, denn Verständnis ist immer wünschenswert, dummerweise ist die Welt ja niemals schwarz und weiß und in Italien sowieso meist braun. Der Film greift diesen Gedanken auf, als die Polizisten zum ACAB-Song der "4 Skins" grölend durch die Flure der Kaserne pogen. Und überhaupt: "Bevor man entscheidet, wer Unschuldige und Schuldige sind, müsste man sich wenigstens fragen, wie die Arbeit der Celere funktioniert."

Trailer:

Bonini wurde eine Art "Stockholm-Syndrom" vorgeworfen, weil er sich sehr nah an seine Protagonisten heranwagt und Erklärungen sucht, wo die natürliche Reaktion Abscheu und Ekel ist. Dem folgt der Film, der größtenteils von atmosphärisch sehr dicht in Szene gesetzten Dialogen getragen wird. Die "Action-Szenen" sind zwar toll umgesetzt (hundert Mal besser als bei Stefano Calvagnas unsäglichem Machwerk "L’ultimo ultràs") und packend, für Liebhaber des gepflegten Riot-Films aber viel zu wenige. Brutale Polizeigewalt wird gnadenlos gezeigt, als Beispiele mögen hier das Zusammenknüppeln einer Gewerkschaftsdemonstration von Familienvätern oder das blutige Zusammenschlagen des friedlichen Napoli-Fans im Zug gelten. Aber eben auch ein tiefer Messerstich in den Oberschenkel oder ein Stein ins Gesicht der Celerini. Allerdings muss man das Buch gelesen haben, um den häufig relativ unvermittelt aufeinanderfolgenden Episoden einen Sinn zu verleihen. So wird im Film weitgehend ausgeblendet, dass die Protagonisten sich anläßlich der Proteste gegen den G8 2001 in Genua kennenlernen, ein Umstand der zwar Kern des Buches ist, im Film allerdings nur in sehr kurzen Dialogsequenzen und einer Rückblende auftaucht. Nun sind Bücher ja fast immer besser als Verfilmungen, bei ACAB ergeben sich allerdings teilweise echte Verständnisprobleme, die sich nicht alle durch das hingenuschelte Pseudo-Neapoletanisch der Polizisten erklären lassen.

Trotzdem halte ich ACAB für keinen schlechten Film, man muss sich nur auf ihn einlassen. Was schwer fällt, wenn man die hartgesottenen Celerini bei ihrem Tagwerk betrachtet. Boninis Lieblingsthema ist aber die Erklärung der gesamten italienischen Gegenwart durch Faschismus. Hier hätte ich an anderer Stelle noch einmal Diskussionsbedarf, im Rahmen des Films ist seine Linie aber stimmig. "Mazinga" – hervorragend gespielt von Marco Giallini! – wird aufgerieben zwischen körperlichen Auseinandersetzungen mit Neonazis und dem Abdriften seines Sohns in eben jene Szene. "Negro" baut den Frust über seine Scheidung bei Prügelorgien ab und Pierfrancesco Favino spielt den knallharten "Cobra" so bestimmt, dass man am Ende glaubt, der Mann wäre mit dem Schlagstock in der Hand geboren worden. Allen gemeinsam ist eine rechtsnationale Gesinnung, der Glaube, vom Staat in einen nicht zu gewinnenden Krieg geschickt zu sein und die Gewissheit, dass man sich am Ende nur auf seine Kollegen an seiner Seite verlassen kann. Illustriert wird das unter anderem durch die Szene, als Cobra in der Verteidigung eines Kollegen zu erklären versucht, wie es sich anfühlt, wenn man ins "Kampfgebiet" einrückt mit dem Wissen, dass "die einzigen, auf die man sich verlassen kann, die Brüder an seiner Seite sind."

Dabei werden Dialoge geführt und Personalien gezeichnet, die so auch 1:1 von Ultràs "auf der anderen Seite" stammen könnten. Auch hier macht sich rechtsextremes Gedankengut breit, auch hier fühlt man sich von Politik, Staat und Gesellschaft verraten und auch hier schwebt der Tenor durch die Szenen, dass man sich am Ende des Tages nur auf seine Brüder verlassen kann. Dass hier Lebenswege gezeichnet werden, die im selben Stadtviertel begannen, dieselbe "politische" Laufbahn verfolgen und nur relativ zufällig auf die eine oder andere Seite der Schilde der Polizeikette führen, ist in Boninis Logik schon fast zwingend. Denn zu trauriger italienischer Realität gehört auch, dass "Cobras" Truppe ein illegales Roma-Lager brutal räumt, weil sonst jugendliche Nazibanden "den Job" übernommen hätten. Und wieder steht man sich gegenüber in einem Konflikt, den eine politische Klasse zu verantworten hat, die sich insgeheim die Hände reibt, wenn der rechte Bodensatz der Gesellschaft die Drecksarbeit erledigt.

Man muss nicht mit Boninis Thesen konform gehen und vor allem beantworten weder Film noch Buch, warum die jeweiligen "Gegner" sich beide von faschistischem Gedankengut angezogen fühlen und versuchen, "Probleme" durch direkte körperliche Gewalt zu lösen. Sicherlich wird niemand zum Dienst in der der "Celere" gezwungen und es gäbe für die Figuren sicherlich genügend Momente, einen Schritt zurückzutreten und die Sinnfrage zu stellen. Vielleicht wecken die zahlreichen stillen Dialoge, die familiären und finanziellen Probleme der Protagonisten, deren "Menschlichkeit als Grundlage ihrer Unmenschlichkeit" mehr Sympathien beim Zuschauer, als durch die Darstellung exzessiver Polizeigewalt wieder wettgemacht wird. Trotzdem halte ich ACAB für einen sehenswerten Film, der zumindest versucht zu erklären, dass auch hinter Polizisten Biografien und Lebensläufe stehen. Lebensläufe, die das Handeln mit Sicherheit nicht rechtfertigen, aber mehr Lösungsansätze bieten als ein plattes "Bullen sind eben Bastarde". Das sind "Cobra" und seine Bande mit Sicherheit, sie sind nur nicht als solche geboren.

Der Film schließt mit den Auseinandersetzungen in Rom am Abend nach der Tötung von Gabriele Sandri. "Die wollen einen von uns. Heute ist der Tag der Abrechnung." ACABs größte Stärke ist der Einblick in einen italienischen Konflikt, in dem junge Polizisten und Jugendkulturen von Skinheads bis Ultràs stellvertretend für eine echte politische Auseinandersetzung jedes Wochenende aufeinander losgehen. Dass beide Seiten dabei oftmals dasselbe Gedankengut glorifizieren, dieselben Werte wie "Ehre", "Männlichkeit", "Treue" abfeiern, aus denselben Verhältnissen stammen und – wenn man sie denn ließe – auch dieselben Lösungen für gesellschaftliche Probleme anstreben würden, ist bei Bonini fast schon zwangsläufig. Hier könnte man mit einer echten Kritik ansetzen, in der Logik des Films passt das alles bestens. Antworten darauf möchte Bonini nicht geben, die Darstellung der Abwasserkanäle der italienischen Gesellschaft, in denen die Scheiße entsorgt wird, ist ihm gelungen.

Eine weitere Rezension gibt es bei MovieReporter.

Den Film – leider nicht das Buch – gibt’s bei Amazon oder beim Kinoportal eures Vertrauens

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Speziale innocente?

von altravita · Montag, 26. November 2012 · 12 Kommentare · 4 Trackbacks/Pingbacks

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Speziale innocente

Speziale innocente

Werte Fankurven, in der Doku haben wir ja den Fall Antonio Speziale ein wenig angerissen, jenen damals 17-jährigen Jungen, der für den Tod des Polizisten Filippo Raciti verantwortlich gemacht und dafür verurteilt wurde. Am 14.11. war die letztinstanzliche Berufungsverhandlung, die leider die Haftstrafe bestätigte. Unter anderem wurde ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes der Polizei (RIS) Parma nicht in Erwägung gezogen, das den Tatvorwurf ausschloss. Gleiches gilt für die von einer zweifachen Aussage (später zurückgezogen…) eines Polizisten, der angab, Raciti beim Rückwärtsfahren getroffen zu haben. Meine Zweifel bleiben, genauso wie die der Verteidigung und tausender Fans oder des Spielers Pietro Arcidiacono, der wegen eines Shirts mit der Aufschrift “Speziale innocente” mit Stadionverbot belegt und bis Juli 2013 gesperrt wurde.

Mit Freude habe ich gesehen, dass zunächst italienische Kurven, wie die von Milan (Foto) oder dem Toro ihrer Meinung per Banner Ausdruck verliehen. Noch schöner fand ich, dass Köln und Gladbach, Reutlingen und St. Gallen mitzogen. Und spontan ist mir folgende Idee gekommen:

Falls noch jemand “Speziale innocente” gemacht hat oder machen möchte: Ich hätte gern Bilder davon, möglichst in Originalauflösung. Ich würde dazu einen italienischen Text schreiben und dafür sorgen, dass Speziale die ins Gefängnis gebracht bekommt. Wäre das ne Idee?

Kurzum, wenn ihr von weiteren Bannern wisst oder euch mit dem Gedannken tragt, auch eins aufzuhängen: Ich würde mich freuen, wenn ihr mir entsprechende Hinweise oder am besten gleich Bilder in guter Auflösung schicken könntet (info [Kringel] altravita [Punkt] com). Ich würde, falls wir ein paar zusammenbekommen, einen kleinen Grußtext schreiben und den gemeinsam mit den Bildern Antonios Anwalt zukommen lassen. Der hat schon zugesagt, dass er die Bilder ins Gefängnis bringen würde. Ganz einfach, als kleine Ermutigung. Damit er weiß, dass Leute da draußen an seine Unschuld glauben. Auch wenn sie kein italienisch sprechen und vielleicht noch niemals in Sizilien waren.

Nachtrag 1: So, liebe Leute. Erstmal ganz großen Dank von mir und ganz persönlich auch aus Catania für die schönen Banner für Speziale. Im Moment habe ich Bayern München, Dortmund, Lautern, Köln, Leipzig, Gladbach, Nürnberg, St. Gallen und Union. Das sind neun. Was meint ihr, schaffen wir 12 und machen daraus nen schönen Kalender für Antonio? Ich finde, das neue Jahr geht ja bald los und anstatt einer Zettelsammlung würde sich so ein Kalender mit Solidaritätsbekundungen doch sicher gut machen. Nur so eine Idee.

Ach und übrigens: Blickfang Ultrà beteiligt sich mit 10 Exemplaren “Il Teppista” an der Aktion: Unter allen Gruppen, die im deutschsprachigen Raum mitgemacht haben, werden 10 Exemplare von Giorgio Specchias “Il Teppista/Der Rowdy” verlost. Die Bücher gehen direkt an die Gruppen, im Moment kriegt ja erstmal jede eins. So ein Buch soll sicher nicht der Anreiz sein, aber ein kleines Dankeschön für euren Einsatz.

Nachtrag 2: Während die ersten wunderbaren Banner eingehen, wollte ich euch diese Antwort aus Catania nicht vorenthalten:

Ich habe nicht geglaubt, dass ich zu Weihnachten das allergrößte geschenk bekommen würde…. die Solidarität der deutschen Ultràs…. Ich hätte nicht geglaubt, dass das Drama um einen meiner Brüder, den Ultrà Antonio Speziale auch eure Herzen berührt hätte…. Euer Verständnis von Ultrà bewegt mich jeden Tag tief…. Ich werde Antonio wissen lassen, dass er nicht allein ist…. Euer Ultrà sein lebt in eurem Geist, ich danke euch erneut und knie vor eurem immensen respekt…. Catania vergisst nicht…. Heute werde ich nach langer Zeit erstmals wieder ins Stadion gehen, um ein bisschen zeit mit Antonios Vater zu verbringen und ich werde ihm von all dem erzählen, was ihr gerade macht…. Ich grüße euch und knie nieder angesichts eures unendlichen Respekts und eurer Anteilnahme…. Wir spielen sauber, wir haben Werte, wir sind auf unsere Art aufrichtig…. Und eure ist die gesundeste Form von Aufrichtigkeit….

Non pensavo che a natale avrei potuto avere regalo più grande……. La solidarietà della Germania ultras….. Non pensavo che il dramma di un mio fratello ultras Antonio Speziale, avesse toccato i vostri cuori…… Il vostro essere ultras mi commuove ogni giorno……. Farò sapere ad Antonio che non è solo…… Il vostro essere ultras sta nelle vostre menti, vi ringrazio ancora e m’inchino al vostro immenso rispetto……. Catania non dimentica….. Oggi dopo tanto tempo riandrò allo stadio per stare con il papà di Antonio e parlerò di tutto quello che state facendo….. Vi saluto e m’inchino al cospetto del vostro infinito affetto e rispetto…… Noi non giochiamo sporco, noi abbiamo dei principi, siamo leali a modo nostro……. Ed il vostro e’ il modo più sano di lealtà….

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Interview mit Giorgio Specchia, Autor von “Il Teppista” / “Der Rowdy”

von altravita · Dienstag, 20. November 2012 · 4 Kommentare · 1 Trackbacks/Pingbacks

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Giorgio Specchia

Giorgio Specchia

Vor dem letzten Mailänder Derby hatte ich die Gelegenheit, ein kurzes Interview mit Giorgio Specchia zu führen, seines Zeichens Journalist und Autor des Buchs "Il Teppista/Der Rowdy" über die Lebensgeschichte von Nino Ciccarelli; Ultrà und Gründer der "Viking" Inter. Das Interview ist im aktuellen "Blickfang Ultrà" Nummer 26 erstmals erschienen und ich möchte es euch natürlich nicht vorenthalten. Giorgio Specchia war auch einer unserer Gesprächspartner in der Doku "Verrückt nach Fußball. Eine Reise durch die Fankurven Italiens". Meine damalige Rezension des Buchs findet ihr hier, dieses Machwerk bestellen könnt ihr hier.

Kannst du uns ein wenig über über Deine Zeit in der Curva berichten und womit du dich heute beschäftigst?

Jetzt bin ich Journalist. Ich arbeite für die Gazzetta dello Sport. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass alles was ich sage, nicht die Redaktionslinie meiner Zeitung ist, sondern meine persönlichen Ansichten. Wie ihr wisst, ist meine Zeitung eine der Institutionen, ich hingegen bin im Herzen Ultrà geblieben und ich spreche für sie, weil ich die Problematiken derer, die heute die Kurven leben, sehr gut kenne. Ich mit seit meiner Kindheit mit meinem Vater ins Stadion gegangen. Mein Vater war Friseur von Inter, genau hier im Corso di Porta Romana. Und alle Spieler sind zu ihm gekommen, um sich die Haare schneiden zu lassen. Facchetti zum Beispiel… das war das Inter der 70er/80er Jahre. Und natürlich bin ich Interista geworden. Ich habe auch meinen Vater auf seiner Arbeit begleitet und habe zum Beispiel den Fußboden gefegt, während er in Appiano Gentile den Spielern die Haare geschnitten hat. Ich bin also mitten im Herzen von Inter aufgewachsen. Und als Kind ist es vollkommen unvermeidlich, dass ich die Kurven angeschaut habe; die haben mir schon immer gefallen. Mit sechs oder sieben Jahren war ich fasziniert von dem, was über mir passiert ist. Sobald ich ein bisschen größer war, so 13-14 Jahre, habe ich begonnen, selbst hoch in die Kurve zu gehen.

Meine erste Auswärtsfahrt war Austria Wien – Inter. Ich kann mich an das Jahr nicht mehr erinnern. Vor dem Prater war die Hölle los. Wir von der Curva Nord sind mit nur einem Bus gekommen und ich war der kleinste von allen. Draußen, am Prater, griffen uns österreichische Punks an. Und beim Rückspiel gab es die Rache, Gerard Wanninger wurde hier am San Siro durch Messerstiche schwer verletzt. Verschiedene Capos von Inter wurden daraufhin verhaftet. Und seit diesem Moment habe ich begonnen, die Inter-Kurve regelmäßig zu Besuchen, das waren damals sehr gewalttätige Jahre. Und dann, weil wir auf denselben Rängen im Stadion standen, habe ich ein paar gleichaltrige Jungs kennengelernt und wir haben diese Gruppe gegründet, die "Viking". Wir haben Geld zusammengelegt, um unser eigenes Banner machen zu lassen, den hatten wir in der Via degli Umiliati bestellt. Wir haben uns dann immer hinter diesem Banner versammelt und begonnen, alle Auswärtsfahrten mitzumachen.

Gehst du heute noch ins Stadion?

Die wenigen Male, die ich noch hingehen kann, stehe ich in der Kurve. Ich war in London für Chelsea – Inter und in Barcellona für Barca – Inter im Jahr unseres Champion’s League-Titels. Im Moment plane ich gerade, für das Spiel Partizan – Inter nach Belgrad zu fliegen, ich habe mich für das Spiel schon eingetragen. Das ist ein höchst riskantes Spiel, von Partizan wird erzählt, das wäre die gewalttätigste Fangruppe Europas. Ich weiß, dass die Curva Nord einen oder zwei Charterflüge organisiert und sich mit ungefähr 300-400 Leuten in Belgrad präsentieren wird. Ich fliege mit ihnen. Vielleicht gibt es dort auch eine Mega-Überraschung! Ich arbeite aber noch daran. Ich weiß nicht, ob das klappt, aber hier in dieses Lokal, die "Bar della Crocetta"3, kommt häufig Paolo Rossi, ein berühmter italienischer Komiker. Paolo Rossi ist ein sehr guter Freund von mir. Und als mein Freund hat er sich auch mit den anderen Jungs der "Viking" angefreundet. Er hatte schon immer gesagt: "Ich will mal mit euch auf Auswärtsfahrt gehen" und ich will ihn mit der Curva Nord nach Belgrad mitbringen. Und das wäre eine wunderschöne Sache, denn er will wirklich sehr gern mit uns mitkommen. Das wäre faszinierend, denn im gewalttätigsten Stadion Europas würde die Curva Nord sich mit einem sechzigjährigen Komiker am Geländer präsentieren.

Das wäre eine großartige Geschichte! Und das wäre auch eine Möglichkeit, endlich ein paar der Etiketten loszuwerden, die uns Journalisten bis heute anheften… dass wir alle Nazis und Faschisten wären. Wir wissen ja alle, dass Paolo Rossi ein linker Komiker ist. Wir sind nicht links, aber wir sind in den letzten Jahren zu einer apolitischen Kurve geworden, wie du weißt. Aber weil Journalisten, die über Kurven schreiben, absolut keine Ahnung vom Thema haben, kopieren sie seit dreißig Jahren denselben Artikel, so ist das für sie einfacher. Wie üblich haben die wieder mal einen Scheiß begriffen. Paolo Rossi kennt uns, weiß wer wir sind, er hat uns oft genug in die Augen geblickt und weiß, dass die Politik im Stadion mittlerweile nichts mehr zu suchen hat. Also würde er gern kommen und das wäre für mich persönlich eine wunderschöne Sache; auch aus journalistischem Blickwinkel. Oder nicht?

Woher kommt die Ignoranz der üblichen Journalisten oder die Redaktionsvorgabe, die sie befolgen?

Keine Ahnung. Schau, ich muss dir sagen, dass nicht einmal ich das weiß. Ich arbeite für diese sehr wichtige Zeitung und ich muss sagen, dass die jungen Autoren, die die jetzt in meinen Beruf einsteigen mehr oder weniger alle schon einmal in einer Kurve waren. Und deshalb kriminalisieren sie diese nicht mehr, weil sie sie kennen, weil sie die Regeln einer Kurve gelebt haben, weil sie wissen, dass sich das "Böse" der Gesellschaft oder eines Stadions nicht dort findet. Ganz im Gegenteil: der schönste Teil! Leider gibt es aber noch diese alten, Jahrzehnte hinterher hängenden Journalisten, die noch niemals einen Fuß in ein Stadion gesetzt haben, besonders in keine Kurve. Das ist eine Sache, die ich immer sage. Und die erlauben sich, peinliche Unwahrheiten über diese Jungs zu schreiben. Ich verstehe wirklich nicht, warum sie das tun. Ich begreife zum Beispiel nicht, warum Sportzeitungen diese ganze Scheiße genau auf die werfen müssen, die dann ja ihre Leser sind. Denn ich glaube, dass ihre Leser schlussendlich größtenteils vor allem in den Kurven zu finden sind. Und bestimmt nicht in den Lesesälen des intellektuellen Mailänder Bürgertums, die den Fußball und den Sport allgemein höchst widerlich finden. Und die Chefredakteure der Zeitungen müssen wissen, dass in Stadionkurven keine dummen Leute stehen. Da gibt es jede Menge Jungs und Mädchen mit Universitätsabschluss, Studenten, da sind nicht die, die sie dort erwarten würden. Da finden sie keine Hirnamputierten, sondern Menschen mit einem Kopf zum denken.

Wie ist die Idee für dieses Buch geboren wurden?

Also die Idee für dieses Buch ist mir in Barcellona gekommen, beim Champions League Halbfinale. Dort habe ich Nino wiedergetroffen, den ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Und ich sagte ihm: "Das wäre doch schön, mal ein Buch über dich zu schreiben." Und er hat natürlich zugesagt. Auch wenn ich seine Geschichte in einen Roman verwandelt habe; das heißt nicht alles, was sich darin findet, hat sich wirklich so zugetragen. Ich wollte aber seine Geschichte erzählen, denn Nino ist seit meiner Kindheit einer meiner engsten Freunde. Ich war einer der Jungs, mit denen er die "Viking" gegründet hat. Für mich ist seine eine Geschichte, die es verdient, erzählt zu werden. Weil sie auf eine neue Art, als Roman, das Leben einer Kurve erzählt.

War es leicht, einen Verlag für ein solches Buch zu finden? Denn ich weiß, dass solche Ultrà-Bücher normalerweise eher "underground" vertrieben werden.

Mit diesem Verlag war alles ganz einfach, weil Stefano Olivari von "Indiscreto" an dem Tag selbst in Barcellona war. Auch er ist jemand, der den Fußball verfolgt. Er ist kein Ultrà, aber ein junger und äußerst gut informierter Journalist und ihm hat die Idee sofort gefallen. Er hat den Protagonisten kennengelernt und dann gab es überhaupt kein Problem mit der Umsetzung des Buchs.

Wie hat sich das Buch verkauft? Seid ihr zufrieden?

Der Verkauf ist super gelaufen, wir sind bei der vierten Auflage und ich glaube, hier in Mailand war es eines der am meisten verkauften Bücher. Es war das bestverkaufte Buch im "Hoepli", dem historischen Buchladen der Mailänder, dem größten Italiens. In den Jahresstatistiken online auf ihrer Internetseite waren wir das meistverkaufte Buch und das bereitet mir natürlich viel Freude, denn viele haben diese Geschichte gelesen. Vor allem ist das Buch nicht nur in die Hände von Ultràs gelangt, sondern auch zu "normalen" Menschen, die verstanden haben, dass im Stadion auch wichtige Werte gelebt und vermittelt werden.

Einige Rezensionen haben das Buch als "Generationenbuch" beschrieben. Und in der Tat liest man über mindestens zwei Jahrzehnte Mailänder Realität. Aber wie kann die Geschichte eines Jungen "exemplarisch" sein, die im Stadtteil Quarto Oggiaro beginnt, um dann Freund von Fußballstars, Tennisspielern, Jockeys, TV-Sternchen und Basketballern zu werden?

Nun, über die Mailänder Jugendkulturen müsste man eine eigene Enzyklopädie schreiben. Nino hat niemals selbst gedealt, sein Name wurde immer mit Drogenhandel in Verbindung gebracht, aber er wurde niemals wegen dieser Art Gesetzesverstöße verurteilt. Vielleicht hat er in seinem Nachtleben anderes angestellt. Sicherlich bewegte er sich in seinem Leben immer auf einem schmalen Grat. Aber er hat zum Beispiel niemals Heroin verkauft, weil er er diese Droge mit Tod assoziiert, eine Droge, die Menschen umbringt. Diese Seite Ninos kenne ich aber auch nicht sehr gut, hier sind auch von anderen aufgegriffene Geschichten eingeflossen.

Aber in jedem Fall gibt es schon immer Kontakte zwischen Fußballern und anderen Protagonisten des Mailänder Nachtlebens, wie zum Beispiel Ultràs oder auch Rausschmeißern. Denn wie selbst du bestens weißt, gehören Fußballer zu den Hauptdarstellern des Nachtlebens. Nicht alle. Aber viele. Und das ist eine der hässlichsten Seiten des heutigen Fußballs. Ich sage nicht, dass sie wie Priester leben sollen, aber sie müssen auch nicht jede Nacht als letzte Gäste das Lokal verlassen nachdem sie in der Zwischenzeit zwanzig Halbe getrunken haben. Das hat doch gar keinen Sinn, so zu leben. Vor allem, weil sie hervorragend für ihre Arbeit bezahlt werden und ihre Karriere kurz ist; nach ihrem dreißigsten Geburtstag können sie ja immer noch tun, was sie wollen. Aber wenigstens vorher sollten sie sich ein bisschen zusammenreißen können. An diesem Zustand haben Spieler großen Anteil, die aus Südamerika hierher gewechselt sind und den ganzen Rest ein bisschen mit in den Dreck gezogen haben. Es sind ja auch Bücher von denen selbst herausgekommen, das letzte von Matìas Almeyda, also über einen Fußballer, der immer am Limit gelebt hat. Und natürlich kennen sie, wenn sie selbst am Limit leben, auch diese Art von Persönlichkeiten, weil sie dieselben Lokale besuchen zu denselben Zeiten besuchen.

Wie wird Nino in der heutigen Kurve gesehen?

Nino ist immer noch einer, der regelmäßig an den Kurventreffen teilnimmt. Nino kennen alle, er ist ein bisschen so etwas wie eine Ikone dieses Stadions. Auch wenn man heute vielleicht nicht immer so genau weiß, wo er gerade steckt.

Wusstest du, dass es auch in Deutschland seit zehn oder fünfzehn Jahres eine Ultràbewegung gibt mit bunten Kurven? Normalerweise, wenn ich mit italienischen Ultràs meiner Generation nach Deutschland reise, haben die immer immer eine Träne im Auge.

Ich weiß, dass es in Deutschland hervorragende Gruppen gibt, sehr schöne, sehr gut organisierte. Im Gegenteil, für mich sind es heute vielleicht wir Italiener, die wir mit Neid nach Deutschland schauen. Weil die Ultràbewegung dort etwas später als in Italien geboren wurde und vielleicht genau deshalb leben sie im Moment noch die Geburtsjahre der Bewegung. Du weißt schon, wenn eine neue Sache beginnt, ist das immer der schönste Moment. Ich weiß, dass es auch dort repressive Gesetze gibt und vielleicht werden sie auch bald zum Problem. Sie beginnen vielleicht, für irgendjemanden ein Problem darzustellen und schon bald werden sie, wenn das nicht jetzt schon der Fall ist, sich vor diesen freiheitsfeindlichen und restriktiven Maßnahmen konfrontiert werden, die im Moment die italienischen Kurven töten. Auch wenn viele Jungs und Mädchen versuchen, irgendwie weiterzumachen. Aber es ist sehr schwierig, denn die Situation in Italien gleicht einem faschistischen Staat, sogar schlimmer. Hier passieren absurde Sachen.

Was können deutsche Ultràs in diesem Buch finden? Oder ist es zu spezifisch? Erzählt "Der Rowdy" eine rein italienische oder Mailänder Geschichte oder können sie sich auch selbst in diesem Roman wiederfinden?

Das Buch erzählt in der Tat eine typisch Mailänder Geschichte. Aber Mailand ist eine Stadt auf diesem Planeten. Ich glaube, dass was in Mailand passiert, auch in München oder Berlin zu beobachten ist. Am Ende reden wir immer über Realitäten Jugendlicher in Metropolen und ich glaube, dass auch ein Deutscher sich sehr gut darin wiedererkennen kann, wenn er dieses Buch liest. Egal, ob er aus München, Berlin oder Dresden kommt, am Ende machen Jugendliche doch immer dieselben Erfahrungen.

Ich danke dir, dass wir direkt vor dem Derby noch Zeit für dieses Interview gefunden haben.

Fotos vom Derbytag

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Italienischer Fußballer erhält Stadionverbot für ein T-Shirt

von altravita · Montag, 19. November 2012 · 6 Kommentare · 5 Trackbacks/Pingbacks

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Pietro Arcidiacono

Pietro Arcidiacono

Der letztinstanzliche Prozess gegen Antonio Speziale ist zwischenzeitlich mit einer Bestätigung der Haftstrafe von 8 Jahren geendet. Der junge Mann war angeklagt, beim 2007er sizilianischen Derby Catania-Palermo für den Tod des Polizisten Filippo Raciti verantwortlich zu sein und ist nun zurück in Haft. Er wurde direkt nach der Urteilsverkündung (nichts neues unter der Sonne) in das Gefängnis Brucoli verbracht. Wir hatten ja in der Doku auf ZDF info mit ihm, seiner Gruppe und seinem Anwalt gesprochen und unsere und deren Zweifel an dem Zustandekommen geäußert. Italien wäre aber nicht Italien, wenn man nicht immer noch eins draufsetzen könnte. Zu den vielen Menschen, die einen gewissen Grundzweifel an der Praxis der italienischen Rechtssprechung allgemein hegen, insbesondere aber an der Schuld Antonio Speziales, gehört Pietro Arcidiacono. Arcidiacono ist Stürmer des Serie D-Clubs Nuova Cosenza und stammt aus Catania, er ist im selben Stadtteil wie Speziale aufgewachsen.

Sein Team, spielt am Wochenende in Lamezia Terme gegen Sambiase. Nach seinem dritten Treffer lässt er sich von der Bank – von seinem Bruder Salvatore – ein weißes T-Shirt reichen und hält es in die Kameras. "RAI Sport" hatte das Spiel übertragen. Darauf steht "Speziale innocente" – "Speziale unschuldig". Nun sollte man meinen, seine persönliche Meinung über Schuld oder Unschuld eines Menschen wäre in europäischen Demokratien vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Nicht so in einem Land wie Italien, wo man Stadionverbot schon erhält, wenn man den Wortlaut des Artikels 21 der italienischen Verfassung auf ein Bettlaken sprüht und mit ins Stadion nimmt. Artikel 21 der Verfassung garantiert eben das Recht auf freie Meinungsäußerung. In Fußballstadien ist diese aber scheinbar außer Kraft gesetzt; das Ironieverständnis ja sowieso.

Und weil Vertreter der Polizeigewerkschaften nicht nur in Deutschland zu populistischen Schnellschüssen neigen, beeilt sich auch Giuseppe Brugnano, Sekretär für Kalabrien der Polizeigewerkschaft COISP, zu erklären: "Wir legen dem Verein mit Nachdruck ans Herz, den Spieler aus dem Register zu streichen. Und wir fordern ein sofortiges Eingreifen der Federcalcio, die eine härteste Sanktion aussprechen muss." Selbstverständlich. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder so einfach Zweifel an einer Urteilsbegründung äußern dürfte. Sinnlos an dieser Stelle die Beteuerungen des Spielers, die Schrift wäre nur eine "Geste der Solidarität" gewesen für einen Jungen, den er kannte, der im selben Stadtteil Catanias aufgewachsen ist. "Ich wiederhole, das richtete sich absolut nicht gegen die Ordnungskräfte." Völlig egal auch, dass Antonio Speziales Verteidiger Giuseppe Lipera ihm beispringt: "Es erleichtert mich, dass ich nicht der einzige Idiot in Italien bin, der an die Unschuld dieses Jungen glaubt."

Sein Verein lässt jedenfalls bereits kurz nach dem Spiel erklären, dass man keine Kenntnis von der geplanten Geste hatte, dass man sich distanziert und dass der Spieler mit sofortiger Wirkung aus der Mannschaft ausgeschlossen wurde. Aber das darf natürlich nicht reichen, nachher darf Pietro Arcidiacono noch woanders Fußball spielen. Trotz seines T-Shirts "Speziale innocente". Das muss mit allen Mitteln verhindert werden! Und deshalb beschließt der Polizeichef von Catanzaro, Guido Marino, heute, dem Spieler ein dreijähriges Stadionverbot auszusprechen:

(ANSA) – CATANZARO, 19 NOV – Il Questore di Catanzaro Guido Marino ha emesso un Daspo che impone tre anni lontano dagli stadi per l’attaccante del Cosenza calcio (serie D) Pietro Arcidiacono, 24 anni, di Catania, che sabato, per festeggiare un gol, ha esibito una maglia con la scritta ”Speziale innocente” per solidarieta’ con l’ultras del Catania condannato in via definitiva per omicidio preterintenzionale per la morte dell’ispettore capo di polizia Filippo Raciti in occasione del derby col Palermo.

Übersetzen brauche ich das nicht, in der Begründung steht auch nichts erhellenderes. Das Stadionverbot wird damit begründet, dass der24-jährige Arcidiani ein Shirt mit "Speziale Innocente" gezeigt hatte. Ich tue es Fananwalt Lorenzo Contucci nach, der auf seinem Facebook-Profil erklärte, dass auch er Speziale für unschuldig hält und den Polizeichef von Rom auffordert, auch ihn selbst mit einem Stadionverbot zu bestrafen. Und viele tun es ihm im Moment gleich.

Ich heiße Kai Tippmann und ich denke,

SPEZIALE IST UNSCHULDIG! Jetzt Stadionverbot für uns alle!
SPEZIALE INNOCENTE! Ora daspateci tutti!

Nachtrag 21.11.2012: Pietro Arcidiacono wurde heute vom Verband bis Ende Juli 2013 vom Fußballbetrieb gesperrt. Wie viele andere frage ich mich, was passiert wäre, wenn er “Spaccarotella innocente” auf sein Shirt geschrieben hätte.

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Italien-Doku

von altravita · Sonntag, 18. November 2012 · 23 Kommentare · 4 Trackbacks/Pingbacks

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Eine Fußball-Nation voller Widersprüche: Obwohl Italien als eines der Fußball verrücktesten Länder der Welt gilt, sind die Stadien leer und auch noch marode. Drei Fußball begeisterte deutsche Fans begeben sich auf eine Reise durch die Fankurven Italiens, “dem schönsten Teil des Spektakels Fußball.” Ihr Lohn: einen bleibenden Eindruck von den sprichwörtlichen “Italienischen Verhältnissen”.

Viel Spaß!

Auf Feedback freut man sich auch bei: zuschauerredaktion [Kringel] zdf [Punkt] de .

Playlist

Die Playlist der Musiktitel aus der Doku

Rezensionen & Feedback:

[...]entstanden ist ein herausragender Film über italienische Fankultur damals und heute voller eindrucksvoller Szenen, manchmal bewegend, manchmal traurig und manchmal ziemlich absurd. Man darf ZDF Info wirklich dankbar dafür sein, dass im deutschen Fernsehen auch derart über Fußball und Fans berichtet werden kann, dass man Hintergründe erläutert, Kontakte zu den betreffenden Personen sucht und auf Augenhöhe mit ihnen spricht.
Quelle: Schwatzgelb: “Fußball im Herbst”

 

Der Vater des unabsichtlich getöteten und wohlgemerkt friedlichen Fans spricht Worte, die eine Versöhnung zwischen „Tifosi“ und Staat möglich machen sollten, aber vermutlich zu wenig Gehör finden. Stattdessen droht in Italien eine Fortsetzung der reinen Repression. . „Man kann natürlich die Autobahn sperren, um die Verkehrsopfer zu reduzieren“, sagt der Italien-Kenner und Übersetzer Kai Tippmann in dem Film. „Genauso kann man natürlich auch die Kurven leeren. Es bleibt dann aber völlig unbeantwortet, was die Jungs dann machen.“
Quelle: FAZ.net: “Traurige Reise durch die Kurven Italiens”

 

Sagt Mamas Geburtstag ab, gebt eurern Liebsten einen Korb, am Montag gibt es einen Pflichttermin in der Glotze: ZDF info zeigt »Verrückt nach Fußball – eine Reise durch die Fankurven Italiens« von Marc Quambusch. Wir zeigen vorab in der Bildergalerie schon einmal ein paar Eindrücke aus dem Land von Riva, Baggio und del Piero…
Quelle: 11 Freunde: “Fratelli d’Italia”

 

Einerseits zeichnet der Film ein gutes Portrait des Fußballs in Italien, der sich in einem offensichtlichen und allumfassenden Niedergang befindet. Im Zentrum steht die Fankultur Italiens, die einst ganz Europa inspiriert hat. Die Fälle zweier Toter aus dem Jahr 2007 werden genauer betrachtet und am Ende erhält die Filmcrew sogar Einlass in das Allerheiligste der Ultras von Inter Mailand. Der Film schafft es zu zeigen, dass Ultras keine prügelnden Idioten sind und was dem Fußball verloren geht, wenn seine Fußballkultur stirbt.
Quelle: 5 Freunde im Abseits: Tv-Tipp: “Verrückt nach Fußball – Eine Reise durch die Fankurven Italiens”

 

Die Dokumentation „Verrückt nach Fußball – Eine Reise durch die Fankurve Italiens” von Jan Krapf, Jan-Henrik Gruszecki, Kai Tippmann und Marc Quambusch kann man an dieser Stelle nicht häufig genug loben. Sie bietet einen intensiven Einblick in die Seele des Calcio und ist gleichzeitig auch ein Mahnmal, wie es ist, wenn die Leute aufgrund von staatlichen Restriktionen vom Fußball ausgeschlossen werden. Bei mir wurden durch das Anschauen der Reportage viele Erinnerungen geweckt, da ich von 2009 bis 2010 selbst das Vergnügen hatte im Rahmen des Erasmus-Programms in Bologna zu leben, also mitten im Herzen Italiens. Für mich ist das Land während dieser Zeit zu einer zweiten Heimat geworden und bei meiner Ankunft konnte ich es kaum erwarten in den italienischen Fußball einzutauchen.
Quelle: Schwatzgelb: Gedanken zu “Verrückt nach Fußball – Eine Reise durch die Fankurve Italiens” oder von denen, die wollen, aber nicht können

 

Ein gelungener Blick nach Italien, der von Orten und Menschen berichtet, die sonst nicht im medialen Blickpunkt sind. Hier kommen die Kontakte Tippmanns zur Geltung und machen die Doku herausragend.
Quelle: Fußball, Soccer, Calcio & Co.: Verrückt nach Fußball: Eine Reise durch die Fankurven Italiens

 

An dem Punkt hat Francesco Prosperi, Fan-Vertreter aus Ancona, auch einen interessanten Standpunkt in Ihrem Film. Er sagt, dass man nicht eine ganze Jugend- oder Subkultur staatlich kriminalisieren dürfte, dass aber diejenigen, die tatsächlich über die Stränge schlagen, durchaus mit Repression rechnen sollten. In Deutschland scheint genau diese sachliche Meinung zu fehlen. Beide Seiten fühlen sich als Opfer, die Täter sind immer die anderen. Ist das gefährliche Sturheit?
Quelle: Yahoo Sport: “Italiens Fußball hat keine Zukunft mehr”

 

Sicher konnte Kai mit seiner Erfahrung und Infos die Aussage der Doku gut steuern, was auch sein gutes Recht ist. Am Ende hat der normale Zuseher das Gefühl in Italien tud sich nichts mehr in den Kurven. Diese Aussage ist sicher fast richtig, Ich persönlich finde man hätte die Doku auch anders auslegen können mit ein paar positiven Aspekten. Was dem normalen Betrachter sicher 100% egal ist, sorgte bei manchen doch für Verwunderung.
Quelle: Unterwegs Fanzine: “Verrückt nach Fußball: Eine Reise durch die Fankurven Italiens”

 

Während unserer Dreharbeiten war es in den Stadien relativ langweilig. Das Beste war noch Inter Mailand gegen den AC Florenz, aber das war nun auch weit davon weg, ein Highlight zu sein. Hier wurden aber ein paar Fans von Florenz aus dem Stadion geführt, die keine „Tessera del Tifoso“ hatten. Ohne kommt man nicht in den Gästeblock, aber wenn man außerhalb des Gästeblocks sitzt, bekommt man auch Ärger. Die Fans von Florenz wurden dann in der 30. Minuten aus dem Stadion geführt und zur Polizeiwache gebracht. Weil Sie ein Fußballspiel sehen wollten. Das ist doch absurd.
Quelle: WAZ: “Mit zwei Groundhoppern auf Reise durch Italiens Fankurven”

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