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Milan gegen Braga, Tor von Ronaldinho

Meine Güte, was hat der Blätterwald geraschelt, als Ronaldinho im Sommer seinen Umzug aus der katalanischen Hauptstadt ankündigte, um seine Zelte unter der Madunina aufzuschlagen. „Ausgelutschter Ex-Star„, „Marketingaktion„, „Neuer Spieler in der Altherrenmannschaft„, „el Gordinho“ etc. pp. Bis gestern Abend standen 4 Treffer in Carlettos Notizblock: im Derby gegen die Intertristi, Doppelpack gegen die Sampdoria und offiziell zählt auch das Eigentor von Denis gegen Napoli als sein Treffer. Und nun sowas: Das Spiel schleppte sich über 93 Minuten träge dahin, leeres Stadion, träge und uninspirierte Reservespieler, ebenso laufstarke wie schußschwache Gäste und typischer Mailänder Novembernebel. Leicht fröstelnd zog sich der Hardcore-Fan den Schal zurecht und erwartet den Schlußpfiff unter einer ereignisarmen Partie. Dann das:

Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Meinetwegen soll er doch Standfußball spielen, meinetwegen kann er einen Bierbauch haben und bis morgens um 5 durch die Diskotheken ziehen – solange er in der 93. Minute den Werkzeugkasten auspackt und aus dem Stand mal eben sowas abfeuert, wenn es denn gar nicht anders geht. Der Mann kann allein Spiele entscheiden und in Barcelona sollen sie meinetwegen auf der Rambla Feste feiern, einen solchen Spieler für nen Appel und nen Ei vom Hof gejagt zu haben.

Das Milan Lab ist ja bekannt und berüchtigt als Reha-Klinik für alternde Spieler, Mailands kleiner Familienverein um Sonnengott Berlusconi geriert sich gern als Altersheim für verdiente Stars, die sich dann selbst aussuchen können, wie lange sie bleiben möchten. Gern auch mal bis ins 40. Lebensjahr wie Costacurta oder Maldini. Weggejagt oder mit Liebesentzug straft San Siro nur Jungstars mit Psychoproblemen wie Gourcuff oder „der Podolski aus Florenz“: Alberto Gilardino. Ansonsten ist Milan ein Auffangbecken für von Heimweh befallene brasilianische Dribbelkünstler, die sich nicht nur der Liebe der Curva Sud sicher sein können sondern sich auch im Mannschaftsbus fühlen können, wie bei einem Auswärtsspiel der eigenen Nationalmannschaft. Das alles wird dazu beigetragen haben, das „il Dentone“ nach dem fortwährenden Schmollen des kapriziösen Publikums im Camp Nou unbedingt nach Mailand, rotschwarzes Ufer, wechseln wollte und dafür teils doppelt so hohe Angebote ausschlug. Nach 2 Jahren fußballerischem Stillstand bot das natürlich Anlaß zu allerlei Frotzeleien seitens der cugini, die ja bekanntlich mit Quaresma und Mourinho die Transfers des Jahrhunderts getätigt hatten. Die Antwort hat er spätestens gestern Abend gegeben – mit einem Blitz aus heiterem Himmel.

Zur Abwechslung muss ich Ancelotti mal recht geben: Wenn es das ist, was er außer Form und ohne zu rennen leisten kann, dann darf man sich darauf freuen, was er zeigt, wenn er denn wiederhergestellt ist. Forza Gaucho, facci sognare!