Inter-Choreo Teil 1

Inter Mailand baut eigenes Stadion

Inter Mailand baut eigenes Stadion: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 1 abgegebenen Stimmen.
Loading...

Inter Mailand, seit 1899 die zweite Mannschaft Mailands und sowieso nur Gast im San Siro, treibt Pläne zum Bau eines eigenen Stadions voran. Nachdem Massimo Moratti mit Millionenbeträgen seine Söldnertruppe aufgepeppt und mit dem sympathischsten Trainer der Welt versehen hat, macht er jetzt wohl Nägel mit Köpfen und wird wohl noch dieses Jahr offiziell seinen Plan kundtun, vom historischen San Siro in eine neue Kommerzarena umzuziehen. Angedacht ist eine Multifunktions-Spielstätte mit ca. 60.000 Plätzen nach dem Vorbild der Münchner Allianz-Arena oder der Amsterdam Arena, beides Stadien der 5-Sterne-Kategorie nach UEFA-Klassifikation. Die Planungsphase ist soweit abgeschlossen, in den nächsten 2 Monaten (Anfang Dezember) wird die offizielle Vorstellung des Projekts und die Freigabe der Finanzierung erwartet, dessen Realisierung für die Saison 2012/13 erfolgen wird. Bauort ist noch ein streng gehütetes Geheimnis, wenig überraschend wäre allerdings ein Stadionneubau in der Gegend von Rho-Pero, mit Autobahnanschluß und U-Bahn-Anschluss („linea rossa„). Hier gab es bereits fortgeschrittene Pläne für ein Olympiastadion im Zuge von Mailands Bewerbung um die olympischen Spiele von 2000. Der Zuschlag für die Ausrichtung der Expo 2015 in der Mailänder Hauptstadt wird sicherlich positive Auswirkungen auf einen eventuellen Stadionneubau haben. Moratti hat sich insbesondere in das Modell Allianz-Arena verguckt, mit Restaurants verschiedener Preislage, Shopping-Bereich, exzessiven VIP-Lounges, Kinderbetreuung und allen anderen „Annehmlichkeiten“, die Fußballfans am modernen Fußball so widerwärtig finden. Auch getrennte Eingangsbereiche für Firmengäste, VIP-Lounges und ein Hintereingang für das normale Fußvolk dürfen in diesem Modell natürlich nicht fehlen. Ich werde die neue Spielstätte ja maximal für ein Auswärtsspiel im Jahr besuchen, insofern habe ich keine starke Meinung dazu, wie Dagobert Moratti seine Petrodollars in die italienische Wirtschaft schleust und welche Auswirkungen das auf das Bilanzdefizit der Nerazurri haben könnte. Natürlich ist der generelle Zustand der Stadien der italienischen Serie A weitgehend unterirdisch und meinetwegen dürfen sich die Interisti in Zukunft sponsorenbedröhnt in einer geleckten Luxushalle nach englischem Vorbild tummeln. Vielleicht finde ich es sogar gut, wenn dieser Verein ohne Geschichte zukünftig auch noch in einem Stadion ohne Geschichte residiert – glitzerndes Plastikstadion für eine glitzernde Plastikmannschaft. Alles in allem nehme ich diese Meldung aber als deutlichen Hinweis darauf, dass der „calcio moderno“ mit seinen unangenehmen Begleiterscheinungen auch in Italien auf dem Vormarsch ist: gemacht für ein Event-Publikum, das Fußball nur noch als Rahmenprogramm zum Schnittchen essen und Verträge abschließen begreift, mit deutlicher Klassifizierung in ökonomisch wertvolle Besucher und Füllmaterial. Für mich bedeutet Stadion Bratwurst essen, Bengalos, Bier aus Plastikbechern, Stehplätze und Begeisterung für ein Fußballspiel. Einstweilen halte ich das Mailänder San Siro für einen der gelungendsten Kompromisse zwischen kommerzieller Vermarktung und genügend Freiraum für tatsächliche Tifosi – selbst wenn oder gerade weil es einen etwas angestaubten Charme versprüht und auch nicht immer so sauber ist, dass man von den Sitzen Essen könnte. Auf den Sitzen soll man ja auch stehen, sitzen is fürn Arsch! Glückwunsch also an die „cugini“ – mit einem 5-Sterne-Stadion könnt ihr euch vielleicht ja doch mal ein Champions-League-Endspiel anschauen. PS: Hier schonmal das neue Stadion der Juve: