Herbstpaziergang am Lago Maggiore

Herbstpaziergang am Lago Maggiore

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Nach satten 4 Tagen Dauerregens – November ist Regenzeit hier in den Südalpen – wagte sich dann doch die Sonne kurz vor und ließ durchblicken, dass der Spätherbst hier an „meinem“ See ganz fantastisch sein kann. Man muss einfach die Augen offenhalten. Die Berge oberhalb von Gravellona sind seit Tagen mit Schnee bedeckt, der sich gegen den azurblauen Himmel abhebt und gegen die bunten Kastanienwälder. Ich mag den Herbst hier in meiner Wahlheimat, alles ist ein paar Schritte langsamer, stiller, und abgesehen von ein paar versprengten Touristen sind die Italiener unter sich. Vielleicht ist das ja auch das wahre Piemont, was sich in den ruhigeren Monaten zeigt. Sicherlich halten sich die möglichen Freizeitbeschäftigungen in Grenzen, der Personenfährverkehr zu den Inseln ist eingestellt, die Gärten der Villa Taranto und ähnliche Höhepunkte dieser Gegend, Lago Maggiore, sind geschlossen, selbst am Marktplatz findet man noch Parkplätze, Tanzen…reden wir nicht drüber, das Wetter ist, um es nett auszudrücken, schwer vorhersehbar und Einheimische nimmt man bestenfalls als in schwarze Daunenschlafsäcke vermummte, vorbeihastende Gestalten war. Aber schön ist es doch: endlich unter sich kann man wieder rotweinselige Abende lang über die zweitwichtigste Sache der Welt diskutieren und dabei der wichtigsten hinterherschauen, man ist dankbar für jeden Sonnenstrahl, irgendein Verein lädt einen immer zu den obligatorischen Weihnachtsessen ein (ja jetzt schon, der Dezember ist der Familie vorbehalten), die Stadt ist geschmückt und die Vorbereitung auf das religiöse Fest findet auch hierzulande in den Supermärkten statt. Dafür packen einheimische Ristoranti einheimische Spezialitäten der Bergvölker auf die Speisekarten, die von Pilzen, Wild- und Polentagerichten nur so wimmelt – abgesehen von saisonalen Gründen geht man während der Saison doch lieber auf Nummer sicher mit Pizza und Spaghettigerichten, die eigentlich überhaupt keine regionale Verankerung irgendwo haben. Ernsthaft, für den echten Liebhaber der piemontesischen Küche – sowohl in seiner verfeinerten Form mit weißen Trüffeln und Barolo als auch in seiner ärmeren, rustikaleren Alpenvariante rund um Polenta, Pilze, Reh und Kastanien – ist der November Monat der Wahl. Jedenfalls hab ich meinen Zwerg geschnappt und mit dem Versprechen auf ein Eis zu ein paar Schritten auf der Uferpromenade von Pallanza überreden können. Manchmal vergesse ich ja auch, warum ich seinerzeit hierher ausgewandert bin, Alpenkulisse und See werden einfach Alltag, aber ein paar Schritte am See reichen normalerweise, mich wieder daran zu erinnern, dass dies einfach einer der schönsten Flecken der Erde ist. Auch wenn ich zugebe, dass ein paar mit dem Handy geschossene Bilder herzlich wenig davon vermitteln können: