Angeli e Gradinate

Angeli e Gradinate – Das Buch für die gute Tat

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Die hundertjährige Geschichte von US Triestina Calcio ist italientypisch verworren und von zahlreichen Brüchen geprägt. Nach gleich zwei Pleiten in den letzten 10 Jahren, 2012 und 2016, geprägt von zahlreichen Besitzerwechseln wurde der Club 2016 für die Serie D zugelassen. Die aktuelle Saison spielt die traditionsreiche Unione Sportiva Triestina Calcio 1918 nach 5 Jahren im Amateurfußball wieder in einer Profiliga, der Serie C. Am Fanlager ist das vergangene Jahrzehnt nicht spurlos vorübergegangen. In den Jahren abseits des großen Fußballgeschehens hat sich die Kurve der „Alabardati“ neu organisiert und ausgerichtet, kommuniziert mit der Außenwelt modern und transparent und versucht aktiv, den Ultragedanken an die neue Generation weiterzugeben. Der Verzicht auf jegliche politische Symbolik, die Gestaltung von Büchern und DVDs sowie eine Öffnung gegenüber den anderen Fans und dem Verein gehören zum neuen Kurs, der die „Triestina“ in den Mittelpunkt stellt.

Eine der zahlreichen Initiativen der Ultras der Triestina heißt „Wir für die Geriatrie“, „Noi per la Geriatria“, von dieser handelt das vorliegende Buch. Es ist den Patienten der Geriatrie des „Ospedale Maggiore“ Triest gewidmet. Diesen ist auch das hier vorgestellte „Engel und Tribünen“ („Angeli e Gradinate“) gewidmet.

Wir haben uns entschlossen, das alles zu teilen, damit etwas bleibt und damit es in der Geschichte dieser Stadt wurzelt. Die stillen Helden, die Engel ohne Flügel, all diese außergewöhnlichen Menschen, die auf dem Bürgersteig an uns vorbeigehen, mit uns in der Post Schlange stehen, in unsere täglichen Gewohnheiten verflochten sind, alle, gemeinsam, Triestini.

Auf 68 großzügig gestalteten Seiten werden die Aktionen der Ultras der Triestina für die Altenpflege dokumentiert. Die poetischen Texte werden die wenigsten von euch genießen können, aber zahlreiche Fotos dokumentieren das Geschehen mindestens ebenso aussagekräftig. Erzählt wird, wie in den letzten Jahren Kontakte zu Patienten und Personal geknüpft wurden, Weihnachtsfeiern organisiert und gemeinsam gestaltet, Spendengelder gesammelt, ins Stadion eingeladen oder ganz einfach Zeit miteinander verbracht wurde. Zeit, die den Alten oftmals wenige widmen können oder wollen.

Explizit wird darauf hingewiesen, dass das Ziel des Projekts nicht darin besteht, Ultras von irgendetwas „reinzuwaschen“ oder sich durch Benefizaktionen in ein günstigeres Licht zu rücken. Ziel ist es, die Ultras als Teil der Region, Teil der Geschichte und aktiven Gesellschaft einer Stadt, darzustellen und dem medialen Bild von sich selbst ausgrenzenden Gewalttätern entgegenzuwirken. Ansonsten geht es aber in allererster Linie darum, Gutes zu tun, Mitmenschen zu helfen.

Dieser Hinweis ist notwendig, damit das hier nicht als eine einfache „Imagekorrektur“ wahrgenommen wird, denn eine solche brauchen wir nicht, wir sind sowieso stolz auf das, was wir sind, im Guten wie im Bösen. Uns liegt die Kernaussage am Herzen und wir wollen nicht, dass sie künstlich „versüßt“ wird und so ihre wenigen aber ernsten Ambitionen verdreht.

Dabei stellen die vorgestellten Aktionen, Hilfen und Freundschaften zwischen den Menschen der „Curva Furlan“ und den Patienten der Geriatrie nur einen scheinbaren Widerspruch dar. Die Initiative wird ausdrücklich so verstanden, dass sich im Krankenhaus zwei Personengruppen Solidarität zeigen, die oft wenig beachtet am Rand der Gesellschaft, vor allem aber Abseits der Medien stehen. Gleichwohl sind beide aber Bestandteil einer gesellschaftlichen Realität, in dem Fall einer Triestiner Realität, die genauso zur Gesellschaftserzählung gehören wie alle anderen Aspekte von Stadt und Region.

Menschlichkeit die leidet, Ärzte und Ärztinnen, Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen, Ultras, Fans, Fußballspieler, Vereinsangehörige, das ist die vielgestaltige Fauna, die diese Seiten belebt, Zeugen und Protagonisten einer Realität, die allen gehört, in der sich jeder Einwohner wiederfinden kann.

Im folgenden findet ihr ein paar Schnappschüsse aus dem Buch, das ich mir selbst erworben habe. Alle Erlöse aus dem Buchprojekt fließen in die Aktionen der Noi per la Geriatria, insbesondere in die Anschaffung von Uhren mit im Dunkeln leuchtenden Ziffernblättern, die von den Patienten gewünscht wurden. Die Übergabe erfolgt vor Weihnachten dieses Jahres. Für 20 Euro inklusive Versand nach Deutschland und Österreich könnt ihr „Angeli e Gradinate“ bei curvafurlan [Kringel] yahoo [Punkt] it bestellen. Eine gute Sache wie ich meine und ich denke, auch in Triest freut man sich über jede Hilfe.