Milan Livorno 2008

AC Milan ./. AS Livorno 1:1

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Was soll man über ein Spiel schreiben, das wieder vom verletzungsbedingten Ausfall einer der Stützen des AC Milan überschattet wurde? Milan trat gestern zum dritten Nachholspiel an, nachdem 6 der 7 letzten Partien gewonnen wurden – darunter Siege bei den direkten Konkurrenten um Platz 4, Fiorentina und Udinese. Am Ende trennte man sich – und das ist das eigentlich besorgniserregende – völlig leistungsgerecht von einem AS Livorno, das im Rahmen seiner Möglichkeiten ein ordentliches Spiel ablieferte. Und letztlich muss man anerkennen, dass wir eben gestern einfach nicht das Glück hatten, das uns in den Spielen gegen Siena, Udinese und die Fiorentina so verlässlich begleitete. Milan Livorno 2008 Curva Sud vor dem Spiel Gegen die Amaranti entscheidet sich Trainer Ancelotti für eine entscheidende Verjüngung seines Teams und stellt Yoann Courcuff, 21 Jahre, hinter den Baby-Sturm aus Paloschi und Gilardino. Clarence Seedorf muß für drängendere Aufgaben geschont werden und angesichts des Ausfalls von Spielmacher Kakà ist Gourcuff die logische Alternative. Gemeinsam hat Milans Offensivabteilung also 64 Jahre – soviel zur Kritik an einer überalterten Mannschaft. Es sollte sich herausstellen, dass bei aller Spielfreude und physischen Frische natürlich auch ein Großteil an Erfahrung fehlt, um das taktisch hervorragend aufgestellte Abwehrbollwerk der Livornesi konstant unter Druck zu setzen, die sich mit einem robusten 3-5-2 im San Siro vorstellten. Aufgestellt, um aus einer massiven Deckung den Rossoneri mit überfallartigen Kontern den Zahn zu ziehen – viel anderes kann eine Mannschaft von der technischen Ausbaustufe eines AS Livorno auch nicht anbieten. Milan war gewarnt, unter dem neuen Trainer Camolese präsentiert sich Livorno seit Wochen wiedererstarkt und eben jener Camolese schickt beide Stürmer Tristan und Tavano ins abendliche und leicht frostige Giuseppe Meazza-Stadion. Ancelotti kann überraschend wieder auf Gattuso zurückgreifen und mischt die Karten in der Verteidigung neu: Oddo, Bonera, Kaladze und Favalli – kein Nesta, kein Maldini, kein Jankulovski. Vergessen wir die erste Halbzeit, Ungeachtet des lautstarken und ununterbrochenen Supports aus der treuen Curva Sud vor und während des gesamten Spiels entwickelt sich ein grottenschlechter Kick, der das Fehlen der genialen Ideen von Kakà und Seedorf überdeutlich ins Flutlicht rückt. Der gut aufgelegte Pirlo rackert zwar an allen Ecken und Enden, kann aber die Vorhersehbarkeit in Milans Angriffsspiel überhaupt nicht kaschieren. Vor allem, weil beide Außenverteidiger sich als Totalausfälle präsentieren und weder Oddo noch Favalli bei unzähligen Versuchen auch nur eine einzige Flanke im Strafraum an den Mann brachten. Im Falle von Odo steigert sich das zudem zum Fehlpassfestival. Und das tapfere Livorno hatte alle Zeit der Welt, sich in Ruhe auf das Spiel durch die Mitte einzustellen. Und so übersetzen sich satte 69 % Ballbesitz (!) eben in zwei Fernschüsse von Courcuff, die mehr Gefahr für die Fans in der Nordkurve darstellten als für den gegnerischen Torwart Amelia, und eine einzige echte Torchance durch einen Flugkopfball von Ambrosini, den Amelia zur Ecke klärt. Flugkopfball von Ambrosini, allein die absurde Idee hätte ein Tor verdient. Livorno versucht sich an schnellem Konterspiel und stellt sich dabei durchaus geschickt an. Zunächst erschreckt Tavano (in der 45. Minute ausgewechselt für Diamanti) die Heimfans mit einem Schuss knapp über die Latte. Aber dann kam es doch, wie es kommen musste und in der 4. Minute der zweiten Halbzeit markiert Pulzetti (an seinem 24. Geburtstag) nach einem fulminanten Drehschuss mit links ins linke obere Eck – unhaltbar für Kalac, sauvberes Tor – leider nur begleitet von einer Handvoll Livornesi unter dem Banner der „Amaranti Milano“. Ancelotti reagiert sofort und tauscht den kompletten Sturm aus – Ronaldo und Inzaghi für Paloschi und Gilardino. Ein verzweifelter Versuch, aber das Problem gestern abend war nicht der Sturm, sondern das Fehlen präziser Anspiele oder auch nur Flanken in den Strafraum. Zwei Minuten später passiert der Super-GAU: Vidigal spielt im Strafraum den Ball mit der Hand und Ronaldo verdreht sich beim Kopfballversuch das linke Knie, bricht mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen und wird sofort aus dem Stadion verbracht. Pirlo verwandelt zum 1:1, Serginho wird eingewechselt, aber das sollte alles auch nichts mehr ändern für die sichtlich demoralisierten Rossoneri. Eine letzte Torchance haben Inzaghi, dessen Versuch Amerlia mit einer Klasseparade vereitelt, und auf der anderen Seite erneut Pulzetti, der kurz vor Schluss die Riesensiegchance frei vor dem leeren Tor kläglich verstolpert. Milan bleibt bei 37. Punkten auf dem 5. Platz, einen Punkt hinter der Fiorentina. Das hatte man sich anders vorgestellt, aber am Resultat gibt es nichts zu deuteln. Glückwunsch, Livorno! Ronaldo wurde heute morgen nach Paris geflogen, wo er heute abend um 18.00 Uhr operiert werden soll. Es handelt sich um einen Riss der Sehne an der linken Kniescheibe links, wie Jean-Pierre Meerseman, Verantortlicher des MilanLab, noch am Abend nach einer Magnetresonanztomografie erklärte. Es war Ronaldos Wunsch, sich in Paris von Eric Rolland und dem Team um Professor Saillant operieren zu lassen, das auch sein rechtes Knie nach einer gleichgelagerten Verletzung vor 8 Jahren wiederherstellte. Es ist viel zu früh, irgendwelche Prognostiken abzugeben, aber bestenfalls kann der 31-jährige in 8-10 Monaten das Training wieder aufnehmen – zu spät, um Milan bei den anstehenden Aufgaben behilflich zu sein. Schlimmstenfalls steht auch sein Karriereende zur Disposition – ein trauriger Abgang eines der grössten Fußballer aller Zeiten. FORZA CAMPIONE! SIAMO CON TE! Video: Milan Livorno, die Highlights des Spiels Video: Milan Livorno, die Brigate Rossonere in der Südkurve vor dem Spiel