Orta San Giulio

Orta San Giulio

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Das malerische Dörfchen Orta San Giulio am Ortasee ist eine der absoluten Muss-Adressen, wenn ich Freunde oder Verwandschaft zu Besuch habe. Viele der Attraktionen hier am Lago Maggiore gebe ich mir seit Jahren nicht mehr bzw. habe ich – wie die Gärten der Villa Taranto – überhaupt noch nie besucht. Aber Orta finde ich romantisch, süß und unbedingt einen Spaziergang wert. Orta San Giulio ist ein gut 1000 Einwohner starkes Städtchen am gleichnamigen See und liegt zwischen dem Lago Maggiore und der Provinzhauptstadt Novara. Gelegen auf einer Landzunge, die in den Voralpensse hineinragt ist besonders die verkehrsbefreite Altstadt und die vorgelagerte Insel Isola San Giulio touristisch interessant – leider so interessant, dass das Örtchen in der Saison an Wochenenden und Feiertagen komplett überlaufen ist. Am besten, man nähert sich der Gegend unter der Woche oder in der Nebensaison, um sich die Romantik wenigstens ein bisschen zu bewahren. Das Auto stellt man einfach auf einem der zahlreichen Parkplätze am Ortseingang ab und dreht eine Runde zu Fuß durch die überschaubare Altstadt. Auffällig ist der Palazotto della Comunitá, das ehemalige Rathaus, das erhöht auf „Stelzen“ mitten auf der Piazza Motta steht und Deutschen bekannt sein sollte durch den Werbespot für Dr. Oetker Pizza Ciabatone („Oben Pizza, unten Ciabatta“). An der Ostseite des Platzes steigt die Gasse Salita della Motta an, an deren oberem Ende die Kirche Santa Maria Assunta thront. Direkt vor der Piazza Motta liegt der Fähranleger, von wo aus man per Linienfähre oder Taxiboot in die vorgelagerte Insel mit dem Kloster Mater Ecclesiae übersetzen kann. Am romantischsten ist die Uferpromenade natürlich abends, wenn die Insel von Scheinwerfern angestrahlt im See zu schweben scheint. Wunderschön sind die engen Gässchen mit ihren pittoresken Wandgemälden, verwinkelten Anbauten und ihrem leicht verwitterten Charme. Orta ist touristisch furchtbar überlaufen, so dass ich Essen gehen nur empfehlen würde, wenn ihr irgendwie Geld zuviel dabei habt; bei den Preisen ist Seeblick und Touristenzuschlag großzügig mit einkalkuliert. Ansonsten empfiehlt es sich immer, einige Kilometer ausserhalb einzukehren, die Altstadt ist nicht so groß, dass man ohne Etappenmahlzeiten nicht durchkommen würde. Gleiches gilt im übrigen auch für die zahlreichen Geschäfte mit grotesk überteuertem Touristennepp, den man teilweise für ein Drittel auch im Esselunga von Verbania einkaufen kann. Von albernen Grappaflaschen im Badezusatz-Design über Handtücher mit dem See drauf bis hin zu getrockneten Steinpilzen zu Trüffelpreisen gibt es dort alles, was kein normaler Mensch sich jemals ins Wohnzimmer stellen würde. Völlig Schmerzbefreite können auch in einer Art Kindereisenbahn über den Hauptplatz fahren und dabei blöd aussehen. Ausnehmen möchte ich die 3-4 hervorragenden Eisdielen, die schon im kalten Frühjahr ganz hervorragendes handgemachtes Eis („produzione propria„) anbieten – und das durchaus zu regulären Preisen. Eine Ausnahme – aber die Schönheit des Ortes und der Landschaft gibt es ja immerhin umsonst und die ist den Trip allemal wert! Für die Rückfahrt zum Lago Maggiore bietet sich die Strecke über den Mottarone mit seiner spektakulären Aussicht auf den Lago Maggiore an. Hierbei kommt man auch an der eindrucksvollen Villa Crespi vorbei, die ein Mailänder Kaufmann 1879 aus Begeisterung für Orientalisches im maurischen Stil errichten ließ.