AC Milan Sampdoria Genoa 3:0

AC Milan Sampdoria Genoa 3:0

AC Milan Sampdoria Genoa 3:0: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
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Ein wunderbar sonniger Sonntagnachmittag im San Siro, der amtierende Champions-League-Sieger AC Milan gewinnt 9:0, 4 Tore steuert Ronaldinho bei, 3 Tore Kakà und 2 Tore das 18-jährige Talent Paolo Maldini, auf der Tribüne sichern Weltpräsident Silvio Berlusconi und sein Vize Barrack Obama in hektischen Telefonaten den Weltfrieden und die Pendlerpauschale und Stadtrivale Inter verbleibt nach einer 4:0 Niederlage in Rom auf den Abstiegsplätzen – was kann man mehr erwarten an einem Herbstwochenende in Mailand?

OK, eigentlich war es nur ein 3:0, aber nach der in Sardinien unterbrochenen Siegesserie und dem undurchsichtigen Auftritt in Albanien hat der gestrige Heimsieg eventuell aufkommende Zweifel an der Kontinuität der Rossoneri überzeugend zerstreut. Ohne den gerade eben wiedergenesenen Nesta, den gesperrten Zambrotta, die verletzten Gattuso und Pirlo sowie dem von seiner Brasilienreise ausgepumpten Kakà traf Milan auf ein wütendes und hervorragend eingestelltes Sampdoria, begleitet von etwa 2000 zunächst lautstarken Fans. Die Rotschwarzen haben ja seit jeher Motivationsprobleme gegen defensiv dicht stehende Mannschaften, die ihr Heil im Konter versuchen und das Spiel begann denn auch genau wie erwartet: Milan langsam und wenig inspiriert, Sampdoria physisch stark, taktisch hervorragend eingestellt und gezielt auf Antonio Cassanos Phantasie hoffend. Und schon die ersten Aktionen verdeutlichen, dass „la Samp“ ihren erschreckenden Saisonstart vergessen machen und an die Leistung ihres 1:2 Siegs aus der Vorsaison anknüpfen will.

Samp, eingeigelt in einer tiefstehenden und anfangs starken Abwehr um Lucchini, mit einem reaktionsschnellen Mittelfeld um Sammarco, Padalino e Pieri, die immer wieder versuchen, numerische Überlegenheit im Mittelfeld herzustellen und ihren Superstar Cassano in Szene zu setzen, findet immer wieder präzise Vertikalpässe, die eine immer noch und wieder mal unkonzentrierte Mailänder Abwehr offenlegen. Schon nach 5 Minuten setzt Cassano den durchbrechenden Sammarco hervorragend in Szene, seinen Schrägschuß kann Abbiati nur mit Mühe wegfausten. Das wäre die Möglichkeit gewesen, Milans Unsicherheiten in echte Nervosität zu verwandeln – so bleibt es aber bei einer zwar wieder mal uninspirierten aber weitgehend folgenlosen ersten Halbzeit.

Wie auch sonst immer in dieser Saison präsentiert sich Milan in der zweiten Spielhälfte deutlich aufgeweckter, vor allem durch die Einwechslung des schmerzlich vermissten Kakà für den durchaus bemühten aber gegen eine körperlich robuste Verteidigung überforderten Pato. Vor allem das Zusammenspiel mit Boriello muss noch geübt werden, die beiden mißverstanden sich regelmäßig. Kakà übernimmt sofort den Regiestuhl und schenkt der Heimmannschaft Rhythmus und Geschwindigkeit. Nicht zufällig hat er auch sofort 30 Sekunden nach Wiederanpfiff die erste wirkliche Tormöglichkeit, sein Kopfball zieht denkbar knapp am Pfosten vorbei. Aber erst das Eingreifen des überaus kleinlichen Schiedsrichters Damato, der bislang eher dadurch auffiel, länger als 10-sekündioge Spielphasen durch Pfiffe zu unterbrechen, öffnet Milan das Tor zum Heimsieg: Handelfmeter und Hinausstellung gegen den bis dahin hervorragenden Lucchini, sicher verwandelt durch Ronaldinhos unhaltbaren Flachschuß gegen den Innenpfosten. Interessant, wie Seedorf mittels Polizeigriff in seiner ersten wirklich starken Szene den wütend protestierenden Cassano davon abhält, sich beim Schiedsrichter eine rote Karte abzuholen.

Überhaupt Cassano: Wenn er nicht gerade mit Schieds- und Linienrichter Spielentscheidungen durchspricht, sorgt er für technische Brillianz im ansonsten handwerklich eher groben Sampdoria-Spiel und ist wirklich unterhaltsam anzuschauen. Milan präsentiert sich in der Folge dann aber doch souverän gegen die wütend gegen ihr Schicksal anrennenden und sich so öffnenden Doriani – wie eine wahre Heimmannschaft mit Titelambitionen. 10 Minuten nach der Führung tanzen sich Kakà und Ronaldinho auf links durch die dezimierte Abwehr und Ronaldinho verwandelt mit einem sehr sehenswerten Schuß mit dem Außenrist: mit rechts im Lauf angenommen und mit links diagonal abgezogen, sowas können nur Brasilianer! Fehlt eigentlich nur noch das I-Pünktchen: Der unauslöschliche Pippo Inzaghi kommt kurz vor Schluß für den wieder ebenso starken wie glücklosen Marco Borriello und macht das, was er kann: 3:0 in der 90. Minute. Wohl dem, der solche Leute auf der Bank sitzen hat!

Alles in allem ein wunderschöner Nachmittag mit wieder wunderlichen Ergebnissen in dieser sowieso schon seltsamen Saison (Lazio verliert in Bologna, Cagliari zieht dem Toro den Stecker und Lecce bringt Udinese an den rand einer Niederlage). Ein tapferes und spielstarkes Sampdoria wurde zwar unter Wert aber dann letzendlich eben doch hochverdient geschlagen. Handelfmeter und Hinausstellung gehen in Ordnung, aber auch Jankulovski hätte für seine Blutgrätsche in der ersten Halbzeit gegen den wieder mal enteilten Cassano tiefrot verdient. Pikant vor allem deshalb, weil ja sein Schuß später zum Handelfmeter führte. Trotzdem hatte ein in der zweiten Halbzeit unter der Regie seines Weltfußballers Kakà sichtlich aufblühendes Milan gestern den Sieg – auch in dieser Höhe – verdient herausgespielt. Beste Spielszene: Cassano spritzt dem Linienrichter mit der Wasserflasche die Stutzen naß und dessen ungläubiges Gesicht daraufhin. 😀

Video Spielzusammenfassung:

Ein paar Fotos