Ultras 1980 Foggia in Aprilia

Ultras sind keine Terroristen II

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Wie sagte Cagliaris Präsident Massimo Cellini letztes Jahr so schön: „Wenn ein Flugzeug entführt wird, jagt man den Täter, schließt aber doch nicht gleich den gesamten Flughafen.“ Ich bin ja Oldschool und der Meinung, Waffen haben in Auseinandersetzungen nichts zu suchen, keine Messer, keine Knüppel, kein Pfefferspray – überhaupt nichts außer Fäusten, wenn es denn überhaupt sein muss. Ich kann auch Leute verstehen, die komplette Gewaltfreiheit fordern. Und dann gibt es natürlich notorische Gewalttäter unter den Ultr s – wie in jeder anderen Bevölkerungsgruppe auch. Alle diese Positionen finden sich unter Stadionbesuchern, warum wird das also nicht differenziert betrachtet? Knüppeln ein Türke und ein Grieche einen deutschen Rentner in der U-Bahn nieder, mahnen sofort alle, man dürfe doch nun bitte nicht alle Ausländer in einen Topf werfen, wer anderes sagt, ist ein Rechtspopulist (also eine nette Umschreibung für Nazi). Keineswegs dürfe man aus einzelnen Gewalttaten fehlerhaft integrierter Jugendlicher mit Migrationshintergrund schließen, es gäbe unter türkischen Jugendlichen etwa ein Gewaltproblem. Alkohol und Zigaretten werden nicht als Droge klassifiziert, obwohl jedes Jahr zehntausende elend daran verrecken – man darf doch nicht der Mehrheit der verantwortungsvoll mit Genußmitteln umgehenden braven Bürger bestrafen, weil ein paar Leute es übertreiben. Auf jeder Dorfkirmes mit Blasmusik gibt es nach Mitternacht irgendwelche Schlägereien – ist deshalb mal jemand der Kommunalpolitiker aufgestanden und hat vermeldet, solche Feste müssten verboten werden, weil das Verletzungsrisiko für Unbeteiligte zu hoch ist? Und nur weil alle in Tiefkühltruhen oder Blumenkästen zwischengelagerten Kinderleichen sich in Ostdeutschland fanden, darf man noch lange nicht sagen, es gäbe wohl einen evidenten Unterschied in den beiden Teilen Deutschlands, was die aromaschonende Unterbringung des eigenen Nachwuchses angeht. Ähnliches gilt für Nazis (deren massive Präsenz in ostdeutschen Kleinstädten die Kühltruhenlösung nochmal in einem gefälligeren Licht erscheinen läßt): nur weil es eine statistisch gravierende Häufung rechtsextremer Gewalttaten in der ehemaligen DDR gibt, darf man dagegen doch jetzt bitte nicht vorgehen; die armen Jungs sind halt ein bissel desillusioniert aber nicht alle gefährlich. Erschießt ein Carabinieri, unter welchen Umständen auch immer, einen Menschen auf einem Autobahnrastplatz wird sofort unisono deklariert, dass es sich dabei um einen tragischen Einzelfall handelt, der lückenlos aufgeklärt werden müsse; keinesfalls dürften nun alle Polizisten kollektiv angefeindet werden! Überall also individuell zu bewertende Einzelfälle, jegliche Art von soziologischer Argumentation ist undemokratisch, weil sie den Einzelfall nicht bewertet. Nur bei Ultr s wird mit Sippenhaft argumentiert. Ins Giuseppe-Meazza-Stadion passen gut 85.000 Besucher, schätzen wir mal 20.000 in der Kurve, alles Individuen mit unterschiedlichsten Biografien, sozialen Hintergründen, Bildungsniveaus und Kaufkraft, vereint nur durch die Farben als kleinstem gemeinsamem Nenner. Bekommt nun ein Auswärtsfan nach dem Spiel von einem Heimfan eine Flasche über den Kopf gezogen und wird mit einer Platzwunde im Saniwagen behandelt, waren die alle schuld daran. Niemand fragt, ob da ein betrunkener Vollidiot an einer Gruppe Milan-Fans vorbeigelaufen ist und seinen Schal provozierend hochgehalten hat. Wenn ich nach dem Spiel zu Fuß quer über Mailands Westtangente wandern und dabei von einem Auto erfasst würde, dann fänden das sicher manche schade, vermutlich würde aber niemand die Schließung aller italienischen Autobahnen für den Straßenverkehr fordern. Weil ich ja irgendwie selber schuld wäre. Es gibt unter Ultr s gewaltgeile, komplett zugekiffte, asoziale Vollausfälle, die ich im Stadion nicht sehen will und für die ich mich schäme, weil sie dieselben Farben tragen wie ich. Dieses Pack gehört aus der Kurve entfernt, am besten von den eigenen Fans. Es handelt sich bei solchen Individuen in der Tat um Einzelfälle – ein Banner zugekiffter asozialer hirntoter Messerstecher ist mir bislang unbekannt. Ansonsten besteht an allen Orten, bei denen viele junge Männer zusammenkommen, ein statistisch erhöhtes Risiko von Schlägereien: auf Open Airs, in Dorfdiskos, beim Militär oder nachts vorm Supermarkt. Es gibt Gewalt im Umfeld von Fußballveranstaltungen, es wäre schön, wenn diese genauso bewertet würde, wie Gewalt anderswo auch. Selbst wenn es sich um ein Produkt handelt, bei denen jedes Jahr Milliarden umgesetzt werden und dessen Beschmutzung ein paar Sponsoren um die Werbewirksamkeit ihrer Investitionen bangen läßt. Oder seid konsequent, liebe Medien, und berichtet einmal wahrheitsgemäß über Körperverletzung, sexuellen Mißbrauch, schwerer Gesundheits- und Verkehrsgefährdung im Rahmen des Münchner Oktoberfests und fordert folgerichtig dessen Schließung. Ich freue mich auf eure Beiträge! Weiterführende Links B.A.F.F. Bündnis aktiver Fußballfans – Reclaim the Game Initiative Pro Fans – Aktion für den Erhalt der Fankultur, gegen Kommerz, Repression u.a Unsere Kurve – Bundesweite Interessengemeinschaft der Fanorganisationen No al calcio moderno – Gegen den modernen Fußball TifoNet – Ultr s Community seit 1995 www.fussballfans-beobachten-polizei.de – Fußballfans beobachten Polizei www.fansicht.ch – Schweizer Projekt mit ähnlichen Anliegen www.grundrechtekomitee.de – beschäftigt sich mit Grundrechten und Demokratie www.cilip.de – Institut für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit e.V. www.polizeigewalt.de – wie der Name schon sagt www.datenschutz.de – virtuelles Datenschutzportal www.bigbrotherawards.de – der unbeliebte Preis für Verletzung der Privatsphäre http://www.kritische-polizisten.de/ – Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten e.V. www.rote-hilfe.de – strömungübergreifende linke Rechtshilfeorganisation www.copcontrol.de – Artikelsammlung zu Polizeiübergriffen www.nachrichtenaufklaerung.de – unterdückte Nachrichten