Restaurants in Italien

Restaurants in Italien

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Durch das kollektive Gedächtnis deutscher Italienreisender schwirren ein paar Vermutungen über das Essen gehen in Italien, die zwar in jedem Reiseführer wiederholt werden, deshalb aber noch lange nicht stimmen. Meist dienen solche Hinweise nur davon, den „kundigen Italienreisenden“ vom Durchschnittsurlauber abzuheben – da spielt es kaum eine Rolle, ob solche Empfehlungen wirklich so richtig sind. Nach sieben Jahren als Deutscher in Italien stelle ich an dieser Stelle meine eigenen Erfahrungen mit Vorurteilen und Stereotypen vor. Alle folgenden Hinweise beziehen sich auf ganz normale Ristoranti und Trattorie – in Sterne-Lokalen bewegt man sich wie überall sonst auch. Ich stelle die wichtigste Empfehlung einfach mal voran: Wenn ein Restaurant an einem normalen Wochentag voll ist, besonders Mittags, und vor dem Lokal lauter Autos mit italienischen Kennzeichen stehen, dann isst man dort sehr gut und preiswert. Gilt immer und überall und der Hintergrund ist folgender: Mittags essen Maurer und andere Handwerker, die haben ein feines Näschen und sind ein durchaus verwöhntes Völkchen: Für ihr 10-Euro-Mittagsmenü wollen die gut und möglichst viel essen, wer das nicht bieten kann, wird verschmäht – Bauarbeiter sind dafür bekannt, dass sie gegebenenfalls die Trattoria neben der Baustelle links liegen lassen und ein paar Kilometer weiter essen fahren. Mund-zu-Mund-Propaganda führt sehr schnell dazu, dass bei schlechtem Essen ein eben noch gut frequentiertes Ristorante innerhalb von Tagen verwaist! Gleiches gilt auch für den normalen Betrieb am Abend, eine italienische Freundin hat mir mal sehr prägnant den Grund dafür genannt: Essen hat in Italien eine sehr hohen Stellenwert, man gibt einen viel höheren Anteil seines Lohns für Restaurantbesuche aus. Dafür erwartet man sich aber auch besseres Essen als Zuhause. Nun ist es traditionell so, dass die italienische Mamma, Nonna oder wer sonst so kocht, in der Regel hervorragend kochen kann – geht man abends aus, so erwartet man sich etwas besonderes, besseres! Achtet mal drauf: Viele oder nur italienische Kennzeichen auf dem Parkplatz, oft verbunden mit einem vergleichsweise kargen, unprätentiösen Ambiente, sind sichere Anzeiger hoher Essqualität. Und vergesst Reiseführer mit ihren „Insidertipps“. Allerdings gibt es in solchen typischen Lokalitäten oft keine Speisekarte – und schon gar keine deutsche – und man erhält einen Vortrag vom Kellner oder die Gerichte stehen auf einer Tafel an der Wand. Macht nichts, der Italiener bestellt sowieso nichts von der Karte, sondern geht mit Wünschen und Vorstellungen ins Restaurant und handelt aus, worauf er Lust hat. 😉 Es ist auch zum Beispiel keineswegs so, dass beim Restaurantbesuch ein bestimmter Prozentsatz, 5 % oder 10 %, als Trinkgeld („mancia„) erwartet wird; noch weniger wird erwartet, Kleinrechnungen beim Barbesuch irgendwie aufzurunden. Wenn der caffè 90 Cent kostet, dann ist es völlig normal, sich die 10 ct herausgeben zu lassen – Urlauber oder nicht. Gleiches gilt für die Restaurantrechnung, es besteht einfach kein – auch ungeschriebenes – Gesetz, dass man Trinkgeld geben muss. Selbstverständlich freut sich die oft vergleichsweise karg bezahlte Bedienung über eine Aufmerksamkeit, diese wird aber nach dem korrekten Bezahlen der Rechnung entweder auf dem Tisch liegen gelassen, der Bedienung in die Hand gedrückt oder in die Spardose „Mancia“ neben der Kasse gesteckt. Das funktioniert genauso, wie in Deutschland auch: war die Bedienung nett und aufmerksam, zeigt man sich gern erkenntlich, war sie langsam und hochnäsig, lässt man das mit dem Trinkgeld eben bleiben. Der Italiener macht das ganz genauso auch wenn er Touristen natürlich gern in dem Glauben lässt, 10 % Trinkgeld seien die Norm. In Italien isst man in der Regel später als in Deutschland, also meist ab 20.30 Uhr – je weiter südlich, umso später. Bitte fallt also nicht um 18.00 Uhr in die Pizzeria ein, erstens seid ihr dann alleine und zweitens gibt es da noch nichts zu essen. Ausnahmen stellen hier die Touristenfallen dar, hier kann man meinetwegen auch um sechs Uhr abends schon essen und bekommt eine deutsche Speisekarte ausgehändigt – dafür aber auch Spaghetti mit Ketchup und da wollen wir ja auch nicht hingehen. Mittag isst man zwischen 12.00 und 13.30 Uhr, danach ist die Küche zu und Frühstück findet ja eh nicht statt. Ein italienisches Frühstück besteht – wenn überhaupt – aus einem Kaffee im Stehen und bestenfalls einem Hörnchen („cornetto“ bzw. „brioche„) oder einem ungetoasteten labberigen Toast („tramezzino„). Eine weitere in den meisten Reiseführern auftauchende Empfehlung ist es, doch bitte die Rechnung für den Tisch unbedingt gemeinsam zu zahlen und danach untereinander den Betrag pro Kopf auszuhandeln. Kann ich so nicht unbedingt bestätigen, natürlich freut sich die Kassiererin über weniger Arbeit, es geht aber niemand davon aus, dass die lustige 20-köpfige Geburtstagsgesellschaft mehrere hundert Euro gemeinsam bezahlt und sich dann vor dem Restaurant mit den Details befasst. Es ist völlig normal, dass jeder Teilnehmer des lustigen Abends an der Kasse das bezahlt, was er verzehrt hat. Das gilt auch für deutsche Urlauber, ihr macht euch also keineswegs unbeliebt oder steht – noch schlimmer – als Italien-Anfänger dar, wenn jeder „seine“ Rechnung bezahlt. Wie gesagt, eine gemeinsame Rechnung ist schön wenn möglich, gilt aber keineswegs als Zwangskonvention. Das einzelne Bezahlen der Rechnung wird zwar gelegentlich als „alla romana“ bezeichnet (weil die unhöflichen Römer das tun), man erkennt aber besonders bei größeren Gruppen durchaus Gründe an, die dies notwendig machen. Macht euch also deswegen keinen Kopf – ich bringe an der Stelle manchmal an, dass so ja auch – gegebenenfalls – viel häufiger Trinkgeld anfällt. Eine Einschränkung gibt es beim Trinken an der Bar, hier zahlt man immer eine Runde, gern auch für unbeteiligt herumstehende. Wenn ihr also öfters mal in dieselbe Bar geht, ladet ruhig die alten Männer am Tresen mit ein – meist haben die schon ein Glas vor sich stehen, ihr braucht nur drauf zu zeigen, die Bedienung versteht das schon. Im Gegenzug erhaltet ihr so immer die besten Tipps zu den Sehenswürdigkeiten der Gegend oder zumindest einen kommunikativen Abend – garantiert hat irgendeiner der Barbesucher schonmal 30 Jahre in Deutschland gearbeitet und verwickelt euch in ein interessantes Gespräch. Da könnt ihr dann gern fragen, was man denn anschauen sollte in der Gegend oder wo man gut essen gehen kann! Der Italiener freut sich immer über echtes Interesse an seiner Heimat und dieses elende Unter-sich-bleiben ist eine blöde deutsche Angewohnheit. Zahlt also immer mal eine Runde, die paar „rossi“ werden euch nicht umbringen, und lehnt keine Einladung ab – das gilt wirklich als unhöflich. Und bitte vermeidet das Thema Fußball, da könnt ihr nur in Fettnäpfchen treten. Dass ein „Espresso“ nur von Touristen bestellt wird, alle anderen „caffè“ sagen, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Glaubt aber nicht, dass ihr mit dem Wort gleich eine Klasse aufsteigt und sozusagen eingemeindet werdet oder als Italiener durchgeht. Wenn ihr also durchaus korrekt einen „caffè“ bestellt, wundert euch nicht über die Nachfrage „americano“? oder „tazza grande“? Caffè americano ist das Äquivalent zur deutschen Kaffeemaschinen-Brühe und um sicherzugehen, wird lieber nochmal nachgefragt. Die Deutschen sind ja bekanntlich das einzige Volk auf dem Planeten, das sich seiner Herkunft schämt und entweder zu verbergen sucht oder durch Zurschaustellen von Landeskenntnis sich von seinen Landsleuten abzugrenzen sucht. Nur kein Italiener wird das jemals verstehen – ihr seid Touristen und von euch wird durchaus erwartet, dass ihr euch wie solche verhaltet. Insofern ist es überhaupt nicht bedenklich, einen „Espresso“ zu bestellen, das ist ein durchaus akzeptables Wort in der Landessprache und „caffè“ zu sagen macht euch auch nicht italienischer. Im Gegenteil freut man sich über Touristen, ihr dürft also durchaus welche sein – im Zweifel werden wir sowieso für kulinarische Höhlenmenschen gehalten, niemand erwartet also formvollendetes italienisches Speisen von uns. Eine weitere oft abgeschriebene Empfehlung ist es, doch bitte niemals nur einen Gang zu nehmen, da man in Italien grundsätzlich mehrgängig speist und alles andere als extrem unhöflich gilt. Kann man so nicht unbedingt stehen lassen: Mittags ist es sowieso egal, mittags kann man durchaus gefahrlos einen Teller Pasta bestellen, niemand geht davon aus, dass mehrgängige Menüs geordert werden. Im Zweifelsfall wählt ihr aber sowieso das „menu turistico“ für 10 oder 11 Euro, die Dimensionen sind angepasst und man kann auch nichts falsch machen. Es ist im großen italienischen Abendessen Usus, Antipasti, Primo, Secondo, Dolce und caffè zu sich zu nehmen – keineswegs muss man hieraus den Zwang ableiten, jedes Abendessen nach einer Bergwanderung oder einem Tag am Strand, als Festessen zu zelebrieren! Es ist völlig normal, ein Schnitzel mit Pommes („patatine fritte„) als „piatto unico“ zu bestellen, meinetwegen noch ein kleines Antipasto dazu, falls man sich dazu bemüßigt fühlt oder ein Dolce hinterher. Nur ein Teller Pasta oder ein Risotto als „primo“ ist sicher ungewöhnlich wenig, aber nur einen zweiten Gang („Secondo„), eventuell verbunden mit einer Nachspeise („Dolce„) oder einer Vorspeise („Antipasto„) geht völlig in Ordnung. Achtet darauf, dass die Beilagen („contorno„) in der Regel separat aufgeführt werden – wer also einen gebratenen Fisch bestellt, erhält in der Regel nur den. Ihr dürft nicht davon ausgehen, dass der Durchschnittsitaliener ständig 5 Gänge-Menüs isst, so etwas ist durchaus besonderen Anlässen und Zusammenkünften vorbehalten – wie halt in Deutschland auch. Wenn sich auf eurer Rechnung oder Speisekarte ein Betrag „coperto“ (typischerweise 2 oder 3 Euro) findet, so ist das kein Hinweis auf Wegelagerei gegen arme Touristen, sondern ein ganz üblicher Zuschlag. Kalkuliert diese Gebühr für „Gedeck und Brot“ also einfach in den Preis mit ein, das gilt für alle und ist keineswegs ein Betrugsversuch sondern eine landestypische Besonderheit. Eine deutliche Abweichung gibt es in Bezug auf Kinder, Italien ist das Königreich der Kinder. Kinder sind immer gern gesehen und haben auch Narrenfreiheit, ich hatte niemals Probleme, wenn mein Kurzer sich wie ein Kind benimmt, bis Mitternacht herumstrolcht, die Küche besuchen geht, sich an andere Tische setzt oder auch mal auf zwei Stühlen einschläft. Bambini sind toll und wundert euch nicht, wenn die Bedienung komplett antritt, um den Kleinen oder die Kleine zu begrüßen, Späße zu machen oder im Restaurant herumzuführen. Wenn es den Kindern gut geht, ist alles in Ordnung. Und bitte nicht die Nase rümpfen, wenn andere Italienern ihren bambini auch mal einen Spritzer Wein ins Wasser tun oder am Bierschaum nippen lassen – irgendwo muss die sprichwörtliche italienische Gelassenheit ja herkommen. Dass Kinder mal laut sind oder ein Glas umwerfen ist normal und führt höchstens zu Begeisterung oder der Bemerkung „sind eben Kinder“. Niemand erwartet, dass ein ganz normales Kind sich bei einem mehrstündigen gemütlichen Abendessen nicht langweilt und brav am Tisch sitzen bleibt – auf sowas kommen nur Deutsche. Kurzum: Macht euch mal locker! Ihr seid Deutsche, als Touristen gern gesehen und braucht euch auch nicht zu verstecken oder falsch zu assimilieren. Man weiss, dass nicht alle Deutschen gleich sind und durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern gibt. Seid sympathisch und versucht nicht, ständig irgendwelchen scheinbaren „Normen“ zu entsprechen. Sich von anderen Deutschen abzugrenzen oder über sie herzuziehen wird kein Italiener jemals verstehen und bringt euch höchstens Verwunderung ein – ansonsten gelten die Regeln des Anstands und des gesunden Menschenverstands.