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Rauchen aufhören IV

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Mir ist gerade aufgefallen, dass es morgen genau 1 Jahr her ist, dass ich Nichtraucher wurde. Ich feier mich mal kurz selbst, dann geht es wieder weiter mit Italien. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist erst einmal weniger schwer, als es häufig dargestellt wird. Es ist anfangs unangenehm, aber nicht so folterkammer-ähnlich, wie es – meist gescheiterte – Raucher einen wahrhaben lassen wollen. Es gibt Tricks und Kniffe, einem über die ersten Tage zu helfen, aber das Unverzichtbare muss man selbst mitbringen: die Überzeugung und den Wunsch, nicht mehr rauchen zu wollen. Klingt einfach, ist es aber leider nicht. Man kann nämlich diese Überzeugung nicht herstellen und auch noch so große Willenskraft kann sie nicht ersetzen. Ich bin mir sicher, dass jährlich tausende Raucher mit dem stärksten Willen an die Aufgabe gehen, damit aufzuhören und trotzdem scheitern. Es ist eigentlich ganz einfach: Man muss es wollen! Man muss innerlich ohne größere Anstrengungen und intellektuelle Kopfstände, ohne das Herbeiziehen von Gründen und Überzeugungen, ganz einfach spüren, dass man jetzt aufhören will, dass es genug ist. Weder Informationsbilder zu Teerlungen noch Krebsgefahr noch finanzielle Erwägungen können diese Grundüberzeugung ersetzen – der Körper lässt sich von rationalen Erwägungen einfach nicht erweichen…sonst könnte ich mir ja aussuchen, in wen ich mich verliebe. Diese Grundüberzeugung, aufhören zu wollen ist aber der Schlüssel zum erfolgreichen aufhören. Und damit meine ich den Rest des Lebens. Ein paar Wochen oder Monate hält jeder durch, das ist nicht so schlimm und nichts, was sich nicht mit ein Kaugummis oder Gummibärchen erleichtern lassen würde. Die Schwierigkeit besteht darin, den Verzicht auf die Zigarette nicht als lebenslangen Verlust zu sehen, denn das hält auch der stärkste Charakter nicht aus. Niemand kann es ein Leben lang durchhalten, sich eine Sache vorzuenthalten, die ihm im Hinterkopf Spaß macht und Befriedigung bedeutet, die beruhigt und mit angenehmen Erfahrungen verknüpft ist. Egal, wie oft man von den Gefahren für den Kardiovaskularapparat erzählt bekommt oder Lungenkrebs oder drohender Gewichtszunahme. In dem Falle würde ich mich eher gleich dafür entscheiden, ein glücklicher und überzeugter Raucher zu sein anstatt von der Zigarette nicht loszukommen und sie aber auch nicht mehr genießen zu können. Man sollte sich also entscheiden, Raucher zu sein oder eben nicht. Entweder ich nehme die negativen Aspekte des Rauchens hin und genieße meine Sucht oder ich bewerte die negativen Aspekte höher und will eben Nichtraucher sein. Was ich nicht sein kann, ist ein Raucher der nicht raucht. Das klingt einleuchtend, sollte man sich aber durchaus mal durch den Kopf gehen lassen: Ich will nicht mehr Raucher sein! Ich betrachte das nicht als Verzicht und Selbstgeißelung, sondern ich bin froh, dass ich nicht mehr jedesmal, wenn ich weggehe, einen Überblick über meine Vorräte verschaffen muss. Ich kann ein mehrstündiges Abendessen so richtig genießen, ohne dass ich mir alle halbe Stunde einen Weg nach draußen bahnen muss oder nervös und unkonzentriert auf Gegenständen kaue. Meine Sachen stinken nicht mehr, jedenfalls nicht mehr nach Rauch. Ich habe in den letzten 12 Monaten 20 kg abgenommen und bin in der Form meines Lebens (da schreib ich ein andernmal drüber). Ich bekomme keine Panikattacken vor Zugfahrten oder Flugreisen. Mit anderen Worten: Rauchen ist überhaupt gar kein Teufelszeug und es kann richtig schön sein. Allerdings nicht für den abhängigen Raucher, der viel mehr damit beschäftigt ist, zwanghaft sein Nikotinniveau einzupegeln, als dass er wirklich noch genießen kann. Damit aufzuhören ist nicht wirklich schwer, echte Entzugserscheinungen sind nach 14 Tagen komplett erledigt, psychologische Abhängigkeiten kann man mit Ersatzhandlungen (Tee, Kaugummis, Gummibärchen, Sport) prima unterdrücken. Aber um die Sucht wirklich und wahrhaftig zu besiegen, muss man sie besiegen wollen. Man muss mit dem Rauchen aufhören wollen und sich auf die Zeit als Nichtraucher freuen anstatt vor dem Zigarettenmangel Angst zu haben. Ist eigentlich alles.