Gabriele Sandri

Offener Brief von Lorenzo de Silvestri für Gabriele Sandri

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Heute ist der zweite Jahrestag des Todes von Gabriele Sandri. Damals, im Trubel der Ereignisse um die Todesschüsse auf den jungen Fußballfan und die nachfolgenden wütenden Proteste der Fangruppierungen, inmitten der erschütternden Bilder und im verzerrten Gewitter einer fast gleichgeschalteten Medienmaschinerie, meldete sich der Lazio-Verteidiger Lorenzo de Silvestri (heute: Fiorentina) zu Wort. Als Freund Sandris aber mehr noch als Teil des Systems Fußball, als einer der wenigen Protagonisten der Serie A, die den Mut hatten, sich öffentlich zu den Vorfällen zu äußern. Ich habe das Dokument einmal übersetzt, am Ende dieses Beitrags findet sich der italienische Original-Wortlaut.

Damit wir Gabriele Sandri nicht vergessen
von Lorenzo de Silvestri
Jetzt, wenn die Scheinwerfer langsam verschwinden, jetzt, wenn Gabrieles Abwesenheit für seine Familie beginnt, zum unüberwindlichen Felsblock zu gerinnen und während die Gerechtigkeit ihren eingetakteten Lauf nimmt, nehmen wird. Jetzt, wo wir noch alle dastehen und und uns fragen warum, mit diesem Kummer, der nicht verschwinden will. Jetzt wollen wir ihn nicht vergessen. Lasst uns etwas tun, solange Gabriele, sein strahlendes Lächeln, seine Lebensfreude, alles was er uns, die wir ihn mochten, bedeutet hat und auch für die, die ihn nicht persönlich kannten, noch ein bisschen bei uns bleiben, bei uns allen. Um uns Gesellschaft zu leisten und seine Angehörigen zu trösten, die geschockt und völlig überrascht mit dieser sperrigen und bedrückenden Leere leben müssen, die sich jeden Tag nach dem Adrenalin der ersten Stunden in ihnen breit macht. Jetzt, wo das eherne Gesetz der Medien diese absurde Tragödie von der erste auf die letzte Zeitungsseite schiebt, von der Schlagzeile in eine versteckte Agenturnachricht irgendwo.

Ich habe entschieden, etwas zu tun und ich hoffe, dass alle, die Gabriele im Herzen tragen, ihrerseits und aus ihrer Fantasie heraus kleine oder auch große Dinge erfinden, die den Schmerz dieser Familie lindern helfen. Ich glaube, dass schon ganz wenig reichen wird. Und es wird viel bedeuten, sehr viel. Im Geschäft vorbeischauen, um ein paar Worte mit seinem Vater zu wechseln, gemeinsam zum Friedhof gehen, um ein paar Blumen dazulassen, seinen Namen auf ein T-Shirt schreiben oder auch nur über ihn zu reden. In einem Monat, einem Jahr und auch darüber hinaus. Mit diesem Freund gemeinsam den Alltag bestreiten, in dessen Normalität und Einfachheit, die auch immer seinen Charakter bestimmte.

Ich habe in der Zwischenzeit auch eine kleine Sache gemacht, ich habe auf die Zunge meiner Fußballschuhe den Namen von Gabriele schreiben lassen. Ab heute wird jeder Tritt gegen einen Ball von uns beiden kommen. Und diese wenigen Tore (weil ich nur wenige schieße), die ich erzielen werde, werden wir beide gemeinsam gemacht haben. Ich glaube, dass es für Gabriele Sandri vioel größere Initiativen geben wird, um seine Erinnerung zu ehren und um ihn nicht zu vergessen, aber ich beginne mit den kleinen Dingen, diejenigen, die mir jeden Tag erlauben, mich ihm weiterhin so nah zu fühlen. Und Sonntag will ich Blumen unter die Nordkurve tragen und mit den Fans diesen Sturm der Emotionen teilen, der unsere Köpfe in diesen letzten Tagen durchtost hat.

Gabriele war ein völlig untypischer Ultrà, ruhig, umgänglich, respektvoll. Ich habe ihn vor mehr als eineinhalb Jahren kennengelernt und seitdem waren wir immer gute Freunde. Niemals ein Wort zuviel, nie Druck ausgeübt, kein einengender Fan, nichts fordernd. Niemals. Eine echte Freundschaft, die auf den Noten der Musik basierte, die wir beide liebten und unter dieser blauweißen Fahne stand, die in unseren Herzen weht. Einer, der für Lazio die ganze Nacht lang wach blieb. Der um uns zu sehen auf alles andere verzichtete. Ein Ultrà, dessen Herz und Hirn in der Liebe zu seinem Team weit über das Normale hinausgingen. Niemals gewalttätig.

Diejenigen, die damals Römer Stadtteile um das Olympiastadion verwüstet haben, sind keine Ultràs. Das sind Verbrecher. Die Bezeichnung „Terroristen“ ist für diese eine mehr als zutreffende. Kasernen und Polizeistationen werden nicht angegriffen. Und mit dem Tod Gabriele Sandris haben diese Leute überhaupt nichts am Hut. Genauso, wie die aus der Curva von Bergamo nichts damit zu schaffen hatten. Nein, nach meinem Verständnis ist ein Ultrà etwas völlig anderes. Ein Ultrà ist ein Fan, der mehr als alle anderen lieben kann. Im Respekt vor den anderen.

Hoffen wir, dass die Gerechtigkeit ihren Lauf nimmt. Wir stehen immer noch hier und fragen uns, was wirklich an diesem verdammten Novembermorgen geschehen ist. Vielleicht hat die Wahrheit größere Schwierigkeiten, ans Licht zu kommen, und ist langsamer dabei, weil ein Polizist beteiligt ist. Aber vor dem Recht sind alle gleich und Gabrieles Familie erwartet Gerechtigkeit, keine Rache.

Ich wurde erschüttert von den Worten, die seine Mutter für mich hatte, vor ein paar Tagen im Totenzimmer, vor seinem glücklichen Gesicht – als würde er nur schlafen. Sie hat mir erzählt, wie wichtig ich für ihren Sohn war, wie stolz er auf dem Bolzplatz das Trikot anzog, das ich ihm geschenkt hatte, wie unsere Freundschaft für ihn ein ganz besonderes Geschenk für sein Leben war.

Nein, vergessen wir Gaberiele nicht. Setzen wir sein Lächeln auf und seine fröhliche Lust am Leben, wenn wir hinter einem Ball hinterherrennen oder unseren Träumen, auf der Suche nach einem kleinen Moment des Glücks.

Per non dimenticare Gabriele Sandri
di Lorenzo de Silvestri
Adesso che i riflettori vanno via via spegnendosi, adesso che l’assenza di Gabriele comincia a diventare un macigno insostenibile per la sua famiglia e mentre la giustizia fa, farà il suo corso secondo i suoi tempi. Adesso che siamo tutti qui ancora a chiederci perché, con questo magone che non va più via. Adesso non dimentichiamolo. Facciamo qualcosa affinché Gabriele, il suo sorriso solare, la sua gioia di vivere, tutto quello che ha rappresentato per noi che gli volevamo bene e anche per chi non lo conosceva, restino un po’ con noi, con tutti noi. A farci compagnia e a dare carezze ai suoi familiari, scioccati e quasi stupiti da questo vuoto ingombrante, angoscioso che si va materializzando di giorno in giorno dopo l’adrenalina delle prime ore. Ora che l’inesorabile legge dei media declassa questa assurda tragedia dalla prima all’ultima pagina, dai titoli d’;apertura a un veloce flash d’agenzia.
Io ho deciso di fare qualcosa e spero che tutti quelli che hanno a cuore Gabriele inventino a loro volta e secondo la loro fantasia piccole e grandi cose che possano alleviare il dolore di questa famiglia. Basterà poco penso io. E sarà tanto, tantissimo. Passare in negozio per fare due chiacchiere col papà, andare insieme al cimitero e portare dei fiori, scrivere il suo nome su una maglietta, anche solo parlarne. Tra un mese, tra un anno e anche oltre. Vivere con questo amico accanto nella quotidianità, nella semplicità che ha sempre contraddistinto anche il suo carattere.
Io intanto ho fatto una piccola cosa, ho fatto scrivere sulla linguetta dei miei scarpini il nome di Gabriele. Da oggi in poi quando darò un calcio al pallone sarà come averlo dato in due. E quei pochi gol (perché io ne segno pochi) che realizzerò li avremo segnati insieme. Penso che per Gabriele ci saranno iniziative sicuramente più grandi, per onorarne la memoria e per non dimenticarlo, ma io parto dalle piccole cose, quelle che ogni giorno me lo fanno sentire ancora così vicino. E domenica vorrei portare dei fiori sotto la Nord e condividere con i tifosi questa tem- pesta di emozioni che ha infuriato sulle nostre teste negli ultimi giorni.
Gabriele era un ultrà molto atipico, tranquillo, educato, rispettoso. L’avevo conosciuto più di un anno e mezzo fa e da allora siamo stati sempre grandi amici. Mai una parola in più, una forzatura, il tifoso ingombrante, pressante. Mai. Un’amicizia vera, che viaggiava sulle note della musica di cui eravamo appassionati e di questa bandiera biancazzurra che ora ci sventola nel cuore. Uno che per la Lazio non andava a dormire. Che per venirci a vedere rinunciava a tutto. Un ultrà che va oltre con la testa e con il cuore nell’innamoramento per la sua squadra. Mai violento.
Quelli che hanno messo a ferro e fuoco i quartieri di Roma intorno all’Olimpico non sono ultrà. Quelli sono delinquenti. Il termine «terrorismo» per loro è più che appropriato. Non si assaltano caserme e commissariati. E con la scomparsa di Gabriele questa gente non c’entrava niente. Così come non c’entravano niente quelli della curva di Bergamo. No, per come l’intendo io un ultrà è tutta un’altra cosa. E’ un tifoso che sa amare più degli altri. Nel rispetto degli altri.
Spero che la giustizia faccia il suo corso. Siamo ancora qui a chiederci cosa sia successo veramente quella maledetta mattina di novembre. Forse perchè c’è di mezzo un poliziotto la verità viene a galla con più difficoltà, con più lentezza. Ma la legge è uguale per tutti e la famiglia di Gabriele chiede giustizia, non vendetta.
Sono rimasto scosso dalla parole che mi ha detto la sua mamma l’altro giorno nella camera ardente, davanti al suo viso sereno, quasi stesse dormendo. Mi ha ricordato quanto fossi importante per suo figlio, di quanto vestisse con orgoglio nelle partite di calcetto la maglia che gli avevo regalato, di come la nostra amicizia fosse un bene prezioso per la sua vita.
No, non dimentichiamocelo Gabriele. Mettiamoci il suo sorriso e la sua spensierata voglia di vivere nelle nostre corse dietro a un pallone e ai nostri sogni, alla ricerca di uno spicchio di felicità.