Milan Palermo 3:0

Milan Palermo 3:0

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Milan schlägt den U.S. Città di Palermo so mühelos und en passant, als hätte es die Dekonstruktion der Rossoneri im Hinspiel (1:3) überhaupt nie gegeben, und zieht an der alten Dame Juventus vorbei, auf die Milan im übrigen in den letzten 4 Spielen 9 Punkte aufgeholt hat. Auch der Stadtrivale findet sich plötzlich 5 Spieltage vor Schluß nur noch 7 (statt 14) Punkten vor uns. Natürlich glaubt niemand ernsthaft daran, dass dieser Rückstand aufzuholen ist und so lassen die überzeugenden Vorstellungen des AC Milan in den letzten Wochen nur umsomehr die vielen kleinen Pünktchen bedauern, die man achtlos in der Provinz hat liegenlassen. Aber der Ball ist eben rund (bitte überweist 5 Euro an eine karitative Eintrichtung eurer Wahl für diese Phrase) und im Moment läuft er ganz gut zwischen den Reihen der Rossoneri. Die beiden 5:1 gegen Torino und Siena, die Siege gegen Lecce und in Verona ließen auf mehr hoffen und so war es an der Zeit, dass sich auch die Erfolgsfans vom MFB mal wieder im Stadion zeigten. Die Hamburger Fraktion war schon am Freitag angereist (und hatte das Wetter mitgebracht), so dass Sonntagmorgens nach einem herzhaften Aspirinfrühstück und zu spät im Dauerregen – aber immerhin im neuen MFB-Fanmobil – Richtung Mailand aufgebrochen wurde. Zwischendurch erreichte uns der Anruf der österreichischen Fraktion, den ich zwar nicht verstand, aber trotzdem als Frage zum Wann und Wo des Treffens interpretierte und beantwortete. Und wo sollte man sich besser treffen als im „Camparino“ mit Blick auf die Madunina? Natürlich haben wir die beiden immer noch nicht verstanden, aber nach zwei zünftigen Negroni (Stehnegroni bezahlt, Sitznegroni genossen – wo kämen wir denn sonst hin?) konnten auch wir unverständlich reden! Die österreichische Abordnung erfreute uns mit ihrem melodiösen Singsang und dass wir alle zum Stadion wollten, war ja eh klar. Basst scho‘! Und weil wir vom MFB die unerreichten Idole der perfekten Organisation sind, hatten wir natürlich auch alle Karten für viele verschiedene Sektoren, nur halt keine für die Fankurve, wo wir ja eigentlich hinwollten. Die Hochgänge zur Curva sind ja neuerdings vergittert, d.h. wir kamen nicht mal in die Nähe der Treppen. Wir müssen da aber rein! Was tun? Zum Plexiglasklettern wars zu naß und auch Zwerglwerfen hätte nur bei zwei Anwesenden Erfolg versprochen und so kam es zu einer der denkwürdigeren Ordnermanuipulationsgrotesken in der Geschichte des MFB: Ich, SiamoNoi und MiniMadunina stürmten am verdutzten Ordner des 1. Tribünenrangs Orange vorbei in Richtung der 90-Euro-Plätze – hierfür hält man den Leuten den Abo-Schnipsel möglichst dicht unter die Augen und schaut selbsbewusst drein. Trotz Schengen wurde den Ösis der Einlaß in denselben Sektor jedoch verwehrt, was uns in eine prima Ausgangsposition brachte, denn wir wollten ja auch sowieso in die Curva Sud! Nun konnten wir 3 hinterm Gatter mit unseren scheinbaren Tribünentickets natürlich den Oberordner prima beknien, dass wir das Spiel unbedingt und um jeden Preis mit unseren Freunden sehen wollen und dafür auch auf unsere Supidupi-Plätze in der ersten Reihe verzichten würden. Wer könnte sich soviel Hingabe und Altruismus widersetzen und so kam es, dass wir alle mit persönlicher Begleitung durch einen der Chefstewards persönlich durch die Absperrungen in unseren geliebten Sektor „secondo blu“ geleitet wurden. Das nenn ich mal nen Service (und nächstesmal kauft bestimmt irgendjemand von uns mal ein Ticket für den richtigen Bereich, Pionierehrenwort)! Das Spiel haben wir ja alle gesehen, Palermo war „poca roba“ und gab gefühlte 1,5 Torschüsse auf Dida ab. Wenn man dann noch 3 elfmeterreife Situationen fabriziert, sich im Mittelfeld die Gelbrote abholt (Bovo), sich schon vor dem Spiel beim Koksen erwischen lässt (Carrozzieri), dann reicht’s halt nicht. Die Stimmung in der Curva war den Umständen entsprechend ganz gut, vor allem bei uns und um uns herum. Die Negroni waren ja auf dem Weg noch durch das eine oder andere Bier aufgewertet worden, durch das regenverhangene Rund zog ein verführerischer Frühlingsduft orientalischer Kräutermischungen und so vertrieb man sich die Zeit halt mit singen. Angesichts der Ergebnisse aus Reggio Calabria kam ein alter Titel von Ricchi e Poveri zu neuen Ehren und machte wiederholt und mit stets wachsender Begeisterung die Runde. Von so ein paar Tagen Wolkenbruch und 7 Punkten Rückstand auf den Stadtrivalen lassen wir uns doch nicht das italienische Kulturgut verderben: E CHI NON SALTA E‘ UN PORCO JUVENTINO! 😀 Der rundum gelungene Ausflug endete bei Pizza und Bier beim Chinesen an der Piazza Axum. Es kommt doch nicht auf die Lokalität an, sondern, in welcher Begleitung man sich befindet. Oder um es in den Worten der Ösi-Abordnung auszudrücken:
Als wir nachm Spiel in dem Beisl gestanden sind, mit Blick aufs San Siro, einem 3:0 in der Tasche und einem Bier in der Hand, hab ich mir gedacht: well, that’s paradise! 🙂
Quoto in pieno! Das ist Fußball, für alles andere gibt es Mastercard! (jetzt kann ichs ja sagen: Ich war schonmal auf den Faröern…)