Gianluigi Donnarumma

Ich heiße Gigi, wie Buffon, nach der Schule bin ich Torwart

Ich heiße Gigi, wie Buffon, nach der Schule bin ich Torwart: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
4,00 von 5 Punkten, basierend auf 4 abgegebenen Stimmen.
Loading...

Die schönste Parade, die du jemals gesehen hast? „Im Juventus Stadium letztes Jahr. Diego Lopez gegen Marchisio. Unglaublich.“ (Donnarumma im Interview)
Samstag, 21.08, 17.45 Uhr, in einer Viertelstunde wird im San Siro am ersten Spieltag der Serie A das Spiel Milan-Torino angepfiffen. Trainer des Toro ist Sinisa Mihajlovic, der in der letzten Saison noch auf der Bank von Milan saß, bis ihn ein delirierender Berlusconi als letzte Amtshandlung sechs Spieltage vor Schluss entlassen hat. Lächelnd umarmt er seine ehemaligen Spieler im rotschwarzen Trikot, nur Reservetorwart Diego López dreht sich um und verweigert ihm den Gruß. Dem Serben verdankt er seinen Status als Bankdrücker. Samstag, 21.08, 19.50 Uhr, Milans Stammtorhüter Gigi Donnarumma hält in der 95. Minute einen Foulelfmeter von Diego Belotti, sichert dem Team den 3:2 Sieg und die versammelten Fernsehkameras von Sky und Mediaset fangen Mihajlovics Lächeln ein, in dem von Sarkasmus, Stolz, Bitterkeit bis hin zum „ich habe es euch doch gesagt“ so ziemlich alles an Emotionen vertreten ist, die der Fußball zu bieten hat. Dazwischen liegt eine der spannendsten Geschichten, die der italienische Fußball im Moment zu bieten hat. Genauer gesagt die Serie A, das „Altersheim des europäischen Fußballs„. Gianluigi Donnarumma war der klassische dritte Torwart, der üblicherweise aus dem Jugendteam in die erste Mannschaft geholt wird, wo er zwar niemals im Tor stehen wird, aber schonmal mit den Großen trainieren und Wettkampfatmosphäre schnuppern darf, bis er an irgendeinen unterklassigen Verein verliehen wird. Mihajlovic war anderer Meinung und so beförderte er ihn am 25. Oktober 2015, im Alter von 16 Jahren und 8 Monaten, gegen Sassuolo ins Tor. Der zweitjüngste Torwart, der je in der Serie A debütierte, nur Gianluca Pacchiarotti war bei seinem 10-Minuten-Einsatz für Pescara gegen Perugia etwas jünger. López, der früher sein Geld bei den königlichen aus Madrid verdiente, war not amused und augenscheinlich ist er das heute noch nicht. Das Spiel wurde gewonnen und der junge Mann mit dem Flaum am Kinn verteidigte den Platz zwischen den Pfosten erfolgreich. Endgültig zum Publikumsliebling wurde „Gigi“ am 31. Januar 2016, als er sich seinen Fans im ersten Derby stellte: ausverkauftes Stadion, Inter haushoher Favorit, die Milan-Kurve aufgrund der sportlichen Situation zwischen zynisch und wutschnaubend und Gigi grüßt sein Publikum mit der lächelnden Nonchalance eines 16-jährigen, der mit seinen Kumpels nach Feierabend auf dem Hartplatz bolzt. Zwischendurch dirigiert er seine Abwehr, lässt die Angreifer des Gegners verzweifeln, Milan gewinnt das Derby 3:0 und die Fans bescheinigen Donnarumma „Eier aus Edelstahl“ für die Ruhe, mit der er auch mal Ball am Fuß den heranstürmenden Gegner aussteigen lässt. Mein Sohn ist auch 1999 geboren und zeigt mehr Emotionen, wenn er sich im dritten Oberrang des San Siro auf seinen Platz setzt als Donnarumma, wenn er von seinem Platz im Fünfmeterraum aus den 80.000 Zuschauern über ihm zuwinkt. Viele fühlten sich an einen gewissen Paolo Maldini erinenrt, der bei seinem Debüt noch zwei Monate jünger war, allerdings an der Seite erfahrener Abwehrrecken und nicht in einer Rolle, die keine Fehler erlaubt, weil hinter dir niemand mehr steht. Weil hinter dir nur eine weiße Linie ist und vor dir 10 Leute, die den Ball genau hinter dir sehen wollen. Weil rund um dich zehntausende Menschen genau darauf warten. Geboren im süditalienischen Castellammare di Stabia wurde Donnarumma fußballerisch ausgebildet in der Scuola Calcio Club Napoli. Als 9-jähriger trainierte er mit den 13-jährigen und als 14-jähriger wird er 2013 für eine Viertelmillion von Milan verpflichtet. Ab da wurde er von allen seinen Trainern in den „älteren“ Jahrgängen eingesetzt. Während die Gleichaltrigen in „Allievi“ und „Giovanissimi“ von einer Karriere als Profi-Fußballer träumten, holte ihn Trainer Brocchi in die „Primavera“ und Inzaghi fügte den seinerzeit 15-jährigen dann mit einer Ausnahmegenehmigung der Liga der ersten Mannschaft hinzu. Ausnahmegenehmigung, weil man mit 15 Jahren natürlich nicht so spät arbeiten darf. Als der berüchtigte Spielerberater Mino Raiola im Januar vor zwei Jahren von der Gazzetta gebeten wurde, aus 100 Millionen Euro seine Wunschmannschaft zusammenzustellen, tauchten dort Felipe Anderson, Verratti, Depay und Berardi auf. Zwischen den Pfosten ein 15-jähriger Jüngling und alle hielten ihn für verrückt. Mit 17 Jahren und 28 Tagen feierte er sein Debüt in der italienischen U-21 und Millionen Italiener fragten sich, wieso Conte ihn nicht mit zur EM nach Frankreich einlud. Es deutet nichts darauf hin, dass er seinen Stammplatz bei den Rotschwarzen verlieren könnte, höchstens Diego López ist da anderer Meinung. Donnarumma ist im Moment einer der ganz wenigen Hoffnungsträger der Mailänder und die Fans bauen darauf, dass er einer der Fundamentsteine für ein neu aufzubauendes Milan bleibt. Einer der ganz wenigen Diamanten dieses im Niemandsland zwischen Berlusconi und chinesischen Hedgefonds dahinsiechenden Milan. Der gegen Torino in der 95. Minute gehaltene Elfmeter macht ihn zum ersten Minderjährigen, dem das in der höchsten italienischen Spielklasse geglückt ist. Sah ganz einfach aus: einfach dem 6 Jahre älteren Schützen beim Anlauf zuschauen, stehen bleiben, sehen wie er verzögert, eine Finte antäuscht, stehen bleiben, sehen, wie Belotti auf eine Reaktion wartet, stehen bleiben, nach links abtauchen, Ball halten, kurz die Faust in die Luft und seine Vorderleute anschreien. Gianluigi Donnarumma, 1,96 m, 90 kg, hinter sich eine weiße Linie, die über Sieg und Niederlage entscheidet, auf den Ärmeln das Symbol für sieben Titel in der Champions League und für Millionen von Fans die größte Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Da muss er auch kurz lächeln. „Das ist ein Sieg der ganzen Mannschaft, ich habe nur meinen Teil dazu beigetragen“ Klar, der Junge macht halt nur seinen Job.
Man sagt, dass du keinen Druck spürst. Bist du immer so? „Nur auf dem Platz, wenn ich in der Schule an die Tafel muss und merke, dass das nicht gut läuft, schwitze ich.“ (Donnarumma im Interview)