Am Wochenende startet endlich die Serie A und viel hat sich nicht geändert zum Vorjahr. Serienmeister Inter wird sich am Ende wieder den Scudetto aufs Trikot nähen können, dahinter balgen sich 8 Teams um die Krümel. Die Weinroten vom Toro werden ersetzt durch die Weinroten aus Livorno, statt der Pugliesen aus Lecce dürfen nun die Pugliesen aus Bari ran und Kakà wird ersetzt durch die Reserve vom Absteiger Reggina, Davide di Gennaro. Die Topspieler der Liga versuchen sich diese Saison bei spanischen Vereinen und die Zwangsregistrierung von Fußballfans durch die “Tessera del Tifoso” für die Vereine der oberen italienischen Ligen lässt den deutschen Schäuble im Vergleich wie den Kanzlerpräsidenten der Piratenpartei aussehen.
Um der Tristesse der lähmenden Mischung aus bröckelnden Stadien, pyrotechnik-freien Kurven und Teams ohne Spitzenspieler einen Farbtupfer zu verleihen, haben sich Schiedsrichterobman Pierluigi Collina und Sponsor Diadora etwas ganz besonderes einfallen lassen: Nachdem sich meine schmerzenden Augen mittlerweile wenigstens etwas an das schmerzende Boss-Stabilo-Neongelb der Schirikluft gewöhnt haben, werden italienische Stadien ab der Saison 2009/10 durch die Anwesenheit von Schiedsrichtern im Alpenveilchen-Dress aufgewertet.
Nun kenen wir das Veilchentrikot ja bereits als Ausweis des Punktbesten des Giro d’Italia und auf einem flutlichterhellten Rollrasen macht sich so ein Veilchentupferl sicher ausnehmend pompöös. Heute morgen werden die neuen Hemdchen vorgestellt, die neben dem traditionellen Schwarz und dem oben erwähnten Leuchtmarker-Gelb die Spiele der italienischen Serie A aufhellen werden.
Und um den Kontrast der Männer in den pinken Outfits komplett zu machen, wird der italienische Schiedrichterverband gemeinsam mit Liga-Präsident Giancarlo Abete heute um 11.30 Uhr eine Pressekonferenz abhalten, in der auch die neuen Maßgaben für die kommende Saison vorgestellt werden. Die Schiedsrichter werden ab 2010/11 in Stöckelschuhen und Netzstrümpfen…nein, nein, die Herren in den Veilchen-Outfits werden angehalten, das Spiel “laufen zu lassen”, das heisst körperlichen Kontakt großzügiger auszulegen. Es soll “zugunsten des Spektakels” “so wenig wie möglich” gepfiffen werden und die Spieler seien vorgewarnt, sich nicht mehr beim kleinsten Lufthauch oder Trikotzupfer sterbend unter die Grasnarbe des Strafraums zu begeben – solches würde in Zukunft nicht mehr zum Elfmeter führen. Nun, das kan man nur hoffen, auch wen es vermutlich noch ein paar Generationen dauern wird, bis die Gilardinos dieses Landes die neue Regelung verinerlicht haben und sich nicht schon beim bloßen Anblick eines Gegenspielers im Todeskrampf auf den Boden werfen.
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