Blog aus Italien

Davide van de Sfroos

Dienstag, 31. Juli 2007 · 5 Kommentare

Es gibt ein paar wenige Dinge, die ich gegenüber meinem Leben in Berlin dann doch vermisse…Schwarzbrot (gibts als Backmischung zum Selbermachen bei Esselunga), Leberwurst (kann man sich bei Lidl oder Penny besorgen) und Konzerte. Konzerte sind allerdings ein Problem hier auf dem Dorf und umso schöner war es, dass Davide van de Sfroos hier in Verbania spielte. Davide van de Sfroos ist unumschränkter Herrscher über mein Autoradio und unbedingter Liebling meines Siebenjährigen.

Der nun in der Tat holländisch anmutende Van de Sfroos heisst in anderen Zusammenhängen Davide Bernasconi und singt und schreibt im Dialekt des Lago di Como, präziser “laghée“, einer für halb-eingemeindete Deutsche komplett unverständlichen Variante des Italienischen, freundlicherweise finden sich auf den CDs und im Internet. Musikalisch trifft der Mann allerdings bei mir voll ins Schwarze. Beeinflusst von Punk und besonders in jüngerer Zeit von Spielarten des Blues und Jazz beschleunigt er und seine exzellente Band traditionelle Motive der alpinen Volksmusik. Keine Angst, das ganze klingt dann nicht nach Randfichten oder Herzbuben sondern deutlicher nach den Pogues. Und das wäre dann auch das grösste Kompliment, das ich einer Liveband aussprechen könnte.

Van de Sfroos, der auch schreibt und Autor verschiedener Geschichten- und Gedichtbände ist, beginnt das Konzert mit einem spartanisch instrumentalisierten Acoustic-Set (Gitarre, Akkordeon, Fiddle), herrlich untermalt von einer auf zwei Leinwände projizierten Show seiner Fotografien vom Lago di Como. Nach ca. einer halben Stunde wird der Rest der vielköpfigen Band dazugerufen, damit die Fans auch was zum Hüpfen haben. Irgendjemand hat ihm die Idee eingeflüstert, Leute auf die Bühne zu holen, um die jeweiligen Songs darzustellen. Was besonders nett ist, weil sich dort Schmuggler, Huren, Carabinieri und andere zwielichtige Gesellen nur so tummeln.

Das Ganze hat unglaublich viel Spaß gemacht, van de Sfroos verbreitet eine seltene Bühnenpräsenz; Italienischkenntnisse sind sehr hilfreich, um seine Witze und Geschichten zwischen den Liedern zu verstehen, die machen die Hälfte des Spasses aus. Und Bands, die trotz einiger Berühmtheit immer noch für 10 Euro fast 3 Stunden lang die Fetzen fliegen lassen, müssen sowieso und unbedingt unterstützt werden.Hier ein paar interessante Fakten von Wiki (italienisch) http://it.wikipedia.org/wiki/Davide_Van_De_Sfroos und seine Seite: http://www.davidevandesfroos.com/ Klickt auf “Tour” für die Konzertdaten und geht hin: ein Vorgeschmack auf die Musik ist dieses Video hier:

http://www.davidevandesfroos.com/video.asp?video=dvd.swf

Und diese hier hab ich mit dem Handy gemacht…schlechte Qualität aber zumindest ein Eindruck…


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Davide

Davide 2

Davide 3 Davide 4

Tags: Musik

5 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Butch Jonny // Dez 5, 2007 at 22:06

    die myspace seite von ihm iss auch nicht schlecht. macht echt nette musik. ich werd wohl doch mal italienisch lernen müssen…

  • 2 admin // Dez 6, 2007 at 10:03

    Italienisch lernen ist immer eine gute Idee (schon weil man dann das Manifesto lesen kann), aber verständlich ist laghèe dann immer noch nicht. ;) Aber dafür schreibt er ja auch Bücher… Ich mag ihn jedenfalls sehr gern, echte Volxmusik ist ja immer gut - aber Davide muss man live erleben: http://www.davidevandesfroos.com/ “Tour”

  • 3 Butch Jonny // Dez 6, 2007 at 15:03

    die zeitung manifesto kenn ich. hab in italien immer so getan, als ob ich sie lesen könnte. eigentlich hab ich mir vielmehr die bilder und die überschriften angekuckt. aber gekauft hab ich sie trotzdem. allein schon um die corriere und >em>gazette typen zu ärgern… letzten herbst war ich in bologna übrigens beim modena konzert. das war auch nich schlecht. und hat vor allem nur 8 EUR gekostet. die haben zwar nur circa 2 1/2 h gespielt, aber viel länger hätte es nicht sein dürfen. der iss komplett vom ersten song an gesprungen…

    in berlin iss übrigens im dezember - am 14./15. - das fire & flames festival im kato am schlesischen tor. betagarri iss übrigens auch da. lohnt sich bestimmt!

  • 4 admin // Dez 6, 2007 at 15:22

    Na prima…und ich komm erst am 17. in Berlin an. :( Betagarri lohnt sich bestimmt auch, aber Leute, schaut mal bei Oi Polloi vorbei (nein, keine Oi! Band) - die kenne ich noch aus meiner Zeit in Schottland 1992/93 (auch wenn von damals sicher niemand mehr dabei ist).

  • 5 Modena City Ramblers » Von altravita » Musik » Italien blog // Feb 18, 2008 at 17:34

    [...] Bassotti oder eben die folgenden Modena City Ramblers oder auch regional verwurzelte Musiker wie Davide van de Sfroos. Und selbst kommerziell erfolgreiche Projekte müssen nicht zwingend künstlerisch wertlos [...]

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