AS Roma Away Card

AS Roma Away Card

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Nachdem sich der Kampf gegen die ungeliebte „Tessera del Tifoso“ in Italien auf mehreren Ebenen abspielt (Verbraucher- und Datenschutz, verfassungsrechtlich, Ultrà-Proteste), ist die Sachlage zum Thema auch eher komplex bis undurchsichtig. Rein theoretisch ist die Tessera weiterhin obligatorisch für den Abschluss von Heim-Dauerkarten und den Besuch des Auswärtsblocks. Dem unterliegt die entsprechende Forderung des berüchtigten „Articolo 9“, der ein ganzes Maßnahmenpaket zum Stadionbesuch in Italien beinhaltet. Dieser kann nur durch das Parlament abgeändert bzw. aufgehoben werden und da derartiges zumindest im Moment nicht in Sicht ist, versuchen die Beteiligten, alternative Kompromisse zum staatlichen Bürokratiewahn anzubieten.

Eine besonders pfiffige Strategie fand diese Saison der AS Roma, der mit der Einführung der sogenannten „Fidelity Card“ ein Erfolgsmodell schuf, das mittlerweile von mehreren Vereinen kopiert wurde. Um die repressive Gesetzgebung zu umgehen und trotzdem den Fans Zutritt zu preisreduzierten Abonnements zu öffnen, die prinzipiell gegen die „Tessera del Tifoso“ protestieren, wurde folgende Strategie verfolgt: Zwar dürfen Fans ohne „Tessera“ laut Gesetzeslage keine Saison-Dauerkarte erwerben, allerdings betrifft das nicht sogenannte Mini-Abos. Und so führte der AS Roma als erster Verein eine solche Voucher Card ein, die zum rabattierten Erwerb eines Blocks von Heimspielkarten berechtigt. Und das unter völliger Umgehung der Tessera del Tifoso. Wie gesagt, ein Erfolgsmodell.

Problematisch ist ja, dass der Erwerb von Einzeltickets für alle Heimspiele schnell mal das Doppelte einer Saison-Dauerkarte kosten kann. Puristen mögen einwenden, dass das eigentliche Problem der Art. 9 mit seiner Datensammelwut ist und nicht etwa die „Tessera“, aber im Zuge einer Politik der kleinen Schritte ist dieser zumindest symbolische Sieg nicht hoch genug zu halten. Bliebe das Problem der Auswärtsfahrten: Bis auf wenige auf Linie gebrachte Fanlager (Juve, Inter, Milan, Hellas) hatte sich die organisierte Fanszene bekanntlich der Tessera verweigert mit dem Ergebnis, dass Auswärtsblöcke entweder gleich leer blieben oder von „normalen“ Fans eher mäßig gefüllt – und vor allem animiert – wurden. Und so ein Stadionerlebnis ohne Auswärtsfans ist natürlich nur die Hälfte wert.

Umso schöner, als die Roma sich auch diesbezüglich Gedanken gemacht hat und ihren Fans mit der „AS ROMA CLUB AWAY“ am dem 4. April 2013 nun eine Fidelity Card anbietet, die zum Erwerb von Auswärtstickets berechtigt. Und zwar wieder ohne Vorlage der „Tessera del Tifoso“. Zwar können die zuständigen Polizeibehörden einem Fan immer noch die Ausstellung verweigern, aber das können sie bei Einzeltickets auch. Im Sinne einer weiteren Aufweichung und Verwässerung der Gesetzgebung gegen Stadionfans ist diese Initiative als pragmatischer Umgang mit den Gegebenheiten nur zu begrüßen. Jeder AS Roma Fan kann ab Anfang April also seiner Mannschaft folgen, ohne dafür die Tessera haben zu müssen.

Die rührige Organisation myRoma, deren Ziel es ist, Fans als Anteilseignern des Clubs Mitspracherecht zu schaffen, veranstaltet daher am 26. März von 18-21 Uhr eine für alle Fans offene Informationsveranstaltung (im „Spazio Informale“, in der Via dei Cerchi 75), bei der sich unter Moderation des Journalisten Daniele Lo Monaco die Diskutanten Walter Campanile (Präsident von MyROMA), Fananwalt Lorenzo Contucci (Vize-Präsident MyROMA), Paolo Cento (Gesellschafter MyROMA) und der Journalist Tonino Cagnucci das Projekt vorstellen, erläutern und Fragen beantworten:

AS ROMA CARD AWAY: PER IL MONDO SEGUENDO LA ROMA

Es gibt noch jede Menge zu tun, bis in Italien der Stadionmfan wieder als normaler Staatsbürger oder wenigstens geschätzter Kunde fühlen darf. Aber solange die Politik sich des Themas nicht annimmt, sind solche Initiativen von Vereinen und Fanvertretungen, den Stadionbesuch irgendwie trotzdem zu ermöglichen, unbedingt erforderlich. Ich wünsche mir sehr, dass das Projekt ein Erfolg wird und viele Nachahmer findet. Ohne Tessera auswärts – das war seit Jahren ein Traum.