Derby di Milano

Götterdämmerung: AC Milan gehört nicht mehr Berlusconi

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„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird.Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“
Georg Christoph Lichtenberg

Seit heute ist der AC Milan nicht mehr in der Hand von Silvio Berlusconi. Nach einem hollywoodreifen Verhandlungsmarathon befindet sich der siebenfache Champions-League-Gewinner in der Hand eines chinesischen Konsortiums unter Führung von Li Yonghong. Die 99,93% in den Händen von Berlusconis Holding „Fininvest“ gehören nun des luxemburgischen Finanzvehikels „Rossoneri Sport Investment Lux“. Und damit auch die Geschichte eines der erfolgreichsten Fußballklubs des Kontinents, der Wert einer der weltweit stärksten Marken und die Hoffnungen für die Zukunft von Millionen von Fans. „Wir danken Berlusconi und Fininvest für das Vertrauen, den Fans für ihre Geduld, ab heute konstruieren wir die Zukunft.“ Der Kaufpreis beträgt 740 Millionen Euro, beinhaltet sind die ca. 220 Millionen Euro an Verbindlichkeiten.

Damit endet eine 31-jährige Epoche, in der der Ex-Premierminister den Verein zunächst als Konkursmasse aufkaufte und zügig an die absolute Weltspitze führte. Hochtechnologisches Trainingszentrum, wissenschaftlich analysierte Trainingsmethoden, hyperventilierender Transfermarkt – bei Milan wurde der Grundstein für den „calcio moderno“ gelegt, erstmals wurde ein Fußballverein wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt. Und auch mit Hilfe der fußballerischen Erfolgswelle konstruierte sich der Zampano am Ruder eine politische Karriere. Bis ihm, so gegen 2008, Geld und Lust ausgingen und er seine Aufmerksamkeit vermehrt anderen Spielfeldern widmete. Die einsetzende sportliche Abwärtsspirale sorgte dafür, dass die Geduld der Fans in den letzten Jahren über Gebühr strapaziert wurden und viele Rossoneri den Kopf des Königs forderten.

Sicherlich hätte man einen italienischen Investor begrüßt, aber die Finanzkraft der italienischen Wirtschaft scheint im Moment keine Alternativen hervorzubringen. Roma und Inter befinden sich seit längerem in den Fängen internationaler Investorengruppen, Palermo seit Kurzem. Und Fans vieler anderer Vereine würden ihren Cellini, Zamparini oder Pulvirenti auch gern eintauschen. Nun also ein hastig zusammengenähtes chinesisches Finanzkonstrukt. Mit allen Unwägbarkeiten, die dies für die Zukunft bedeuten kann. Dabei ist die Sorge der Fans nicht die, einem Investoren ausgeliefert zu sein. Das sind italienische Vereine schon immer und man fährt damit mehr oder weniger gut. Die Unsicherheit resultiert aus der Tatsache, dass man über die Zusammensetzung der neuen Inhaberschaft, der neuen Vereinsführung, der neuen Mannschaft nichts weiß.

Auf der anderen Seite handelt es sich aber eben auch nicht um reiche Araber, die sich ein neues Spielzeug zulegen, um kurz darauf die Lust zu verlieren. Ich unterstelle, dass man sich in China vom 740-Millionen-plus-Spesen-Investment einen Gewinn erwartet und ich gehe davon aus, dass man dementsprechend versucht, den Wert der Mannschaft und der Marke zu steigern. Der Weg dorthin scheint mir klar umrissen: Titel und ein eigenes Stadion. Titel kann niemand versprechen, aber auf der anderen Seite müsste man sich auch anstrengen, um das derzeitige zusammengewürfelte Team aus anderswo Ausgesonderten, Leihgaben und jungen Talenten nicht zu verbessern. Die Fans werden die neuen Inhaber an den Ergebnissen messen. Zunächst muss man sich aber ein Bild machen von den neuen Inhabern und deren Plänen.

Unter der Ägide Berlusconis gewann man folgendes:

8 Meisterschaften (1987-1988, 1991-1992, 1992-1993, 1993-1994, 1995-1996, 1998-1999, 2003-2004, 2010-2011)
1 Pokal (2002-2003)
7 Italienischer Supercup (1988, 1992, 1993, 1994, 2004, 2011, 2016)
5 Champions League (1988-1989, 1989-1990, 1993-1994, 2002-2003, 2006-2007)
5 Europäischer Supercup (1989, 1990, 1994, 2003, 2007)
2 Weltpokal (1989, 1990)
1 FIFA Klub-Weltmeisterschaft (2007)

Dieses Erbe zu übernehmen ist wirklich eine Herausforderung. Glücklicherweise findet bereits am Samstag das erste Derby statt. Gegen Inter. Inter gehört den Chinesen von Suning.