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	<title>Italien blog &#187; Filme</title>
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	<description>Betrachtungen eines Deutschen in Italien</description>
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		<title>L&#8217;ultimo ultràs &#8211; Ein Film von Stefano Calvagna</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 11:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>altravita</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es h&#246;rte sich so sch&#246;n an, als Stefano Calvagnas Film &#8220;L&#8217;ultimo ultràs&#8221; (&#8220;Der letzte Ultrà&#8221;) angek&#252;ndigt wurde: Giancarlo &#8220;Sandokan&#8221; Lombardi, einer der F&#252;hrer der Curva Sud, Capo der &#8220;Guerrieri&#8221;, sollte mitspielen und selbst Shevchenko sollte mit einem Gastauftritt f&#252;r Authentizit&#228;t sorgen. Nun, machen wir es kurz, herausgekommen ist ein Film, der mit &#8220;Der letzte Scheiss&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.altravita.com/wp-content/uploads/2010/03/Manifesto.jpg"><img src="http://www.altravita.com/wp-content/uploads/2010/03/Manifesto-150x150.jpg" alt="L&#039;ultimo ultràs" title="L&#039;ultimo ultràs" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-1268" /></a>Es h&#246;rte sich so sch&#246;n an, als Stefano Calvagnas Film <em>&#8220;L&#8217;ultimo ultràs&#8221;</em> (&#8220;Der letzte Ultrà&#8221;) angek&#252;ndigt wurde: Giancarlo &#8220;Sandokan&#8221; Lombardi, einer der F&#252;hrer der Curva Sud, Capo der &#8220;Guerrieri&#8221;, sollte mitspielen und selbst Shevchenko sollte mit einem Gastauftritt f&#252;r Authentizit&#228;t sorgen. Nun, machen wir es kurz, herausgekommen ist ein Film, der mit &#8220;Der letzte Scheiss&#8221; vermutlich immer noch die Erwartungen zu hoch h&#228;ngen w&#252;rde. Satte 90 Minuten verschenkte Lebenszeit hielt die hei&#223; erwartete DVD f&#252;r mich bereit.</p>
<p>Angetreten war Calvagna mit der Idee, die Passion Ultrà erlebbar zu machen, einen spannenden Krimi um einen w&#228;hrend einer Auseinandersetzung erstochenen Fan zu schaffen, eine Liebesgeschichte zu erz&#228;hlen. Herausgekommen ist ein formidables Schlafmittel, das Werk lebt bis zum Ende nur von der Wette &#8220;Passiert hier noch irgendetwas oder nicht?&#8221;. Stefano Calvagna ist gl&#252;cklicherweise Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person, jeder andere Regisseur h&#228;tte Calvagna bestimmt vom Set geschmissen und jeder andere Hauptdarsteller h&#228;tte sich geweigert Calvagnas pathetische Monologe zu rezitieren. Dummerweise fehlt jedes Regolatorium und so stolpert unser Held von einem h&#246;lzernen Dialog zum n&#228;chsten, ohne auch nur einen Gesichtsmuskel zu bewegen, ohne auch nur einmal den Mund zu &#246;ffnen. Man m&#246;chte ihn am Kragen packen und sch&#252;tteln, um ihm irgendeine sichtbare Emotion zu entlocken. Irgendwann m&#246;chte man auch die anderen Schauspieler sch&#252;tteln. Und irgendwann m&#246;chte man nur noch, dass das Elend von wenigstens einer Werbeunterbrechung belebt wird.</p>
<p>Die Frauen sind alle ausnehmend h&#252;bsch und verfallen s&#228;mtlichst vom Fleck weg dem Hauptdarsteller. Einem Protagonisten, der nicht nur nicht besonders h&#252;bsch anzuschauen ist, sondern v&#246;llig abgerissen in einem Hotel am Lago di Garda haust und sich bruchlos durch s&#228;mtliche Szenen nuschelt. V&#246;llig nachvollziehbar, dass jedes der den Film bev&#246;lkernden feengleichen Wesen sich ihm stante pede an den Hals wirft. Genauso realistisch geht es dann auch gleich weiter: Die wenigen Kampfszenen sind derma&#223;en schlecht gestellt und von derart affig maskierten Ultrà-Darstellern gespielt, dass man sich einen Auftritt von Bruce Lee herbeisehnt. Mehr als an violente Auseinandersetzungen von hei&#223;bl&#252;tigen Fans erinnert das Theater an eine Gruppe 10-j&#228;hriger, die sich bei Mc Donald&#8217;s um die Geburtstagstorte balgt. Und &#252;berhaupt Theater: die Dialoge zwischen dem wohlmeinenden Vater und &#8220;Luca&#8221; (oder wie der Hauptdarsteller gerade hei&#223;t, er ist ja auf der Flucht) h&#228;tten in einer Shakespeare-Auff&#252;hrung im Provinztheater von Santo Stefano al Mare vielleicht noch irgendjemand Verwirrten zum Klatschen animiert, im Umfeld eines um seinen gewaltt&#228;tigen Sohn besorgten Vaters sorgen die h&#246;lzernen Rezitationen h&#246;chstens f&#252;r ein gezieltes Zucken zur Fernbedienung.</p>
<p>Handlung hat &#8220;L&#8217;ultimo ultràs&#8221; wohl auch. Zu Beginn ersticht &#8220;Luca&#8221; einen gegnerischen Ultrà, versteckt sich am Gardasee (wenigstens das wird deutlich, dasselbe Seepanorama mit der selben F&#228;hre wird gef&#252;hlte 12 mal eingeblendet), wird von einem anderen b&#246;sen Ultrà (Lombardi) erpresst, w&#228;hlt seine Lieblingsfrau aus, die sich dann am Ende ausgerechnet als&#8230; und diese armselige Wendung aus dem Handbuch des Kurses &#8220;kreatives Schreiben f&#252;r Damen im besten Alter&#8221; spare ich jetzt aus, obwohl diese brunzd&#228;mliche Volte noch einmal einen besonderen Lacher verdient h&#228;tte.</p>
<p>Insgesamt ein h&#246;chst entt&#228;uschendes Machwerk, dass im Laufe der anderthalb Stunden aber auch die letzte Hoffnung auf irgendwelche wenigstens banale Unterhaltung abw&#252;rgt. Eine &#8220;Story&#8221;, die unglaublich langweilig zwischen hundertprozentiger Vorhersehbarkeit und v&#246;llig absurden und nicht nachvollziehbaren Wendungen oszilliert und am Ende h&#246;chstens die Frage aufwirft, wieso sich jemand derart den Abend versauen sollte, wenn doch im Fernsehen gleichzeitig Eisstockschie&#223;en aus der zweiten d&#228;nischen Liga &#252;bertragen wird. Darsteller, von denen kein einziger jemals irgendeine Mimik praktiziert und dazu passende Dialoge, die in ihrer kompletten Ironiefreiheit 1. Mai-Demonstrationen in der SBZ entnommen scheinen.</p>
<p>Beste Szene ist die Eingangssequenz, in der eine Horde Ultràs auf Ausw&#228;rtsfahrt Schlachtges&#228;nge verbreitet. Die wacklige Handkamera sorgt f&#252;r eine halbwegs authentische Stimmung. Die dauert allerdings leider nur zwei Minuten an, dann fliegen Steine gegen den Bus, man steigt aus und man sieht einen Haufen Jugendlicher, die erst versuchen, so zu tun, als w&#252;rden sie sich hauen und dann so zu tun, als w&#252;rden sie betroffen dreinschaun. Schlechteste Szene ist der ganze Rest, wobei sich die obligate &#8220;Liebeszene&#8221; zwischen &#8220;Luca&#8221; und seiner Herzensdame eine besondere Erw&#228;hnung verdient. Mit einer halbnackten Dame auf dem Schoss muss man erst einmal so b&#228;rchenhaft knuddelig dazusitzen verstehen, zumal als vermeintlich brutaler Messerstecher mit Problemen in der Frustrationstoleranz. Da hatte sich die Dame sicherlich anderes versprochen. Wer nicht?</p>
<p>Hier noch der Trailer. Offensichtlich hatte man nicht gen&#252;gend zeigenswerte Szenen:</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/-hY4ucwNLTM&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/-hY4ucwNLTM&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" width="500" height="400" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>PS: Shevchenko w&#228;scht sich &#252;brigens gerade auf dem Klo die H&#228;nde, als ihn &#8220;Luca&#8221; unvermittelt anspringt und ihm einen Monolog &#252;ber das Herz von &#8220;Ultrà&#8221; an und f&#252;r sich aufsagt. Als sich unser Hauptdarsteller durch das Pamphlet gew&#252;rgt hat, klopft ihm Sheva lieb auf die Schulter. Aber er lacht wenigstens nicht. Grande Sheva!</p>]]></content:encoded>
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		<title>Si può fare &#8211; Ein Film mit Claudio Bisio</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 14:23:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>altravita</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ebenso wie &#8220;matti per il calcio&#8221; ist der Film &#8220;Si può fare&#8221; (&#8220;Das kann man machen&#8221;) den &#252;ber 30.000 sozialen Kooperativen gewidmet, die sich ab den 80er Jahren den unter dem &#8220;Legge Bersani&#8221; aus den italienischen geschlossenen &#8220;Irrenanstalten&#8221; entlassenen Menschen mit psychiatrischen Auff&#228;lligkeiten Arbeit, Besch&#228;ftigung und teilweise selbstbestimmtes Leben erm&#246;glichten. Der 2008 erschienene Kinofilm von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ebenso wie <a href="http://www.altravita.com/matti-per-il-calcio-verrueckt-nach-fussball.php"><em>&#8220;matti per il calcio&#8221;</em></a> ist der Film <em>&#8220;Si può fare&#8221;</em> (&#8220;Das kann man machen&#8221;) den &#252;ber 30.000 sozialen Kooperativen gewidmet, die sich ab den 80er Jahren den unter dem <em>&#8220;Legge Bersani&#8221;</em> aus den italienischen geschlossenen &#8220;Irrenanstalten&#8221; entlassenen Menschen mit psychiatrischen Auff&#228;lligkeiten Arbeit, Besch&#228;ftigung und teilweise selbstbestimmtes Leben erm&#246;glichten. Der 2008 erschienene Kinofilm von Giulio Manfredonia hat zudem den in allen Belangen gro&#223;artigen und in Italien sehr verehrten Comedian <a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Claudio_Bisio" target="_blank">Claudio Bisio</a> aus dem mindestens ebenso beliebten Cabaret-Programm &#8220;<a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Zelig_(programma_televisivo)" target="_blank">Zelig</a>&#8221; in der Hauptrolle. Und <a href="http://www.claudiobisio.it/jolly/default.asp?codice=manfredonia" target="_blank">Claudio Bisio </a>verspricht neben brilliantem Wortwitz eine schauspielerische Pr&#228;zision, dass ich mir den Film schon fett markiert hatte, bevor er endlich in meinem Provinzkino aufschlug.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Welche Rolle in einer Gemeinschaft kann jemand einnehmen, der nie spricht und dessen Lebenslauf armselig ist? Den Pr&#228;sidenten!&#8221;</em><br />
(Nello)</p></blockquote>
<p><em>&#8220;Si può fare&#8221;</em> ist eine Kom&#246;die, eine hintergr&#252;ndige, tiefsinnige, aber dabei ungemein entspannte Kom&#246;die, die mit ungeahnter Leichtigkeit ein gar nicht so leicht zu beackerndes Thema behandelt, so dass man sich zun&#228;chst ganz entspannt zur&#252;cklehnen und laut loslachen kann. Nun wei&#223; ich nicht, wie es der &#252;blichen Betroffenheitsfraktion geht, ich fand mich hervorragend unterhalten, habe stellenweise laut gelacht und ganz nebenbei eine saubere Lektion &#252;ber das Leben erhalten. Eine Kom&#246;die &#252;ber geistig Behinderte? Kann man machen! Hauptsache, man macht es gut.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Ich gebe denen nicht recht, weil sie verr&#252;ckt sind. Ich habe sie immer als Gleiche behandelt. Wenn sie mich aufregen, rege ich mich auf: das ist Respekt.&#8221;</em><br />
(Nello)</p></blockquote>
<p>Nello (Claudio Bisio) ist 1983 ein Mail&#228;nder Gewerkschafter und nicht nur sein &#196;u&#223;eres erinnert an Lenin, auch seine Argumentation l&#228;sst keinen Zweifel an der politischen Ausrichtung des Mannes. Nun besitzt er auch einen Kopf zum Denken und sein gerade erschienenes Buch zu Fragen des Marktes wird von seinen stalinistischen Kampfgenossen nicht eben begeistert aufgenommen und so findet er sich kurz darauf abgeschoben auf dem Platz des Chefs der <em>&#8220;Cooperativa 180&#8243;</em> wieder, eine der zehntausenden Projekte f&#252;r Behindertenarbeit, die nach dem Basaglia-Gesetz (<em>legge 180</em>) in ganz Italien entstanden. Auch hier ist nicht alles Gold, was gl&#228;nzt und Nello erkennt schnell, dass von ihm nicht wirklich eine Arbeit erwartet wird: Bei seinem ersten Besuch tropft er vom professionell &#252;berheblichen medizinischen Leiter der Institution ab und wird von den Briefmarken klebenden und schwerst medizinierten Patienten bestenfalls h&#246;flich ignoriert, andernfalls auch aggressiv abgelehnt. Kleiner glatzk&#246;pfiger Weltrevoluzzer trifft mit seinem vollen Enthusiasmus auf eine unterdr&#252;ckte Arbeiterklasse, die sich partout nicht retten lassen will. Sein erster Arbeitstag endet mit einer blutigen Nase. Ein erster Sprenkel rot im grauen Klinikalltag.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Wenn er w&#252;tend wird, sag ihm, dass ich als letzter unterschrieben habe&#8230;&#8221;</em><br />
(Fabio)</p></blockquote>
<p>Aber so schnell l&#228;sst sich Nello nicht aufhalten. Er will Ver&#228;nderung und Ver&#228;nderung soll es sein. V&#246;llig frei von Erfahrungen auf dem Gebiet und mit einer geh&#246;rigen Portion Naivit&#228;t nimmt er sich vor, das Wort &#8220;Kooperative&#8221; mit Leben zu f&#252;llen &#8211; eine herrschaftsfreie Zusammenarbeit erwachsener Menschen. Er ruft also die Meute zusammen und erkl&#228;rt ihnen den Sinn und Zweck einer Kooperative und gemeinsam erarbeitet man Rollen in dem zu entstehenden R&#228;derwerk. Jeder nach seinen M&#246;glichkeiten, jedem nach seinen Leistungen. Und &#252;berhaupt sei Briefmarkenkleben keine angemessene Arbeit &#8211; gemeinsam einigt man sich darauf, den Markt f&#252;r Parkettlegearbeiten aufzumischen. &#8220;Gemeinsam&#8221; bleibt fortan das bestimmende Wort und der Stolz der derart mit Achtung und Verantwortung ausgestatteten Mitglieder der Kooperative dr&#252;ckt sich zun&#228;chst einmal in Staunen und Verwunderung aus.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Wir sind v&#246;llig raus aus der Stadt! Diese Strassen gibt es gar nicht!&#8221;</em><br />
(Ossi, als man in Mailand stundenlang an einer Baustellenumleitung verharrt)</p></blockquote>
<p>Und die &#8220;Cooperativa 180&#8243; macht sich an die Arbeit. Wie zu erwarten l&#228;uft in dem verr&#252;ckten Haufen mehr schief, als Nello sich erwartet hatte, aber langsam nimmt das Projekt Gestalt an. Und was f&#252;r eine Gestalt &#8211; die Telefonistin ist leicht nymphoman, telefoniert aber gern. Der Fahrer ist ein verhinderter Formel 1-Pilot, seine Krankheit erlaubt ihm aber nur, ausschlie&#223;lich den 2. Gang zu benutzen. Und der Buchhalter kann hervorragend mit Zahlen umgehen, steht mit diesem Talent allerdings weitgehend allein da, der Rest der Gruppe mag sich nur schwer an dessen Pr&#228;zision gew&#246;hnen. Die Krankheitsbilder und Besonderheiten der bunten Truppe sind derart vielf&#228;ltig, dass es t&#228;gliches Kopfzerbrechen braucht, den &#252;ber sie hereingebrochenen Gemeinschaftssinn aufrechtzuerhalten. Nun, und Luca und Gigio (Giovanni Calcagno und Andrea Bosca) entdecken ihre k&#252;nstlerische Ader ausgerechnet in dem Moment, als sie in einem eher aristokratischen Klub den erzkonservativen Inhaber mit einem fein ziselierten gigantischen f&#252;nfzackigen Stern auf dem Fussboden &#252;berraschen &#8211; den Jungs war das Parkett ausgegangen und sie erfanden das Kunstwerk aus Vers&#228;gest&#252;cken und sonstigen Resten.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Wir machen alles aus Abfall, das hier ist eine Kooperative aus Abfall.&#8221;</em><br />
(Ossi)</p></blockquote>
<p>Zu aller &#220;berraschung ist das Kunstwerk ein Erfolg und fortan wird die <em>Cooperativa </em>mit Auftr&#228;gen &#252;berschwemmt. Ganz langsam und in kleinsten Schritten erarbeitet sich die Kooperative ihr Selbstbewusstsein sind alle noch &#252;berzeugt von dem, was ihnen ein Leben lang eingebleut wurde, dass sie nichts wert seien und nichts k&#246;nnen. Aber von Arbeit zu Arbeit, von Sieg zu Sieg, im Arbeitsalltag wie bei ersten Kontakten mit dem anderen Geschlecht, begreifen die Patienten, dass sie trotz ihrer mannigfaltigen Limitierungen weit mehr sind als fremdbestimmte Kinder. Nello beschliesst, die Medikation zu verringern und nachdem er sich beim Arzt Del Vecchio (Giorgio Colangeli) einen Korb holt, holt er den jungen und modern denkenden Dottore Furlan (Giuseppe Battiston) ins Boot. Die Medikamentendosis wird reduziert und mit Mitteln der Europ&#228;ischen Union zieht die Gruppe in einen neuen Sitz ein. Nun stelle man sich diesen von den neuen Freiheiten v&#246;llig &#252;berdrehten Haufen vor, dem es an Problemen nicht mangelt: Der smarte Gigio verliebt sich in eine Kundin, der Ausflug der durch die Reduktion an Tranquilizern enthemmten Truppe auf den Stra&#223;enstrich sorgt f&#252;r allgemeine Belebung und das wachsende Selbstbewusstsein der Truppe macht Nello insgesamt mehr Probleme als erwartet.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Wir sind verr&#252;ckt, nicht bescheuert.&#8221;</em><br />
(Luca)</p></blockquote>
<p>Aber man w&#228;chst zusammen und alle Beteiligten sind immer wieder &#252;berrascht, zu welchen Leistungen man gemeinsam f&#228;hig ist. Eine Leistungsf&#228;higkeit, die den Patienten von der Gesellschaft ein Leben lang abgesprochen wurde. Selbstverst&#228;ndlich macht es Freude, den ihre neue Welt entdeckenden Patienten bei der kindlichen Eroberung des Planeten zuzuschauen. Auch tragische Verluste muss die Truppe einstecken, Selbstzweifel, Angst und Resignation. Zwischenzeitlich hat es den Anschein, als h&#228;tte man sich &#252;bernommen und w&#252;rde an &#228;u&#223;eren und inneren H&#252;rden letztlich dann doch scheitern und den Zweiflern recht geben. Aber erstaunlicherweise ist es am Ende der chronisch skeptische Doktor Del Vecchio, der Nello zum Weitermachen verpflichtet und ihm seine nicht f&#252;r m&#246;glich gehaltenen Erfolge auflistet. Der Institutsleiter beschw&#246;rt Nello, seine unglaubliche Arbeit nicht aufzugeben und weiterzumachen. Und so schliesst der Film mit einem Blick &#252;ber die neu eingetroffenen Helfer aus anderen Kooperativen und einem Schwenk &#252;ber die bereits vorgefertigten Parkettteile f&#252;r einen Riesen-Auftrag f&#252;r die Pariser Metro. Sie haben es geschafft.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Die haben gegen dich gestimmt. Hast du nicht begriffen, dass das dein sch&#246;nster Sieg ist?&#8221;</em><br />
(Doktor Furlan)</p></blockquote>
<p><em>&#8220;Si può fare&#8221;</em> ist eine erfrischende und blitzgescheite Kom&#246;die, besser: Tragikkom&#246;die, &#252;ber das Leben aus verschiedenen Blickwinkeln. Jeder der <em>&#8220;Cooperativa 180&#8243;</em> bringt seine St&#228;rken in die Gruppe ein und jeder einzelne macht die Gruppe st&#228;rker. Ausgehend vom Krankheitsbild ergibt sich ein facettenreicher, mosaikartiger Blick auf all unsere Selbstverst&#228;ndlichkeiten des &#8220;normalen&#8221; Lebens und so lernt Nello im Laufe seiner Arbeit mindestens ebensoviel hinzu wie seine Mitstreiter. Unter anderem, dass die Weltrettung in kleinen Dingen beginnt und sein eigenes Leben mindestens ebenso planlos organisiert ist wie das seiner neuen Mitstreiter. Ein streckenweise unglaublich lustiger Film mit geistig Behinderten, der g&#228;nzlich ohne erhobenen Zeigefinger oder sonstiges Gutmenschentum daherkommt und sich niemals zu ernst nimmt: Kommunistische Weltverbesserer werden ebenso vorgef&#252;hrt wie die uns&#228;gliche Ignoranz der angeblich geistig leistungsf&#228;higeren Normalbev&#246;lkerung. Und ein Film &#252;ber die Freundschaft, den Willen, auch im Kleinen die Welt zu ver&#228;ndern und den Spass am Leben &#8211; v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, was die Mehrheit als Leben gerade definiert.</p>
<p><strong>Si può fare (2008)- Offizieller Trailer</strong></p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/fm9eZtn5XUQ&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/fm9eZtn5XUQ&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" width="500" height="400" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><strong>Si può fare &#8211; Wie man eine Kooperative gr&#252;ndet</strong></p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/qMigJ0X-5jM&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/qMigJ0X-5jM&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" width="500" height="400" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>]]></content:encoded>
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		<title>Matti per il calcio &#8211; Verr&#252;ckt nach Fussball</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 12:53:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>altravita</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Sportdirektoren, die Schiedsrichter in der Umkleide einsperren, abgeh&#246;rte Schiris und Spieler, verkaufte Meisterschaften. Es reicht, die sollen ihren Fussball behalten. Die Kranken sid die, nicht wir. Die Leute sollten die Fernsehger&#228;te abschalten und unsere Spiele anschauen kommen, denn unserer ist der wahre Fussball: der Staub, der Schlamm, die Tore mit v&#246;llig zerrissenen Netzen. Und vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>&#8220;Sportdirektoren, die Schiedsrichter in der Umkleide einsperren, abgeh&#246;rte Schiris und Spieler, verkaufte Meisterschaften. Es reicht, die sollen ihren Fussball behalten. Die Kranken sid die, nicht wir. Die Leute sollten die Fernsehger&#228;te abschalten und unsere Spiele anschauen kommen, denn unserer ist der wahre Fussball: der Staub, der Schlamm, die Tore mit v&#246;llig zerrissenen Netzen. Und vor allem der Wunsch, zusammen zu sein. Ein gesunder, gesundester, Fussball, sogar therapeutisch. Denn mir hat der Fussball das Leben gerettet. Im wahrsten Sine des Wortes.&#8221;</em><br />
Carlo Strappaghetti, Kapit&#228;n von Gabbiano, Italienischer Meister der Spielserie f&#252;r geistig Behinderte</p></blockquote>
<p><em>&#8220;<a href="http://www.mattiperilcalcio.it" target="_blank">Matti per il calcio</a>&#8220;</em> (&#8220;Verr&#252;ckt nach Fussball&#8221; und &#8220;Verr&#252;ckte f&#252;r den Fussball&#8221;, das sch&#246;ne Wortspiel hat leider keine deutsche Entsprechung) ist der Titel einer Dokumentation des italienischen Staatsfernsehens RAI von Wolfango de Biasi und Francesco Trento &#252;ber den Spielbetrieb der Mannschaften f&#252;r Menschen mit geistigen Krankheitsbildern. 1978 wurde in Italien das <a href="http://www.altravita.com/si-puo-fare-ein-film-mit-claudio-bisio.php">Basaglia-Gesetz</a> verabschiedet (legge 180/78), welches das bis dahin &#252;bliche Wegsperren geistig Behinderter abschaffte und einen Weg ebnete, mental kranken Menschen eine Teilhabe am &#8220;normalen&#8221; Alltagsleben zu erm&#246;glichen. Den so &#8220;Freigelassenen&#8221; widmeten sich unz&#228;hlige Initiativen, die den Kranken erm&#246;glichen, im Rahmen ihrer M&#246;glichkeiten, ihre Talente auszuleben und ihre Menschenw&#252;rde zur&#252;ckzugewinnen.</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Die Verr&#252;cktheit ist eine menschliche Eigenheit. Das Irre existiert in uns genauso wie die Vernunft. Das Problem ist, dass die Gesellschaft, um sich tats&#228;chlich gesund nennen zu k&#246;nen, das Verr&#252;ckte genauso wie die Vernunft akzeptieren m&#252;sste. Stattdessen nutzt sie eine Wissenschaft, die Psychiatrie, das Verr&#252;ckte in eine Krankheit zu &#252;bersetzen mit dem Ziel, diese auszurotten. Hier haben die geschlossenen Anstalten ihren Daseinszweck.&#8221;</em><br />
(Franco Basaglia) </p></blockquote>
<p>Im Film &#8220;Matti per il calcio&#8221; begleitet die RAI die Mannschaft &#8220;Il Gabbiano&#8221; aus einem &#228;rmlichen Quartier im Norden Roms durch die Saison 2003/04. &#220;berhaupt nicht von oben herab werden die Spieler der Manschaft vorgestellt, kleine Einspieler beleuchten ihre Krankheitsgeschichte und ihre &#8211; dann gar nicht so ungew&#246;hnlichen &#8211; Alltagsprobleme. Zweimal w&#246;chentlich trainiert man auf dem Hartplatz der <em>Polisportiva Bufalotta</em> und sowohl Platz wie Umkleidekabinen haben sicher schon bessere Zeiten gesehen. Aber das st&#246;rt die &#8220;Verr&#252;ckten&#8221; genauso wenig wie die hunderttausenden Freizeitkicker, deren geistige Abweichung noch nicht diagnostiziert wurde. Getrieben vom herrlich ansteckenden Enthusiasmus der Spieler beginnt man, den &#8220;Gabbiani&#8221; die Daumen zu dr&#252;cken. Genau wie jeder andere auch streiten sie mit dem Schiedsrichter oder werfen sich vor Freude in den Schlamm, wenn der Siegtreffer in der Nachspielzeit bejubelt wird. Selbstverst&#228;ndlich gibt es eine Schweigeminute, weil die Mutter des Torj&#228;gers in der Nacht verstorben ist und nat&#252;rlich m&#252;ssen Trainer und Therapeuten mit ran, wenn die Mannschaft keine 7 Spieler zusammenbekommt, weil es einigen mal wieder etwas schlechter geht. Wie die Gro&#223;en in der Serie A geht man dem Verteidiger ans Hemd, wen der mal wieder zu oft gefoult hat und wie zu selten in der Serie A ist das nach Spielschluss mit einem Handschlag alles wieder erledigt.</p>
<p><strong>Matti per il calcio &#8211; die sch&#246;nsten Tore</strong></p>
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<p>Und trotz aller demonstrierten und auch wahrhaftigen &#8220;Normalit&#228;t&#8221;, beginnt man, in den kurzen Interviewsequenzen zu begreifen, was der Fussball f&#252;r diese sympathischen Menschen wirklich bedeutet: die Chance, wieder am Leben teilzunehmen, ein paar Stunden Normalit&#228;t zu erleben, die ihnen sonst von der Gesellschaft verwehrt wird. Als ob sie nicht schon allein genug Probleme mit sich selbst h&#228;tten &#8211; ohne weitere Behinderungen von au&#223;en. Wenigstens f&#252;r die Dauer des Spiels m&#252;ssen sie sich nicht mit ihrer Krankheit plagen, sich nicht mit Vorurteilen und Mitleid auseinandersetzen. Auf dem staubigen (oder schlammigen, je nachdem) Rechteck gelten die Gesetze des Spiels: Das Team gewinnt nur, wenn alle zusammen halten und jeder einzelne im Rahmen seiner M&#246;glichkeiten alles gibt. Das Runde muss ins Eckige und wer mehr Tore schiesst, gewinnt. Daf&#252;r braucht es keine Einsteins, sondern Menschen, die bereit sind, an ihre Grenzen zu gehen. Und das tun sie mit einer Freude und einem Elan, der wirklich ansteckend ist. Hier auf dem Platz z&#228;hlen nicht ihre Schw&#228;chen, sondern ihre St&#228;rken &#8211; endlich ein Feld, auf dem sie Selbstbewusstsein im wahrsten Sinne des Wortes tanken k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Matti per il calcio &#8211; der Trailer</strong></p>
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<p>Und Fussballspielen k&#246;nnen sie. Beginnend beim bulligen St&#252;rmer Mario, Schizophreniker, 43 Jahre mit einer fussballerischen Vergangenheit in Achillea. Seine pr&#228;zisen Rechtsschuss hat er nicht verlernt. Um nichts in der Welt w&#252;rde Mario auf ein Spiel der &#8220;Gabbiani&#8221; verzichten; und seit er in der Mannschaft spielt, musste er kein einziges Mal zur&#252;ck in die &#8220;Geschlossene&#8221;. Oder nehmen wir Benedetto, 41, Doktor der Psychologie, Spross einer reichen Familie. Zu Beginn seiner Karriere musste ihn immer jemand abholen, ihm die Tasche packen und ihn &#252;berzeugen, am Training teilzunehmen. Heute ist &#8220;Il Gabbiano&#8221; ein Fixpunkt in seinem Leben, er ist bei jedem Training der Erste und seine Tasche ist aufs akkurateste gepackt. Von ihm selbst. Oder Valerio, der Torwart: Valerio hat eine Drogen- und Alkoholgeschichte, die seine Schizophrenie dramatisch verst&#228;rkte. Seit er Teil der Mannschaft ist, hat er zur&#252;ck ins Leben gefunden. Heute arbeitet er im Friseursalon seiner Eltern und hat eine Freundin.</p>
<p><strong>Matti per il calcio &#8211; bei &#8220;Dribbling a parte&#8221;</strong></p>
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<p>Nat&#252;rlich hat die Teilnahme am Mannschaftssport eine therapeutische Bedeutung: erstmals haben die Spieler die M&#246;glichkeit, sich mit echten Gegnern zu messen und sich selbst im Wettkampf gegen sie zu definieren, anstatt sich 24 Stunden am Tag mit eingebildeten, fiktiven Gegnern auseinanderzusetzen. Aber das wichtigste am vorliegenden Film ist, dass er den Zuschauer ohne erhobenen Zeigefinger am Alltag teilnehmen l&#228;sst: dumme Witze unter der Dusche, ausgelassene Ges&#228;nge nach einem Sieg, w&#252;ste Schiri-Beschimpfungen und abergl&#228;ubische Rituale vor dem Spiel. Man lernt die Spieler als Menschen kennen, Menschen die nicht &#252;ber ihre Krankheit definiert werden, sondern deren Krankheit Teil ihrer Pers&#246;nlichkeit ist. Oder wie der Trainer und Therapeut es ausdr&#252;ckt: <em>&#8220;Es geht nicht darum, dass ich sie mit ihren Schwierigkeiten akzeptiere es geht darum, dass sie mich in ihrem Spiel in meiner Andersartigkeit als Teil der Mannschaft akzeptiert haben.&#8221;</em></p>
<p>Es ist v&#246;llig irrsinnig, die Ausw&#252;chse des modernen Fussballs als normal zu bezeichnen und die Jungs der Gabbiani als &#8220;verr&#252;ckt&#8221;. Verr&#252;ckt nach Fussball sind sie, ansonsten vergisst man gegen Ende der Dokumentation immer wieder, dass es um teils schwerwiegend kranke Menschen geht. Das spielt n&#228;mlich keine Rolle. Und in Bezug auf Selbstironie k&#246;nnen sich die schwerbezahlten Profi-Kicker gern mal eine Scheibe abschneiden: deren Interviews sind n&#228;mlich meterweit tiefgr&#252;ndiger und lustiger als das, was man in der Sportschau so angeboten bekommt.</p>]]></content:encoded>
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