Vasco Rossi - Palaolimpico Torino 16.04.2010

15 Platten, die mein Leben veränderten.

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Das wichtigste zu Beginn: Kaum eine dieser Platten hat wirklich mein Leben verändert, aber ich übernehme den Titel gern von schöne-töne-ednett, der mir ein Stöckchen so schön zugeworfen hat, dass ich es erst nach 2 Monaten wiederfinde. 😀 Ich bin furchtbar textlastig und so sind es in der Regel Bücher, die mein Leben veränderten, oder wichtige und weise Worte mit Musik als Untermalung. Mein Musikgeschmack ist hochgradig ungebildet, unsystematisch, inkohärent, undogmatisch, kaum kanonisierbar und vermutlich nicht besonders gut. Nicht alle der Bands, die ich im folgenden aufführe, gefallen mir immer noch genauso gut, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben waren alle diese Alben einmal sehr wichtig für mich. Ich bin stolz darauf, niemals jemals etwas von Modern Talking, Nena oder Westernhagen besessen zu haben. Desweiteren geht es mir so wie ednett: 6-7 Alben stehen völlig klar auf der Liste, weil sie mir viel bedeuten, für die andere Hälfte gab es 20-30 Kandidaten. So oft ändert man sein Leben ja nun auch nicht. The Exploited: Let’s start a war…said Maggie one day Das 1983er Album der schottischen Hardcore-Punker hat sich schon deshalb einen Platz in dieser Liste verdient, weil es meine erste von eigenem Geld gekaufte Platte war. Ihr wisst ja, wie das ist mit dem ersten mal. Und jeder, der seine Kindheit im Land der Thälmann-Pioniere verbracht hat, wird mir glauben, dass für das gute Stück das Äquivalent einiger Monatsmieten über die Wupper…äh Bode…gingen. Habe ich aber später locker wieder reinbekommen, als ich Siebdruck-T-Shirts mit dem (so dachte ich damals) saucoolen Plattencover unter die Leute brachte. Schönes Brett! Dead Kennedies: Fresh Food for Rotten Vegetables Womit wir wieder bei den Texten waren. Die gebeutelte Jugend aus dem ostzonalen Staatsgebilde nahm sich ja oftmals Nachmittage frei und schwänzte die Weltrevolution, um die Texte ihrer Stromgitarren-Heroen ins Ostdeutsche zu übersetzen. Nachdem die Exploited zwar ordentlich Lärm machten, sich textlich aber nicht so als die Offenbarung herausstellten, wurden sie in meinem Kinderzimmer bald von Jello Biafras „Dead Kennedys“ abgelöst. Songs wie „Holiday in Cambodia“ oder „California über alles“ konnte man wegen ihrer inhärenten Imperialismuskritik sogar angstfrei im Fremdsprachenunterricht referieren. Die LP stand in vielen DDR-Haushalten, wurde sie doch vom polnischen Staatslabel „Polton“ herausgebracht und für ganz offizielle 16 Mark vertrieben. Mehr Punk geht nicht! Die Ärzte: Uns Geht’s Prima. Die Ärzte entdeckte ich so mit 14 und der Knalleffekt war bedeutend: Endlich entdeckten wir eine Band, die nicht nur unsere Träume, Sorgen und Gedanken teilte (Pickel, Mädchen, Bier und Dummquatschen), sondern auch in einer Sprache sang, die wir uns nicht erst unter Einsatz von Wörterbuch und Nachtschicht erarbeiten mussten, um das gewonnene Wissen fortan für uns zu behalten. Nein, plötzlich konnten wir mitsingen! Und das Zeug war richtig gut. Als wir dann entdeckten, dass man als alberner Teenager im Hormonschub trotzdem politische Botschaften mitnehmen konnte, wenn sie denn ansprechend verpackt waren, waren die Ärzte ein Instant-Evergreen. Es heißt übrigens „ein klappriges Damenrad“ und nicht „ein Bayrisches Motorrad“! Depeche Mode: Some Great Reward Ich hätte hier gern „Construction Time Again“ geschrieben, weil ich es für das stärkere und zeitlosere Album halte, dessen Industrial-Samples, vergleichsweise simplen Songstrukturen und generell düstere Atmosphäre mir heute noch gefallen („Everything Counts“, „Two Minute warning“, „Pipeline“), aber in Wirklichkeit war es erst das 84er „Some Great Reward“, das mich seinerzeit von der Boyband aus Basildon überzeugte. „People are People“, „Master and Servant“, „Blasphemous Rumours“ und „Shake the Disease“ halte ich immer noch für herausragende Titel, viel besser als alles, was danach kam, zusammengenommen. Und ein bisschen bin ich auch stolz auf mich, denn die frühen 80er Jahre hatten bei weitem grauenvolleres zu bieten, um einen Pickelteenie zu ködern. Stylish! The Cure: „Japanese Whispers“ The Cure ist aus meiner musikalischen Sozialisation nicht wegzudenken und samstägliche systematische Abstürze in finsteren Locations unter Beschallung der mythischen Disco „Fledermaus“ aus Wernigerode trugen mit Sicherheit dazu bei. Hier ist es sicherlich keine einzelne Platte, die ich wirklich herausgreifen könnte, ebenso wie das eingängige „Japanese Whispers“ waren die früheren Alben „Three Imaginary Boys“, „Boys Don’t Cry“ oder „Seventeen Seconds“ mit Klassikern wie „10:15 Saturday Night“, „Fire in Cairo“ oder „A Forest“ genauso prägend für mich, aber hey, bestimmte Platten kamen halt einfach zur richtigen Zeit raus. Hör ich immer noch gern! New Model Army: „Thunder And Consolation“ Gut, die Jungs um Justin Sullivan haben mich nun wirklich geprägt, beeinflusst, begeistert und mithin vermutlich mein Leben verändert. Und das Doppelalbum „Thunder and Consolation“ mit „I love the world“, „Vagabonds“, „Green and Grey“ oder der „Ballad of Bodmin Pill“ ist sicher ein schöner Querschnitt dessen, was mir an NMA so gefallen hat. Die Musik war eingängiger, als das rauhe Oi/Punk/Ska-Geschrammel, was mir sonst so lieb war (man wird ja älter), der Einsatz von Folk-Elementen sollte meinen Musikgeschmack für die folgenden Jahrzehnte prägen und Sullivans antimoderner und antiklerikaler „mother-earth“-Kommunismus besetzte bei mir damals nach dem Mauerfall eine ideologische Leerstelle. Schäme ich mich immer noch nicht für! The Sundays: Reading Writing And Arithmetic Ich kann wenig zu dem Album sagen, es war nicht völlig mein Musikgeschmack, selbst wenn, wurde es seinerzeit bei weiten überstrahlt von „Transvision Vamp“, aber irgendwie hatte sich die Platte in mein Herz geschlichen. Aus irgendeinem nicht mehr erinnerlichen Grunde gekauft, die ersten male reichlich uninspiriert gefunden und dann aber doch immer wieder und wieder gehört und immer neue Facetten entdeckt. Kurzum, die LP habe ich über die Jahre bestimmt weit über hundert mal gehört und ich finde sie immer noch frisch und modern und Harriet Wheelers Stimme halte ich immer noch für verdammt sexy. Keine Ahnung warum, aber: Ich mag die Scheibe sehr! 10.000 Maniacs: „MTV unplugged“ Der 1993er Auftritt der 10.000 Maniacs beim damals noch frischen „MTV unplugged“ war eine wirkliche und wahrhaftige Erleuchtung. Das erstemal wurde ich mit großartiger Poesie im Rahmen von Popmusik in Berührung gebracht und das sollte zumindest meinen Musikgeschmack sehr heftig beeinflussen und erweitern. Die Texte zu „Eat for Two“, „Jezebel“, „Trouble Me“ oder „Don’t Talk“ sind nichts weniger als „advanced poetry“ und ich bezweifle, dass ich ohne Natalie Merchants nahezu perfektem Album die nachfolgenden Fabrizio de Andrè, Francesco de Gregori oder Counting Crows in derselben Art zu schätzen gewusst hätte. So gut, dass ich sogar Natalies nervtötende Stimmlage mehr als nur ertragen kann. Ein fast perfektes Album! The Pogues: If I Should Fall From Grace With God Der war einfach: Das beste Album der besten Liveband ever mit dem besten Lovesong aller Zeiten („Fairytale of New York“). Ich hatte das Vergnügen, die Pogues mehrfach live sehen zu dürfen, in Originalbesetzung oder mit Joe Strummer oder auch Spider Stacey als Sänger, darunter in den Glasgower Barrowlands. Keine Band hat mich über so viele tausend Autobahnkilometer begleitet und so viele Küchenputz-Vormittage erträglich gemacht. Und mit Sicherheit hat keine Band meinen Musikgeschmack mehr kanalisiert. Besser geht es einfach nicht! The Levellers: Levelling the Land Siehe „New Model Army“: Rock und Punk mit keltischen Elementen geht immer, ist tanzbar, macht Spaß beim Autofahren und ist tanzbar bei Live-Konzerten. Im Falle der Levellers kam eben noch eine gewisse Philosophie hinzu, mit der ich damals sehr viel anfangen konnte und die mich sicherlich auch heute prägt. Musikalisch vielleicht nicht gerade eine Revolution, aber für mich immer gut hörbar. Mit den Jungs habe ich viel Zeit verbracht und die nenne ich immer noch ziemlich weit vorn, wenn es darum geht, mit welcher berühmten Persönlichkeit ich gern mal ein Bier trinken gehen würde. Und de Andrè ist ja schon tot. Crusties with attitude! R.E.M.: Automatic For The People Automatic for the People ist eines von zwei perfekten Alben, die ich kenne, ein reifes Meisterwerk von einer der intelligentesten Bands, die ich kenne. Natürlich fand ich R.E.M. schon seit den Zeiten von „Murmur“ und „Reckoning“ immer irgendwie gut (soweit ich das auf meinen ORWO-Mixtapes ausmachen konnte), natürlich hatte ich alle Alben, aber nur bei „Automatic for the People“ fand ich plötzlich jeden einzelnen Song fantastisch, hervorragend zum nächsten passend, atmosphärisch stark, melodiös und emotional: „Drive“, „Try Not to Breathe“, „The Sidewinder Sleeps Tonite“, „Everybody Hurts“, „New Orleans Instrumental No.1“, „Sweetness Follows“, „Monty Got a Raw Deal“, „Ignoreland“, „Star Me Kitten“, „Man on the Moon“, „Nightswimming“ and „Find the River“. Alle toll! Counting Crows: August And Everything After Und wo wir dabei sind, das nächste perfekte Album, das von mir 10 von 10 blitzeblanken Sternen bekommt. Vermutlich, weil es mich zur passenden Zeit in meinem Leben getroffen hat und ich zu Adam Duritz‘ lyrischen Klimmzügen so prima den Mond anheulen konnte, aber nicht nur: „August and Everything After“ begleitet mich seit 1992 und ist eines der ganz wenigen Alben, die ich immer noch regelmäßig höre. Hochwertiges Songwriting, das einem angehenden Literaturstudenten mühelos standhalten konnte, sparsame, aber immer punktgenaue Instrumentalisierung, traurig und melancholisch, aber bei weitem nicht schmalzig-verzweifelt. Immer noch eine wunderschöne Platte für die etwas ruhigeren Momente, intelligent, ehrlich und verdammt gut gemacht. Fabrizio de Andrè: Arrangiamenti PFM Meine erste Entdeckung in Italien: Ein Freund nahm mich in seinem Alfa mit und aus den Boxen dröhnte nicht das übliche italienische Blubberradio, sondern spannende Folk-Arrangements, eine sonore, ausdrucksstarke und kräftige Stimme und – wie ich später entdecken sollte – messerscharfe und hochintelligente Texte über Gott und besonders die Welt. Erst in dem Moment habe ich entdeckt, dass Italien deutlich mehr zu bieten hat als Jovanotti (nichts gegen Jovanotti!), Gianna Nannini oder Adriano Celentano (nichts gegen Celentano!). Zu De Andrè könnte ich Bücher schreiben, sicher würde ich zuerst mit ihm ein Bier trinken wollen und sicher passen seine besten Songs nicht annähernd auf ein Album, aber das schöne an den beiden LPs mit PFM ist, dass sie seiner Stimme und seinen Texten einen ebenbürtige musikalischen Rahmen geben. (Das Video oben ist i.ü. nicht von der Konzertreihe mit der PFM, sondern vom letzten vor seinem Krebtod. Umso ergreifender). Francesco de Gregori: Francesco De Gregori Auch hier ist das selbstbetitelte Album nur ein Beispiel für eine ganze Reihe an wunderbaren Werken. Besonders der frühe de Gregori von „Pablo“, „Niente da Capire“, „Donna Cannone“, „La leva calcistica della classe ’68“, „Alice“, „Rimmel“, „Generale“ (nein, das ist nicht von Vasco Rossi) oder „Natale di seconda mano“ hatte es mir angetan und selbstverständlich wegen der kraftvollen, bildhaften Sprache. De Gregori war (leider hat er in den letzten Jahren ein wenig die Hand verloren) mit Dalla, Battisti und de Andrè einer der einflussreichsten cantautori, die Italien hervorgebracht hat. Und seinen Eingang in diese Liste hat er gefunden, weil er großen Anteil daran hat, dass ich Italienisch gelernt habe und vor allem: was für ein Italienisch ich gelernt habe. Poesie. Nick Cave: Tender Prey Der Australier Nick Cave hat meinen Musikgeschmack sicherlich versaut wie kein anderer mit seinen düster-barocken und musikalisch schlecht umgesetzten Schwurbeleien, seinem albernen Mittelalter-Fetischismus, seinem unerträglich platten Spiel mit christlicher Symbolik und und und. Aber Cave ist einfach genial, ich musste den Mann mit der Knubbelnase einfach mögen: Finstere Texte ohne auch nur den geringsten didaktischen Anspruch, Spaß an Verkleidung, an elaboraten Melodien oder einfach nur von Blixa Bargeld verzapftem Krach. Cave war sicher niemand, der sich von irgendjemand zeitgenössischem hätte beeinflussen lassen, war aber Vorbild für viele. Wer die Musik nicht erträgt, sollte erstmal seinen Debüt-Roman „And the ass saw the angel“ lesen. Ganz große Kunst! Nirvana: MTV unplugged Doch doch, es war die MTV unplugged-Version von Nirvana, die mich endgültig von den Herren aus Seattle überzeugte und fortan auf jedem meiner Mixtapes auftauchte. Neben genialen Coverversionen von Mudhoney und Bowie zeigte sich in der minimalistischen Verknappung, nach Abzug des ganzen angry white man rock’n’roll-Soundmülls, was für ein elendig guter Songwriter der Mann wirklich war. Aufgenommen nicht lange vor seinem Tod, auf einer schlichten, nur mit Blumen geschmückten Bühne, im Sitzen, ohne Mackerposen, ohne Heldengetue ließ Cobain tatsächlich etwas aus seinem Innersten durchblicken. Und erstaunlicherweise sind seine ruhigsten, reflektiertesten Songs die besten. Chilling! Gut, wie angesprochen, vermutlich müsste ich hier noch U2’s „War“ anbringen, sicherlich die „Smiths“, wie konnte ich nur „Simple Minds“ rauslassen. Bestimmt sollten auch „Ministry“, „Therapy“, „Helmet“, „Prong“, „Body Count“ und ganz besonders „Monster Magnet“ hier mit rein. Und wieso habe ich alle Alben der „Cowboy Junkies“ oder von „Etta Scollo“ im Regal stehen, wenn sie dann doch nicht wichtig waren? Kettkar? Happy Mondays? Ride? Suede? Visage? New Order? Fehlfarben? Und wieso kommt eigentlich keine der bisher von mir hier vorgestellten Bands wie „Davide van des Sfroos„, „Sud Sound System„, Marco Masini, die „Modena City Ramblers“ oder „Talco“ hier vor? Soll ich ehrlich sein? Keine Ahnung! 😉 Und jetzt seid ihr dran…tocca a voi!